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Rätsel um Brief an AirBerlin-Chef gelöst

Potsdam, München, Berlin Rätsel um Brief an AirBerlin-Chef gelöst

Der letzte Flug der insolventen Fluglinie AirBerlin am Freitag erzeugte große Aufmerksamkeit – ebenso ein offener Brief an AirBerlin-Chef Thomas Winkelmann, den ein Passagier am Münchener Check-In anbrachte. Wie die MAZ herausfand, lebt der Absender in Potsdam. Wir haben mit ihm gesprochen.

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Dieser Brief am Check In-Schalter der AirBerlin in München sorgte deutschlandweit für Aufsehen. Der Absender lebt in Potsdam.

Quelle: Privat/Ralph Richter

Potsdam. Der letzte Flug der insolventen AirBerlin bewegte am Freitagabend nicht nur die Beschäftigten der Airline, sondern auch viele Passagiere. Begleitet von großem Medieninteresse landete der letzte Flieger am Freitagabend kurz vor Mitternacht in Berlin-Tegel, bevor die Lichter bei der Fluggesellschaft nach fast 40 Jahren endgültig ausgingen.

Für Aufsehen sorgte in Zusammenhang mit dem Flug ein offener Brief an AirBerlin-Chef Thomas Winkelmann, den ein Passagier am Startflughafen München öffentlich an einen Check-In-Counter der Airline gepinnt hatte. Während Medien, u.a. der Focus und die Huffington Post, deutschlandweit über den Absender des Briefes rätselten, der Winkelmann u.a. dazu auffordert, auf die 4.5 Millionen Euro zu verzichten, die sich der Chef der Fluglinie trotz Insolvenz vertraglich hat zusichern lassen, und einen Mitarbeiter der Fluglinie dahinter vermuteten, hat die MAZ mit dem Absender des Schreibens, Ralph Richter aus Potsdam , über seine Beweggründe für den vielbeachteten Brief gesprochen.

Dienstreise nach München mit letztem AirBerlin-Flug bereist

Gemessen an seinen jährlichen Flugmeilen kann man Ralph Richter getrost als Vielflieger bezeichnen. Der Geschäftsmann ist für sein Unternehmen RaRiTec regelmäßig als Kundendiensttechniker im Laborbereich im In- und Ausland unterwegs. „Ich bin in den vergangenen Jahren sehr oft mit der AirBerlin geflogen. Mit der Zeit knüpft man da die ein oder andere Verbindung zu den Menschen, die für das Unternehmen arbeiten“, berichtet er. Die Entwicklung der Fluglinie verfolgte er in den vergangenen Monaten aufmerksam. „Als bekannt wurde, dass AirBerlin den Flugbetrieb nicht mehr lange aufrechterhalten wird, habe ich schon überlegt, wann der letzte Flug stattfinden würde“, blickt Richter zurück. „Am 27. Oktober stand dienstlich bei mir ein Kundentermin in München an. Als feststand, dass die Verbindung von München nach Berlin an diesem Tag auch der letzte AirBerlin-Flug sein würde, ließ sich das verknüpfen. Ich habe mich sofort an den Rechner gesetzt, um ein Ticket für diesen Flug zu buchen. Glücklicherweise hat das auch geklappt.“

Der Potsdamer Ralph Richter saß als Passager im letzten AirBerlin-Flug

Der Potsdamer Ralph Richter saß als Passager im letzten AirBerlin-Flug.

Quelle: Privat/Ralph Richter

Ein Kundentermin in München stand an diesem Tag für Ralph Richter an. Am späten Vormittag ging sein Hinflug in die bayrische Metropole. Unter Tränen habe sich die Stewardess im Namen des Flugteams nach der Landung nicht nur von den Fluggästen, sondern auch von ihrem Job und der AirBerlin, die lange Zeit Teil ihres Lebens waren, verabschiedet. Ein Moment, der Ralph Richter ebenso wie die anderen Passagiere tief beeindruckt und „emotional sehr betroffen“ gemacht habe. „Dieser Moment war für mich der Auslöser, den offenen Brief an Herrn Winkelmann zu schreiben“, erklärt er im Gespräch mit der MAZ.

 

Diesen offenen Brief hatte Ralph Richter in München an den Check In-Schalter der

Der letzte Flug der insolventen Fluglinie AirBerlin am Freitag, den 27. Oktober, erzeugte große Aufmerksamkeit. Ebenso ein offener Brief an AirBerlin-Chef Thomas Winkelmann, den ein Passagier am Münchener Check In anbrachte. Der Absender lebt in Potsdam, er war Passagier auf dem Flug AB6210 von München nach Berlin. Für die MAZ öffnet er sein persönliches Fotoalbum von dem Flug.

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Für 21.35 Uhr war sein Rückflug AB6210 – der letzte Flug in der Geschichte der AirBerlin – angesetzt. Am Flughafen habe er seinen offenen Brief verfasst, in dem es unter anderem heißt: „... wissen Sie, wie viele Tränen in den letzten Tagen vergossen worden sind? Ist Ihnen bewusst, wie viele es heute noch werden? Verantwortung hat man immer für Menschen und nicht für 4,5 ...“ Gleichzeitig fordert er den AirBerlin Chef auf: „... Setzen Sie ein Zeichen! Verzichten Sie!“ Zum Abschluss schreibt er: „Danke liebe AirBerliner, dass ich die letzten Jahre mit Euch fliegen durfte.“ Den Zettel heftete er an einen Check In-Counter. Zahlreiche Fotos, Videos und Berichte gehen seitdem davon durch das Netz.

Diesen offenen Brief hatte Ralph Richter in München an den Check In-Schalter der

Diesen offenen Brief hatte Ralph Richter in München an den Check In-Schalter der

Quelle: Privat/Ralph Richter

Die emotionale Abschiedsrede der Flugzeugcrew auf dem Hinflug habe ihn sehr bewegt. „Es geht bei dieser ganzen Sache in erster Linie um Menschen. Menschen, die seit vielen Jahren für dieses Unternehmen gearbeitet haben und die nun vor einer Ungewissheit stehen, wie es mit ihnen weitergeht. Menschen, denen die Existenzgrundlage genommen wird, Menschen, denen enorme Gehaltseinbußen drohen, wenn sie überhaupt irgendwo unterkommen“, erklärt Ralph Richter. „Aus diesem Grund war es mir ein Anliegen, meine Gedanken an AirBerlin-Chef Herrn Winkelmann öffentlich zu machen.“

Hochprofessioneller letzter Flug

Der Flug von München nach Berlin selbst sei „hochprofessionell abgelaufen. Die Flugzeugcrew hat das hervorragend gemacht“, lobt der Potsdamer. „Schätzungsweise ein Drittel der Passagiere bestand aus Medienvertretern, ein weiteres Drittel hatte den Flug gebucht, ohne zu wissen, dass es sich um den letzten AirBerlin-Flug handelt und das restliche Drittel hat diesen Flug ganz bewusst gebucht, darunter waren auch etliche AirBerliner selbst“, berichtet er.

Viele Fluggäste verewigten sich auf der Maschine nach Berlin

Viele Fluggäste verewigten sich auf der Maschine nach Berlin.

Quelle: Privat/Ralph Richter

Was sagt der gebürtige Potsdamer dazu, dass sein offener Brief eine so große Öffentlichkeit erfährt? „Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, was da gerade passiert. Die Abwicklung der Arbeitsstellen hätte man im Sinne der Mitarbeiter anders lösen können und müssen. In erster Linie tut es mir aber einfach wahnsinnig leid um die Menschen, die bei der AirBerlin arbeiten und nun ohne Job und vor dem Nichts stehen“, sagt Richter. Viel fliegen wird der spezialisierte Labortechniker auch weiterhin müssen. Zukünftig wird er sich dafür nun eine neue Lieblings-Airline suchen müssen.

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Von München nach Berlin ging am Freitagabend, den 27. Oktober, der letzte Flug in der Geschichte der AirBerlin Fluglinie. Deren Unternehmensgeschichte hat damit nach 40 Jahren ein unrühmliches Aus genommen. Die MAZ fasst Impressionen dieses ganz besonderen Fluges noch einmal in Bildern zusammen.

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Von Nadine Bieneck

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