Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Feuerwehr hofft auf „abschreckende Wirkung“
Brandenburg Feuerwehr hofft auf „abschreckende Wirkung“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:56 13.12.2018
Andacht Feuerwehr Lehnin zum Jahrestag der zwei auf der Autobahn getöteten Feuerwehrmänner am 5. September 2018. Quelle: JACQUELINE STEINER
Potsdam

Der Brandenburger Feuerwehrverband hat den Schuldspruch gegen einen Lastwagenfahrer, der für den Tod von zwei Feuerwehrleuten auf der A2 verantwortlich ist, als „gut und richtig“ bezeichnet. Verbandschef Werner-Siegwart Schippel sagte gegenüber der MAZ: „Das Urteil bringt zwar die Kameraden nicht zurück, aber es hat eine abschreckende Wirkung und erinnert alle Kraftfahrer daran, sich auf ihre Pflichten zu besinnen.“

„Nicht dem Druck der Spediteure nachgeben“

Schippel verspricht sich von dem Urteil des Amtsgerichts Brandenburg/Havel eine Signalwirkung. „Ich hoffe, dass der Richterspruch anderen zeigt, dass sie nicht dem Druck von Spediteuren nachgeben dürfen“, so Schippel, dessen Verband 38.000 Freiwillige Feuerwehrleute und knapp 2000 hauptberufliche Kräfte vertritt. Selbst unter größtem Druck seitens der Auftragsgeber dürften Fernfahrer die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer nicht aufs Spiel setzen.

Zweieinhalb Jahre Gefängnis

Der Unfall im September 2017 hatte sich ereignet, als ein Sattelschlepper nachts in eine gesicherte und hell beleuchtete Unfallstelle auf der A2 bei Netzen raste. Der Lastzug warf ein Feuerwehrfahrzeug um, welches zwei Kameraden unter sich begrub und tötete.

Die Männer waren gerade im Einsatz gewesen – sie hatten einem verunglückten Transporter-Fahrer geholfen. Stefan M. (57), der am Steuer des Sattelschleppers saß, wurde am Donnerstag vom Amtsgericht Brandenburg/Havel zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Eine Welle des Mitgefühls

Schippel hob hervor, dass die Tragödie auf der A2 „eine ungeheure Welle des Mitgefühls“ hervorgerufen habe. Das spende bei aller Trauer ein wenig Trost. Das Schicksal der Todesopfer habe in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren geschärft.

Feuerwehrleute gehen am 15. September 2017 in Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) zur Trauerfeier für die Anfang September bei einem Einsatz auf der A2 ums Leben gekommenen Feuerwehrleute. - Quelle: dpa/Bernd Settnik

Viele Menschen gingen irrigerweise davon aus, die ehrenamtlichen Feuerwehren kämen bei Bagatelleinsätzen zum Einsatz, für die schweren Fälle seien aber Berufsfeuerwehrleute zuständig. Der A2-Unfall habe aber gezeigt: Meist seien es die Ehrenamtler, die etwa auf den Autobahnen Unfallopfer aus den Wracks schnitten. „Ich glaube, dass jetzt sehr wesentlich mehr Leute wissen, dass es nicht nur bezahlte Feuerwehren gibt“, so Schippel.

Politik hat Wort gehalten

Die Politik hat laut Schippel „Wort gehalten“. Die den Angehörigen der Toten von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) versprochene Unterstützung sei angekommen. So habe das Land die Hinterbliebenenversorgung rückwirkend so geändert, dass nun alle Feuerwehrleute wie Beamten behandelt würden – diese Regelung konnte eine Opfer-Familie in Anspruch nehmen. Der andere Feuerwehrmann war bereits Beamter. Insgesamt haben Brandenburg nun infolge des Unglücks „die beste Hinterbliebenenversorgung deutschlandweit“, urteilt der Feuerwehrverbands-Chef.

Prämien als Anerkennung

Auch sei in dem gerade im Landtag zur Abstimmung vorliegenden Haushaltsentwurf für 2019/2020 ein Prämiensystem für aktive Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren inbegriffen. Das zeige eine gestiegene Wertschätzung für diese Form des Ehrenamts.

Spenden für Hinterbliebene

Die Spendenaktionen der Lehniner Feuerwehr und des Feuerwehrverbands haben laut Schippel einen sechsstelligen Betrag erbracht – auch das Ausweis des Mitgefühls vieler Bürger. Das Geld komme den Familien, insbesondere den Kindern der Toten zugute.

Ein aufwühlender Prozess

„Der Prozess hat Vieles wieder aufgewühlt“, sagte Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD). „Ich hoffe, dass es jetzt einen gewissen Abschluss gibt, damit die Seelen der Hinterbliebenen etwas zur Ruhe kommen.“

Blasig sagte, der Lastwagenfahrer sei vermutlich „unglücklich für sein Leben“, habe sich im Prozess aber sehr irritierend verhalten. So war der Angeklagte, dem Autofahren mittlerweile untersagt ist, unter anderem mit dem eigenen Wagen zum Gericht gekommen – sehr zur Empörung der Angehörigen. Die Entscheidung, die das Gericht getroffen habe, sei keine leichte gewesen, sagte Blasig, wollte die Strafhöhe aber nicht kommentieren.

Woidke: „Lebenslang die größte Strafe“

Ministerpräsident Woidke sagte: „Ich will Urteile nicht bewerten. Aber kein Urteil der Welt kann den Angehörigen und uns allen den Schmerz nehmen.“ Der Einsatz der Verstorbenen für die Gesellschaft werde „uns immer in Erinnerung bleiben“.

Zum verurteilten Lastwagenfahrer sagte der Regierungschef: „Die Verantwortung für den Tod von zwei Menschen zu tragen, die ihr Leben für andere riskierten, ist lebenslang die größte Strafe.“

Von Ulrich Wangemann

In der Gedenkstätte Sachsenhausen wurde am Donnerstag der ermordeten Sinti und Roma der NS-Zeit gedacht. Gewarnt wurde vor einer erstarkenden Ausgrenzung. Der AfD wurde die Kranzniederlegung verweigert.

13.12.2018

Ein Transporter-Fahrer im Landkreis Spree-Neiße hatte es zu eilig: Er fuhr trotz geschlossener Schranke über einen Bahnübergang. Dort wurde der Transporter von einem Kohle-Zug erfasst.

13.12.2018

Die neuen Bundesländer sehen für das laufende Jahr einer positiven Wirtschaftsprognose entgegen. Sie liegen damit sogar über dem Bundesdurchschnitt. Positiv habe sich ein gestiegenes Haushaltseinkommen in Ostdeutschland ausgewirkt.

13.12.2018