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Rechte Fußball-Fans: Schröter fährt weiter harte Linie

Fußball-Krawalle in Brandenburg Rechte Fußball-Fans: Schröter fährt weiter harte Linie

Brandenburgs SPD-Innenminister sieht die verkündete Selbstauflösung von rechtsextremer Fangruppe in Cottbus mit Skepsis. Im Innenausschuss des Landtags sagte Schröter, Energie Cottbus habe das Problem rechter Umtriebe lange unterschätzt. Nach den Ausschreitungen in Babelsberg liegen jetzt 19 Strafanzeigen vor.

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Ausschreitungen beim Spiel des SV Babelsberg 03 gegen Energie Cottbus am 28. April im Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg.

Quelle: dpa

Potsdam. Brandenburgs Polizei will den Druck auf rechtsextreme Fußballfans im Land hoch halten. Das kündigte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) im Innenausschuss des Landtags an. Die Selbstauflösung der Fangruppe „Inferno Cottbus“ im Umfeld des FC Energie Cottbus wird in Sicherheitskreisen offenbar mit Vorsicht gesehen. Schröter sprach von der „Auflösung einer Facebook-Gruppe“. Deshalb würden die Aktivitäten gegen die Mitglieder der Gruppe nicht gleich auf Null gesetzt, merkte er an. Die handelnden Personen würden weiter im Visier von Verfassungsschutz und Polizei bleiben.

Die Gruppierung, offenbar ein Netzwerk aus rechtsextremen Hooligans, hatte am Mittwoch auf Facebook verkündet, sich selbst aufgelöst zu haben. Mitglieder sollen zuletzt anderen Anhängern von Energie Cottbus gedroht haben. Eskaliert war die Lage beim Regionalliga-Spiel in Potsdam am 28. April zwischen SV Babelsberg 03 und Energie Cottbus. Minister Schröter sagte, es gebe jetzt 19 Strafanzeigen, davon 14 gegen Fans von Energie Cottbus und 5 gegen Fans von Babelberg – wegen Raubes, Landfriedensbruch, Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Darunter sind auch zwei Anzeigen wegen des Zeigens des „Hitlergrußes“. Diese richten sich gegen mehrere Verdächtige. „Ich gehe davon aus: Die kriegen wir.“

In der Vergangenheit hat nach Einschätzung von Minister Schröter Cottbus die rechten Umtriebe unterschätzt. Die Polizei könne dem Verein Empfehlungen geben, wie das Aussprechen von Stadionverboten. „Doch wenn das nicht umgesetzt wird, muss sich niemand wundern, wenn aus einem kleinen Krebsgeschwür eine Wucherung entsteht.“ Doch inzwischen habe sich einiges geändert. Es gebe jetzt eine andere Bereitschaft zur Kooperation, so der Innenminister. „Das Thema wird nicht mehr verdrängt.“ Allerdings könne das Problem weder von der Polizei noch vom Verein allein gelöst werden. Erforderlich sei die Ächtung rechtsextremer Fangruppen durch die ganze Stadt, die ganze Region. „Es muss es ein Abstoßen der Zivilgesellschaft gegenüber solchen Auswüchsen geben – und zwar schnell und gründlich“, betonte Schröter. Der Polizeieinsatz während des Spiels in Babelsberg sei nicht zu beanstanden, sagte Schröter. Auch den Einsatz von Pfefferspray nannte der Minister verhältnismäßig. Rund 400 Beamte waren im Einsatz. Das Spiel war zweimal unterbrochen worden, unter anderem wegen des Abbrennens von Pyrotechnik. „Es bestand die Gefahr des unkontrollierten Platzsturms“, so der Minister.

Die Situation mit rechten Fans in Cottbus müsse mit großer Sorge betrachtet werden, meinte Anne Spangenberg vom Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Brandenburg. Überraschen könnten die aktuellen Entwicklungen allerdings nicht. Seite vielen Jahren sei die Szene dort aktiv. Vorstandschef Thomas Wisch sagte im Innenausschuss, das Aktionsbündnis beobachte ein weiteres Sinken der Hemmschwelle von rechtsextremen und rassistischen Äußerungen – ob in Schule, Kneipe oder auch Kirchgemeinde. Der Superintendent der Evangelischen Kirche sprach von einer „schleichenden Aufweichung früherer Tabus.“

Ein konsequentes Vorgehen gegen gewalttätige Fußballfans kündigte auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) an. „Das sind einfach Kriminelle und gegen Kriminelle muss man so vorgehen, wie sie es verdienen“, sagte Woidke der MAZ. Er sei sehr froh über die klare Positionierung von Energie Cottbus. „Das war in der Vergangenheit etwas anders“, betonte Woidke. „Welchen Sponsor will ich den werben, wenn ich so ein Bild nach außen abgebe? Das schadet dem Verein unendlich.“

Von Igor Göldner

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