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Trauer nach Tod von Klaus Ness: „Er wird fehlen. Nicht nur mir“

Reaktionen aus allen politischen Lagern Trauer nach Tod von Klaus Ness: „Er wird fehlen. Nicht nur mir“

Der Tod von SPD-Politiker Klaus Ness hat parteiübergreifend und bundesweit Erschütterung ausgelöst. Der Fraktionschef der Brandenburger Sozialdemokraten wird vor allem für seinen unermüdlichen Einsatz gegen Rechtsextremismus gewürdigt. Auch politische Gegner loben Ness.

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Quelle: dpa

Potsdam. Brandenburg hat am Freitag einen der bedeutendsten Politiker verloren. Klaus Ness ist am Freitag nach seinem Zusammenbruch im Landtag gestorben. Er wurde zwar noch ins Krankenhaus gebracht, die Ärzte konnten sein Leben aber nicht mehr retten.

Der Tod des SPD-Fraktionschefs hat bundesweit für Bestürzung gesorgt. Politiker aller Parteien zeigten sich erschüttert. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Reaktionen.

Brandenburgs Ministerpräsident und Brandenburgs SPD-Vorsitzender Dietmar Woidke sagte, er habe einen guten Freund verloren. Er sei tief geschockt. „Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Angehörigen“, sagte er. „Ich konnte mich immer - wie viele andere auch - auf ihn verlassen. Er wird fehlen. Nicht nur mir.“ Ness hinterlässt eine Frau. Woidke sagte außerdem, die SPD verliere einen ihrer wichtigsten Köpfe. Der Ministerpräsident postete auf Facebook ein Foto von Ness mit einer Trauerbotschaft. Ness habe sich insbesondere für ein gerechtes Bildungssystem und gleiche Chancen für alle Kinder eingesetzt, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, so Woidke.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier kondolierte. Als Zeichen seiner Trauer zeigt seine Facebook-Seite zwei schwarze Profilbilder. Der SPD-Politiker hat seinen Wahlkreis in Brandenburg und kennt Ness daher gut. Steinmeier schrieb. „Ich bin fassungslos und unendlich traurig“, sagte er. „Mit Klaus Ness verliert die Brandenburger Sozialdemokratie einen ihrer engagiertesten Politiker. Sein unermüdlicher Einsatz für das Land Brandenburg und die deutsche Sozialdemokratie, sein couragiertes Engagement gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus und sein Mut zum offenen Wort und zur Diskussion haben nicht nur den politischen Diskurs in Brandenburg geprägt.“ Ness habe Brandenburgs erfolgreiche Entwicklung in den vergangenen 25 Jahren mit geprägt. Auch der Parteivorsitzende der Sozialdemokraten, Sigmar Gabriel , nahm Anteil. Er bezeichnete Ness als „einen der ganz großen Parteistrategen unserer Generation“.

Frank-Walter Steinmeier änderte die Profilfotos seiner Facebook-Seite

Frank-Walter Steinmeier änderte die Profilfotos seiner Facebook-Seite.

Quelle: Screenshot

Brandenburgs CDU-Fraktionsvorsitzender Ingo Senftleben sagte am Freitag, dass auf Klaus Ness und sein Wort immer Verlass war. „Bei aller politischen Konkurrenz gebührte ihm stets unser tiefer Respekt. Klaus Ness hat die Politik im Land Brandenburg in den vergangenen 20 Jahren außerordentlich mitgeprägt“, sagte Senftleben. „Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Martina und seinen Angehörigen, denen wir in diesen schweren Stunden viel Kraft und Gottes Segen wünschen.“

Auch Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter zeigte sich erschüttert über den Tod seines Parteikollegen. „Mit Klaus Ness hat die Brandenburger Sozialdemokratie ihren klügsten Strategen und scharfzüngigsten Redner verloren. Wer Ness näher kannte wusste, dass sich hinter der rauen Schale, die er in der politischen Arena zeigte, ein sehr gebildeter, feinsinniger und nachdenklicher Mensch verbarg. Sein besonderes Engagement galt immer der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus, den er als Gefahr für die junge Demokratie in Brandenburg seit den 90er Jahren leidenschaftlich bekämpfte. Seine Stimme wird fehlen.“

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Axel Vogel und seine Stellvertreterin Ursula Nonnemacher äußerten sich am Freitag geschockt vom Tod des SPD-Politikers. „Wir trauern mit unseren Abgeordneten-KollegInnen und den Beschäftigten der SPD-Fraktion und sprechen den Angehörigen von Klaus Ness unser tiefes Beileid aus. Wir werden ihn vermissen. Mit Klaus Ness verliert Brandenburg einen Sozialdemokraten im besten Sinne des Wortes.“

Auf der Facebook-Seite der SPD-Landtagsfraktion ist am Freitag ein Foto von Klaus Ness und eine Trauerbotschaft zu sehen. Das Profilfoto ist ein schwarzes Quadrat. „Die Abgeordneten und Mitarbeiter der Fraktion sind von tiefer Trauer erfüllt. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in dieser schweren Stunde bei der Familie von Klaus Ness. Die Fraktion wird am Freitag zusammenkommen, um ihres Vorsitzenden zu gedenken“, ist auf der Seite zu lesen.

Die SPD-Landtagsfraktion trauerte auch auf Facebook um Klaus Ness

Die SPD-Landtagsfraktion trauerte auch auf Facebook um Klaus Ness.

Quelle: Screenshot

Ebenfalls große Trauer herrscht in der Fraktion der Linken . „Klaus Ness hat zeit seines Lebens die Sozialdemokratie als eine Kraft verstanden, die die Gesellschaft prägen, strategische Linien zeichnen, soziale wie ideologische Abwege verhindern und vor allem politisch gestalten muss. Der Kampf gegen Menschenverachtung und Gewaltbereitschaft, gegen Nazis in Bomberjacken wie gegen Rechtspopulisten im feinen Zwirn, ließ ihn niemals los“, sagte Fraktionsvorsitzender Ralf Christoffers. Die Links-Fraktion würdigt Ness als einen engen Partner, der einigen auch enger Freund war.

Christian Görke, Parteichef der Linken, sagte: „Nicht nur in der Zeit rot-roten Koalition war er uns ein verlässlicher politischer Partner. Klaus Ness wird mir fehlen. Als kluger, scharfsinniger und verbindlicher Gesprächspartner, als Vollblutpolitiker, als leidenschaftlicher Verteidiger von Menschlichkeit und Demokratie und als Kämpfer gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt.“

Der Generalsekretär der Brandenburger FDP, Christian Erhardt , sagte am Donnerstag: „Mit Klaus Ness verliert Brandenburg einen engagierten Politiker und Kämpfer, einen klugen Strategen und einen tatendurstigen Menschen, der mitten im Leben stand. Wir sind schockiert über seinen unerwarteten und plötzlichen Tod. Als Wegbereiter der rot-roten Koalition war der Niedersachse politisch zwar weit von uns entfernt. Er stand jedoch zu seinem Wort und ließ sich nicht verbiegen. Diese Aufrichtigkeit zeichnete ihn aus. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen weiteren Angehörigen.“

Auch die AfD , die Klaus Ness stets scharf für ihre populistischen Töne kritisiert hatte, äußerte sich zum Tod des SPD-Politikers. Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland sagte: „Es tut mir sehr leid, dass Klaus Ness so früh und völlig unerwartet von uns gegangen ist. Ich kenne ihn seit vielen Jahren und habe ihn menschlich immer sehr geschätzt. Man konnte immer gut mit Klaus Ness diskutieren. Ich weiß, er war ein kluger Mann. Zugegebenermaßen hat uns die Politik in der letzten Zeit getrennt aber das hat nichts an meiner Wertschätzung ihm gegenüber verändert. Was er sagte, war immer spannend. Er wird uns allen im Brandenburgischen Landtag sehr fehlen und auch wenn sich viele seiner Reden gegen mich gerichtet haben, fand ich seine Beiträge immer hörenswert. Nun ist die politische Auseinandersetzung vergessen und ich denke an das, was uns als Menschen verband.“

„Klaus Ness ist viel zu früh gestorben“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) . Ness sei eine zentrale Persönlichkeit in der Brandenburger Landespolitik gewesen. Er werde „über die Grenzen der Sozialdemokratie hinaus fehlen.“ Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD) , würdigte Ness als hoch engagierten und dynamischen Politiker.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz würdigte Ness als profilierten Politiker im Dienst des demokratischen Gemeinwesens, als interessierten und aufmerksamen Gesprächspartner. „Mit ihm verbinden wir den zupackenden Einsatz für ein weltoffenes Brandenburg“, erklärte der Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche: „Dafür sind wir ihm sehr dankbar.“ Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch betonte in einem Kondolenzschreiben, der Tod des Politikers reiße eine schmerzhafte Lücke.

Von Peine nach Brandenburg

Brandenburgs SPD-Fraktionschef Klaus Ness gehörte nach Jahrzehnten im Regierungslager zu den wichtigsten Führungskräften der Sozialdemokraten im Land. Als Fraktionschef der SPD im Landtag scheute sich der Kettenraucher auch nicht vor Seitenhieben. Dabei verschonte er weder die Opposition noch den SPD-Regierungspartner von der Linken.

Der 53-Jährige galt als Stratege und Mitgestalter vieler SPD-Wahlerfolge in Brandenburg. Er war lange Landesgeschäftsführer und Generalsekretär. Als der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck 2005 für wenige Monate SPD-Bundesvorsitzender war, begleitete Ness ihn als Abteilungsleiter ins Berliner Willy-Brandt-Haus.

Nachdem Dietmar Woidke als Platzecks Nachfolger Ministerpräsident wurde, wurde Ness 2013 Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag. Seine Wiederwahl 2014 war problemlos.

Schon mit 15 Jahren trat der spätere Diplom-Pädagoge den Sozialdemokraten bei. Er wurde 1962 in Peine geboren, fühlte sich aber längst als „echter Brandenburger“. Er war mit der Diplomingenieurin Martina Gregor-Ness aus Senftenberg verheiratet, die für die SPD im Kreistag Oberspreewald-Lausitz sitzt.

 

Von MAZonline

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