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Brandenburg Psychiater: So tickt der Erpresser
Brandenburg Psychiater: So tickt der Erpresser
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17:17 04.12.2017
Von dieser DHL-Packstation in Potsdam ist ein Paket des Erpressers verschickt worden. Quelle: dpa
Potsdam

Ein Team aus 50 Polizei-Einsatzkräften fahndet in Brandenburg nach einem Paket-Erpresser. Der Psychiater Stefan Röpke, der an der Berliner Charité den Bereich Persönlichkeitsstörung und posttraumatische Belastungsstörung leitet, erklärt im Interview, was solche skrupellosen Täter antreibt.

Herr Röpke, es heißt der oder die Täter nähmen schwerste Verletzungen der Adressaten oder sogar deren Tötung billigend in Kauf. Wer tut sowas und was treibt solche Täter an?

Stefan Röpke: Ähnlich wie in dem Fall vor einigen Monaten, in dem ein Supermarkt-Erpresser Gift in Babynahrung gemischt hat, handelt sich um jemanden, der eine hohe kriminelle Energie hat und der sich bereichern möchte. Aus meiner Sicht lässt sich aus dem bisherigen Muster schließen, dass der Täter nicht politisch motiviert ist, sondern dass es ihm um Geld geht. Dass er sich die Vorweihnachtszeit für seine Erpressung ausgewählt hat, deutet darauf hin, dass er sehr genau überlegt hat, wie er den Paketdienst am besten treffen kann.

Stefan Röpke ist Oberarzt und  Bereichsleiter der Abteilung Persönlichkeitsstörungen und Posttraumatische Belastungsstörung sowie der Autismusambulanz in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, Universitätsmedizin Berlin. Quelle: privat

Der bekannte Berliner Erpresser „Dagobert“ hatte Warenkaufhäuser erpresst, kürzlich gab es den Mann, der Babynahrung vergiftete und jetzt den Fall aus Potsdam. Gibt es ein bestimmtes Täterprofil für Erpresser, das sich ähnelt?

Aus der Erfahrung wissen wir, dass derartige Verbrechen vorrangig durch Männer begangen werden. Denn eine geplante Aggressivität ist ein Merkmal, das eher bei männlichen Tätern vorkommt. Es handelt sich weiter um eine sehr skrupellose Person, die wenig Schuld oder Scham empfindet. Dafür spricht, dass derjenige offenbar damit leben kann, den Tod eines Menschen oder eines Kindes in Kauf zu nehmen.

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– Sonderseite zum Thema: www.MAZ-online.de/dhl-erpressung

Handelt es sich um einen Psychopathen oder um einen Narzissten?

Bei dem Paket-Erpresser handelt es sich zunächst einmal um einen Kriminellen, der antisoziale Züge aufweist. Er handelt überlegt und planvoll, indem er riskiert, dass jemand mit seinen gefährlichen Paketen zu Tode kommt. Trotzdem kann er offenbar nachts noch ruhig schlafen. Das spricht eher für einen Menschen mit psychopathischen Eigenschaften. Es kann aber auch sein, dass sich jemand mit seiner Tat erhöhen will und sich für unfehlbar hält. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass solche Täter gefasst werden ist hoch, trotzdem hält derjenige sich aber für so schlau und clever, dass er nicht geschnappt wird.

Woher resultiert eine solche kriminelle Energie?

Wir wissen, dass es Menschen gibt, die mit ausgeprägten antisozialen Merkmalen auf die Welt kommen, weil es in ihren Genen steckt. Auch Erziehung und Umwelteinflüsse wie das Elternhaus, Mobbing in der Schule oder Gewalterfahrungen können eine Rolle spielen, müssen es aber nicht.

Was unterscheidet jemanden, der Paketbomben verschickt von jemandem, der andere Menschen entführt, um Geld zu erpressen oder sogar mordet?

Der Paket-Erpresser handelt mit mehr Abstand von der Sache und muss keine direkte körperliche Gewalt anwenden, wie jemand, der seinem Opfer direkt gegenübersteht. Aus seiner Sicht handelt er sehr konsequent: Er will schnell an Geld kommen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen.

Wie nimmt das unmittelbare Umfeld einen solchen Täter wahr?

Da gibt es alle Varianten und es lässt sich nur vermuten. Oft sind solche Täter unauffällig, Einzelgänger mit wenig sozialen Kontakten, jemand, der am Rande der Gesellschaft steht, deutlich unzufrieden ist und in ökonomisch unsicheren Verhältnissen lebt.

Was machen derartige Schlagzeilen über explosive Päckchen mit den Verbrauchern?

Die Bedrohung wird als zeitlich begrenzt empfunden, da der Täter vermutlich geschnappt wird oder aus Angst keine weiteren Taten begeht. Anders sieht es aus bei terroristischen Attentaten, die Islamisten etwa auf dem Weihnachtsmarkt verüben. Die Bedrohung ist für die Menschen deutlich realer geworden, weil sie häufiger geschieht. Dass jemand ein solches Päckchen erhält, ist unwahrscheinlicher.

Von Diana Bade

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