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Mutmaßlicher Mörder hüllt sich in Schweigen

Prozessauftakt in Frankfurt (Oder) Mutmaßlicher Mörder hüllt sich in Schweigen

Ein Mord wegen 40.000 Euro? Seit Montag steht am Landgericht Frankfurt (Oder) ein Mann vor Gericht, der im Mai 2015 in Ahrensfelde (Barnim) heimtückisch einen Bekannten erschossen haben soll. Der Angeklagte - ein 54 Jahre alter Berliner - schweigt zu dem schweren Vorwurf. Doch es gibt Zeugen.

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Der Gerichtssaal in Frankfurt (Oder) am ersten Verhandlungstag.

Quelle: dpa

Frankfurt (Oder). Er soll aus Habgier heimtückisch einen anderen Mann ermordet haben, doch der Angeklagte D. schweigt vor Gericht. Auf der Anklagebank des Landgerichts Frankfurt (Oder) sitzt seit Montag ein 54-jähriger Berliner, der am 7. Mai vergangenen Jahres einen 48-jährigen Bekannten in Ahrensfelde (Barnim) erschossen haben soll.

Laut Anklage kannten sich Täter und Opfer. Der 54-jährige Michael D. soll bei dem Jüngeren 40 000 Euro Schulden gehabt haben, die er nicht zurückzahlen konnte und wollte. Die Staatsanwaltschaft will ihm nachweisen, dass er den Bekannten auf einen abgelegenen Feldweg zwischen den Ahrensfelder Ortsteilen Neu Lindenberg und Birkholz gelockt hatte mit der Zusicherung, ihm das Darlehen zurückzuzahlen. «Stattdessen aber wollte er seinen Gläubiger bei dem Treffen töten», sagte Staatsanwältin Annette Bargenda bei der Anklageverlesung.

Nach einem kurzen Gespräch habe der Angeklagte eine Pistole gezogen und aus nächster Nähe fünf Schüsse auf die linke Körperseite seines ahnungslosen und überraschten Opfers abgegeben. Als der 48-Jährige daraufhin bäuchlings zu Boden fiel, schoss der Angreifer seinem Opfer laut Anklage noch zweimal ins Genick. Anschließend zog er den Sterbenden von der Fahrbahn weg an den Straßenrand. «Der Mann verstarb aufgrund der schweren Schussverletzungen, sein Mörder fuhr davon», sagte die Staatsanwältin.

Das Verfahren ist ein reiner Indizienprozess, denn unmittelbare Zeugen des Mordes gibt es nach Angaben von Anklägerin Bargenda nicht. Dafür aber Spuren von Opfer und Täter in dem Wagen, den der Angeklagte für die Tat benutzt haben soll. Das Auto war erst nach wochenlanger Fahndung in Berlin gefunden worden. Der Angeklagte schwieg am ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen.

Der Angeklagte Michael D. war am 19. Mai vergangenen Jahres von einem Brandenburger Spezialeinsatzkommando in Berlin festgenommen worden. Im Ermittlungsverfahren hatte der arbeitslose Angeklagte, der sich seit dem 20. Mai vergangenen Jahres in Untersuchungshaft befindet, laut Staatsanwaltschaft stets seine Unschuld beteuert.

Gehört wurden stattdessen Zeugen, die zufällig auf dem mit Schlaglöchern gespickten Weg vorbei kamen und die beiden Männer an ihren geparkten Autos sahen, scheinbar ins Gespräch vertieft. Einer der Zeugen war der erste Passant, der nach den tödlichen Schüssen den eigentlich nur in Schritttempo befahrbaren Weg benutzte, wie er vor Gericht schilderte. Im Vorbeifahren habe er eine leblose Person im Straßengraben liegen sehen. Aus den Augenwinkeln heraus habe er zudem eine Bewegung zwischen den beiden geparkten Wagen bemerkt. «Als ich in den Rückspiegel sah, bemerkte ich einen geduckt in ein Fahrzeug springenden Mann mit Kapuze. Der raste anschließend mit noch offenem Kofferraum in einem hellen Golf in die entgegengesetzte Richtung davon», erzählt der Zeuge.

Daraufhin habe er angehalten und sei zu der leblosen Person zurückgegangen, so der 73 Jahre alte Berliner weiter. «Bis auf zwei Meter bin ich ran. Dann bemerkte ich Schleifspuren, eine Blutlache an dem noch immer dort stehenden zweiten Auto sowie Patronenhülsen», sagte der Zeuge. Dass der Mann am Boden augenscheinlich nicht mehr lebe, darüber sei er sich mit einem ebenfalls herbei eilenden Traktoristen einig gewesen. Näher hinzutreten wollte er jedoch nicht, aus Sorge, Spuren zu verwischen. Stattdessen habe er per Handy die Polizei alarmiert.

Das Gericht hat für das Verfahren insgesamt elf Verhandlungstage angesetzt. Am Dienstag wird der Prozess mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Unter anderem sind Ermittlungsbeamte und Freunde sowie Familienangehörige des Opfers geladen. Das Urteil wird Anfang März erwartet.

dpa

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