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Brandenburg Raser-Prozess - Angeklagter schweigt und weint
Brandenburg Raser-Prozess - Angeklagter schweigt und weint
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17:58 08.09.2016
Auftakt im Prozess um illegales Autorennen in Berlin. Einer der beiden Angeklagten mit seinem Anwalt Quelle: dpa
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Berlin

Einer der Raser weint, als die Anklage verlesen wird. Der zweite Angeklagte sitzt regungslos zwischen seien Anwälten. Nach einem tödlichen Autorennen steht vor dem Berliner Landgericht der Vorwurf des Mordes im Raum - erstmals in Deutschland. Mit mehr als 160 Stundenkilometern sollen sich die Angeklagten durch die westliche Innenstadt von Berlin gejagt haben. Bis einer der Sportwagen-Fahrer einen Jeep rammte. Dessen 69-jähriger Fahrer starb.

Verteidiger des Angeklagten: „Er bereut zutiefst“

Der Medienandrang ist groß, als am Donnerstag der Prozess beginnt. Ein Sohn des Getöteten sitzt den Angeklagten gegenüber. Die Männer, 27 und 24 Jahre alt und seit sechs Monaten in Haft, weichen seinen Blicken aus und schweigen zunächst. Ein Verteidiger des 27-Jährigen sagt: „Er bereut zutiefst.“ Der Vorwurf des Mordes sei haltlos, widersprechen alle Verteidiger.

Bisher keine Straftat, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit: Sollten illegale Autorennen künftig härter bestraft werden?

Es liegt eine Gesetzesinitiative vor, um die Strafen für illegale Rennen zu verschärfen. Bislang ist die Beteiligung eine Ordnungswidrigkeit, die mit 400 Euro und einem Monat Fahrverbot bestraft wird. Nach den Vorschlägen Nordrhein-Westfalens würden die Autorennen künftig als Straftat im Strafgesetzbuch aufgeführt. Als Strafe sollen drei Jahre Gefängnis drohen - sogar zehn Jahre, wenn jemand schwer verletzt oder gar getötet wird. Autos könnten eingezogen werden. Damit seien die Raser besonders zu beeindrucken, hoffen die Politiker.

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„Die Angeklagten versuchten das illegale Straßenrennen zu gewinnen und sich die damit verbundene und angestrebte Selbstbestätigung zu sichern“, verliest Ankläger Christian Fröhlich. Tödliche Folgen hätten sie bei dem „Stechen“ billigend in Kauf genommen. Zwei Mordmerkmale sieht er: Ein Handeln aus niedrigen Beweggründen und mit gemeingefährlichen Mitteln.

Es war ein Unfall, bei dem das Opfer keine Chance hatte

Die rechtliche Bewertung ist umstritten. „Der Raserei ein Ende machen darf man nicht, indem man die Gesetzeslage unzulässig ausweitet und verschärft“, argumentiert ein Anwalt. Der Vorsatz, an einem Rennen teilzunehmen, sei nicht mit einem Tötungsvorsatz gleichzusetzen. Aus welcher Geschwindigkeit denn eine fahrlässige Tötung zu einem Totschlag oder Mord werden solle, fragt ein Verteidiger.

Einer der Angeklagten mit seinen Anwälten. Quelle: dpa

Es war ein Unfall, bei dem das Opfer keine Chance hatte. Bei Grün rollt der Jeep am 1. Februar 2016 gegen 0.40 Uhr an der Tauentzienstraße in Berlin-Charlottenburg auf eine Kreuzung. Die beiden PS-starken Sportwagen – beide Fahrer sind bereits mehrfach wegen Delikten im Straßenverkehr aufgefallen - nähern sich rasend. Mit mindestens Tempo 160 rammt der 27-jährige Angeklagte Ermittlungen zufolge den Geländewagen. 70 Meter weit wird der Jeep geschleudert. Der Fahrer stirbt noch in seinem Fahrzeug.

Zeugin glaubt nicht an ein verabredetes Rennen

Eine Bekannte des 24-Jährigen ist die erste Zeugin im Prozess. Die 22-Jährige saß im Mercedes des Mitarbeiters einer Sicherheitsfirma, als es zum Crash kam. Die Sportwagen-Fahrer hätten sich zufällig an einer Ampel getroffen, sagt die Frau. „Sie kurbelten die Scheiben runter und redeten.“ Der 27-Jährige sei dann mit seinem Audi losgerast. Der Mercedes-Fahrer habe noch an zwei roten Ampeln gehalten. „Dann hat er aufgeholt.“ War es ein verabredetes Rennen? Die Zeugin schüttelt den Kopf: „Auf keinen Fall.“

Der tödliche Unfall kurbelte die Debatte über härtere Strafen gegen Teilnehmer illegaler Autorennen an. Als Ordnungswidrigkeit sind sie bislang eingestuft, die mit 400 Euro Buße und einem Monat Fahrverbot geahndet wird. Tödliche Verkehrsunfälle haben für Verursacher in der Regel eine Anklage wegen einer fahrlässig begangenen Tat zur Folge.

Entscheidung im Prozess nicht vor November

Der Anwalt der Hinterbliebenen des 69-jährigen Rentners sagt, seine Mandanten „wollen die Wahrheit erfahren und hoffen auf eine empfindliche Strafe“. Es gehe auch um eine generalpräventive Wirkung in Richtung der Raser-Szene - „dass andere mögliche Täter durch abgeschreckt werden“. Ob im Fall der als „Kudamm-Raser“ bekannt gewordenen Männer tatsächlich eine Verurteilung wegen Mordes möglich ist, wird voraussichtlich nicht vor Mitte November entschieden.

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Von dpa

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