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"Entfesselter Hass" erschüttert Brandenburg

Reaktionen nach Feuer "Entfesselter Hass" erschüttert Brandenburg

Die Gewalt ist in Brandenburg angekommen: Das Land steht nach dem Brandanschlag auf eine Asylunterkunft in Nauen (Havelland) unter Schock. Von Politikern und auf Facebook gibt es zahlreiche Reaktionen. Viele sind entsetzt. Karl-Heinz Schröter spricht mit der MAZ im Video.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Tatort. Zusammen mit Roger Lewandowksi, dem stellvertretenden Landrat von Havelland, stand er der Presse Rede und Antwort.
 

Quelle: Julian Stähle

Nauen.  Am Montag hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) noch nach Heidenau (Sachsen) gezeigt. Jetzt ist in seinem eigenen Bundesland vermutlich ein Brandanschlag mit rechtsextremem Hintergrund verübt worden. In Nauen (Havelland) ist in der Nacht zu Dienstag eine Sporthalle niedergebrannt, in der vorübergehend Asylbewerber untergebracht werden sollten.

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In der Nacht zu Dienstag, 25. August 2015, ist in Nauen (Havelland) ein Brandanschlag auf eine geplante Notunterkunft für Asylbewerber verübt worden. Die Turnhalle ist komplett niedergebrannt.

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Reaktionen aus der Politik

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) appellierte am Dienstag an die Menschlichkeit: „Setzen Sie Zeichen der Mitmenschlichkeit. Distanzieren Sie sich vom fremdenfeindlichen Mob“, und weiter: „Ob Ausländerhetze und tätliche Angriffe auf Menschen in Not in Heidenau oder die Verhinderung des Einzugs von Flüchtlingen in Nauen per Brandstiftung, derartige Aktionen sind beschämend und Deutschlands unwürdig.“

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sagte beim Besuch des Tatortes: "Wer Unterkünfte von Flüchtlingen in Brand setzt, ist kein Asylkritiker, sondern ein Verbrecher. Anschläge auf Asylbewerberheime sind auch Anschläge auf unsere Gesellschaft." Und weiter: "Ich bin erschüttert über das Ausmaß des Feuers. Ich danke allen Einsatzkräften für ihr schnelles Eingreifen bei diesem Brand."

Brandenburgs Linke ist bestürzt. Linke-Chef Christian Görke sagte: „Mit diesem vermutlichen Brandanschlag wird weiterhin in Kauf genommen, dass das OSZ dort auf absehbare Zeit keine Sporthalle hat. Leib und Leben der Einsatzkräfte und AnwohnerInnen wurden gefährdet. Um es deutlich zu sagen: Es muss alles uns mögliche unternommen werden, damit die Brandstifter ermittelt werden.“

Ingo Senftleben , Fraktionsvorsitzender der Brandenburger CDU, sagte, die Politik dürfe die Sorgen und Nöte der Brandenburger in bezug auf die Asylproblematik nicht ignorieren. Defizite im Asylverfahren seien jedoch „keine Rechtfertigung für fremdenfeindliche Hetze und Gewalt gegen Menschen oder deren Unterkünfte“. Senftleben fordert eine harte Bestrafung der Verantwortlichen. „Sollte sich der Verdacht der Brandstiftung bestätigen, handelt es sich nicht nur um einen Anschlag auf eine Asylunterkunft, sondern um einen Anschlag auf Brandenburg und das friedvolle Leben in unserem Land.“ Senftleben ruft die Brandenburger dazu auf, „rechten Extremisten mutig entgegentreten, um ihnen klarzumachen: In Brandenburg ist kein Platz für eure menschenverachtende Ideologie“.

Die Landesvorsitzenden der Grünen, Petra Budke und Clemens Rostock , zeigen sich schockiert und verurteilen "jede Form von Fremdenhass und Gewalt gegen Flüchtlinge aufs Schärfste". Und sie mahnen an: "Alle, die in Deutschland mit dazu beitragen, ein Klima zu schaffen, in dem sich solche Täter bestätigt sehen können, sollten sich fragen, wie lange sie noch verbal zündeln wollen. Diesmal war es eine leere Notunterkunft. Doch Neonazis haben in Deutschland in den letzten Tagen auch schon Flüchtlinge angegriffen, sie am helllichten Tage bedroht oder in Berlin auf sogar auf Kinder uriniert. Aus der Vergangenheit wissen wir, wie schnell der nächste Schritt folgt, bei dem Leib und Leben der Flüchtlinge in Gefahr sind."

Ursula Nonnemacher , Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Landtag Brandenburg: "Der entfesselte Hass ist irrational und erschüttert mich zutiefst.“ Der Fraktionsvorsitzende Axel Vogel ergänzt: "Wer Brandanschläge und Übergriffe auf Schutzsuchende mit angeblichen ‚Nöten und Ängsten besorgter Bürger‘ erklären und rechtfertigen  will und implizit weitere Anschläge in Aussicht stellt, stellt sich selbst außerhalb der demokratischen Gemeinschaft."

Für Brandenburgs FDP ist dier mutmaßliche Brandanschlag "jenseits jedweder Toleranzgrenze". Zugleich fordert FDP-Chef Axel Graf Bülow einen Masterplan für die Asylpolitik. Er sieht den Bund stärker in der Pflicht: "Der Bund entscheidet über die Gewährung von Asyl, also soll er auch die Kosten tragen. Das ist ein Gebot der Vernunft."

Der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland sagte: "Wären die Bürger einbezogen worden und hätten sie das Gefühl, dass nicht nur sie und die Kommunen gefordert werden, sondern auch die Politik auf Bundes- und Landesebene alles tut, um der Situation Herr zu werden, ließen sich Reaktionen wie jetzt in Nauen sicherlich verhindern", erklärte Gauland am Dienstag.

Stimmen aus dem Havelland

Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) hat sich tief betroffen von dem Brand gezeigt. „Wenn es Brandstifter sind, sind es für mich Verbrecher“, sagte er am Dienstagmorgen. Außerdem gab er ganz klar zu verstehen: „Es wäre blauäugig zu behaupten, Nauen hätte kein Problem mit Rechtsextremismus.“ Man dürfe "diesem rechten Mob" nicht die Bedeutungshoheit überlassen, denn dann würden größere Probleme folgen.

Andrea Johlige , Landtagsabgeordnete der Linken aus dem Havelland, sagt: „Der rechte Terror nimmt auch in Brandenburg leider zu, die Hemmschwellen der Täter sinken. Ich hoffe und erwarte, dass alle demokratischen Parteien sich eindeutig und ohne Relativierungen im Sinne einer menschlichen Flüchtlingspolitik positionieren.“ Niemand solle sich einschüchtern lassen.

Juliane Bergk , Einwohnerin von Grünefeld im Havelland: „Ich bin entsetzt und geschockt ob dieser Tat meiner „Mitbürger“ - die ich nicht Mitbürger nennen will, denn es sind keine. In meinem Herzen zerbricht ein Stückchen der Liebe und des Glücks, das ich empfinde, weil ich hier im Havelland mein zu Hause gefunden habe, dessen ich mich jetzt wohl schämen muss. Was sind das für Menschen, die voller Hass etwas Zerstören was den Flüchtlingen, die nichts mehr haben als das was sie am Leibe tragen und die eine schreckliche Reise hinter sich haben, ein Dach über dem Kopf und ein klein wenig Sicherheit und Geborgenheit geben könnte? Es ist mir unbegreiflich und macht mich traurig.“

Familie Böhlicke wohnt ganz in der Nähe. Sie sei von den Feuerwehrsirenen wach geworden, erzählt Mutter Nadine (31). "Wir haben Angst um die Kinder", sagt sie. So etwas könne schließlich wieder passieren. Unweit der Halle befinden sich mehrere Schulen.

Stimmen auf Facebook

Der mutmaßliche Brandanschlag in Nauen bewegt auch die Facebook-Gemeinde. Bereits kurz nach dem Post gab es zahlreiche Kommentare, bis 10.30 Uhr war der Post 90-mal geteilt worden. Viele sind entsetzt und schreiben von „beschämend“, „dumm“ und „einfach nur traurig“.

Etliche Nutzer warnen davor, vorzeitig die Täter im rechten Lager zu sehen, solange nichts bewiesen sei. Andere versuchen, den Anschlag zu relativieren und zeigen sogar indirekt Verständnis für Fremdenhass und Gewalt gegen Asylbewerber.

Mahnwache in Nauen

Die SPD hat für Dienstag 18 Uhr zu einer Mahnwache aufgerufen. Die Mahnwache findet am Standort für das künftige Heim am Waldemardamm statt.

Von MAZonline

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