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Rahmenlehrplan: Das denken die MAZ-Leser

Fachübergreifender Unterricht Rahmenlehrplan: Das denken die MAZ-Leser

Überraschend ist der gemeinsame Rahmenlehrplan für Berlin und Brandenburg unterzeichnet worden. Künftig werden Fächer wie Geschichte, Physik oder Biologie fächerübergreifend unterrichtet. Viele MAZ-Leser bewegt das Thema. Die Mehrheit sieht die Entwicklung kritisch. Doch es gibt auch Befürworter.

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Einige Schulfächer sollen bald fachübergreifend in der Klassenstufe 5 und 6 unterrichtet werden.
 

Quelle: dpa

Brandenburg. Die Landesregierungen haben sich geeinigt: Der gemeinsame Rahmenlehrplan für Berlin und Brandenburg ist jüngst von Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) und Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) unterzeichnet worden. Viele Eltern und Lehrer waren im Vorfeld Sturm gegen den neuen Rahmenlehrplan gelaufen – etliche Rückmeldungen hatte es in einer Anhörungsphase in den letzten vier Monaten gegeben. „Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Gremien und Verbände und andere Interessierte haben durch Hinweise und Vorschläge dazu beigetragen, dass der Rahmenlehrplan noch einmal an vielen Stellen überarbeitet und präzisiert wurde“, hieß es dazu in einer Pressemitteilung.

Auf unserer MAZ-Facebook-Seite hat das Thema viele Menschen bewegt. Die meisten üben weiter Kritik an der endgültigen Fassung des Lehrplans. Insbesondere die Neuerung, dass Physik, Biologie und Geschichte nicht mehr als eigenständige Fächer, sondern fachübergreifend in den Klassenstufen 5 und 6 unterrichtet werden sollen, erzürnte einige Leser. Künftig verschmelzen Biologie und Physik zum Fach Naturwissenschaften. Politische Bildung, Geschichte und Geografie werden zum Fach Gesellschaftswissenschaften. Doch es gibt auch Befürworter der Reform. Sie schätzen vor allem das kompetenzübergreifende Lernen.

Das sagen die Kritiker

„Hurra, wir verblöden“, schreibt Facebook-Nutzer Jan Vogel. Juliana Schroth habe selbst jahrelang im Schulausschuss versucht, dagegen zu steuern. „Leider vergeblich“, schreibt sie. Eine Begründung liefert sie gleich mit. Von „OBEN“ sei das so gewollt – und es beginne nicht erst in der Schule, sondern bereits im Kindergarten. Damit spricht sie einige Menschen an, denn was sie mit „oben“ meint, ist Brandenburgs Politik. Viele User monieren die vermeintliche Egalität ihrer Wünsche, die des „Volkes“. „Es ist traurig, wie die Politik auf Beschwerden, auf Anregungen des Volkes regiert“, schreibt etwa Jörg Haase. Das zeige ihm der überraschende Beschluss. Er wird deutlicher: „Nun wurde am Volk vorbei entschieden!“ Ihm ist zum Heulen zumute.

„Die Politiker scheinen zu denken, dass man bei Bildung mit wenig Input, viel Output erreicht. Leider ist das nicht der Fall. Besonders im vorpubertären Alter ist es wichtig eine Grundlage zu schaffen und die Kinder nicht zusätzlich zu verwirren. Das Gehirn stellt Verknüpfungen von Natur fest. Immer wird verlangt dass man differenziert denkt aber jetzt wird alles in einen Topf geworfen?“, kommentiert Annabell Haseloff den Beitrag. Sie glaubt, die Bildung werde viel zu stark vernachlässigt. Vor allem aber denkt sie noch einen Schritt weiter und praktischer: „Bekommen die Kinder neue Bücher oder müssen sie jetzt 3 Bücher für ein Fach mitnehmen?“ Sie glaubt, dass dem Nachwuchs außerdem langfristig der Spaß an vielen Fächern „verdorben“ werden könne. Schließlich muss nicht jeder, der gut in Biologie ist auch Spaß an Physik haben oder „wer keinen Spaß an Geografie hat, kann trotzdem Geschichte lieben.“ Haseloff glaubt, die Quittung komme später – dann, wenn „diese Kinder aus der Schule kommen und denken Hitler hat den Krieg nur verloren, weil es kalt in Russland war.“

Missstände sieht Christiane La Torpe: Im sozialen Bereich, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen werde immer zuerst der Rotstift angesetzt, schreibt sie. „Wozu Bildung, das braucht man in Zukunft nicht mehr“, setzt sie ironisch hintendran. Prozesse, etwa woher Milch, Käse und Fleisch kommen, bedarf es nicht – sie seien ja schon abgepackt im Supermarkt erhältlich, schreibt die Leserin zynisch. Außerdem lerne man es später dann eben einfach aus den Medien, etwa aus der Serie „The Big Bang Theorie“. Verblödung betitelt sie das, was die Politiker entschieden haben. Jana Hechel fragt sogar ironisch, warum nicht gleich alle Fächer zusammen unterrichtet werden. „Je nachdem, welcher Lehrer gerade mal anwesend ist“, sagt sie und reißt damit an, was auch von einigen anderen als Kritikpunkt gesehen wird. So geht Katrin Schulz davon aus, dass mit der Zusammenlegung der Fächer ein Mangel an Fachlehrern herrsche. Klaus M. Hartgens glaubt indes, dass Schulen, Lehrer und viele Schüler schon jetzt am untersten Ende des Niveaus in Brandenburg sind. Auch MAZ-Kommentator Zephir auf MAZonline sieht es ähnlich. „Der vorletzte Platz im Länderranking ist wohl nicht genug. Es muss mit Abstand der letzte Platz sein“, schreibt der User.

Das sagen die Befürworter

Doch es gibt auch Gegenwind. Lars Kagelmacher kann beispielsweise die Aufregung nicht verstehen. Er glaubt, die meisten hätten sich mit den Rahmenlehrplänen gar nicht erst auseinandergesetzt. Vielmehr müsse man einer Reform auch eine Chance geben. Facebook-User David Rei denkt ähnlich. „Hier wird schnell den Verantwortlichen die Kompetenz abgesprochen. Ich frage mich, mit welchem Recht? Habt ihr alle mehr Ahnung“, kontert er auf die zahlreichen Beiträge. Er unterstreicht, dass nicht der Unterricht abgeschafft wird, sondern lediglich seine Form ändert. Diese Entwicklung sieht er positiv, schließlich gehen biologische und physikalische Prozesse oft Hand in Hand. Allerdings zweifelt er an der interdisziplinären Ausrichtung der Lehrer. Werden sie bis zum Start des neuen Lehrplans ausreichend ausgebildet sein?

São Sebastião hebt das deutliche „Plus bei der Kompetenzvermittlung“ hervor, denn jetzt könne man endlich übergreifende Zusammenhänge endlich auch als solche aufzeigen, „anstatt sie separat und redundant zu unterrichten“.

Der neue Rahmenlehrplan greift ab dem Schuljahr 2017/2018.

Die Diskussion geht weiter

Von MAZonline

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