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Redet das Land das Crystal-Problem klein?

Steigender Beratungsbedarf Redet das Land das Crystal-Problem klein?

Vor allem im Süden Brandenburgs hat sich die synthetische Droge Crystal Meth in den vergangenen Jahren ausgebreitet – und das bekommen inzwischen auch die Suchtberatungsstellen zu spüren. Die CDU-Opposition wirft der Landesregierung vor, sie lasse die Kommunen im Kampf gegen die Substanz im Stich.

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Crystal Meth macht schnell abhängig, warnen Suchtexperten.

Quelle: dpa

Potsdam. 10 Tonnen Crystal werden offiziellen Schätzungen zufolge pro Jahr illegal in tschechischen Labors hergestellt. Ein Großteil davon ist für den Export nach Deutschland und Österreich bestimmt. Insbesondere im Süden Brandenburgs hat sich die synthetische Droge in den vergangenen Jahren ausgebreitet – und das bekommen inzwischen auch die Suchtberatungsstellen zu spüren. Bis zu jedes vierte Beratungsgespräch drehte sich 2015 in Südbrandenburg um die Droge, die als schnell abhängig machend und sehr gefährlich gilt.

Ministerium hält Alkohol für das größere Problem

Landesweit liegt der Beratungsbedarf dagegen nur drei bis fünf Prozent, wie aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der CDU-Fraktion hervorgeht. Nach wie vor sei Alkohol das größte Gesundheitsproblem.

Der Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion, Raik Nowka, warf der Landesregierung „Gleichgültigkeit“ im Kampf gegen die Modedroge vor. „Die gesamte Antwort auf unsere Anfrage zeigt das Nichtinteresse an einem Problem, dass aber offensichtlich dabei ist, insbesondere unserer Jugend schwerwiegende und irreparable Schäden zuzufügen“, sagte er. Die betroffenen Kreise und Kommunen würden vom Land alleine gelassen.

1,8 Millionen Euro für die Suchtberatung

Er verweist auf die Forderungen der im vergangenen Jahr gegründeten Expertengruppe Crystal, die ein engmaschigeres Therapieangebot, bessere Fortbildungen und Angebote für Angehörige fordert. Dieser Bedarf werde vom Land negiert, so Nowka. Insgesamt unterstützt das Land die Suchthilfeangebote in den Landkreisen und kreisfreien Städten mit jährlich etwa 1,8 Millionen Euro.

Crystal-Süchtige brechen häufig die Therapie ab

Crystal-Süchtige brechen nach Einschätzung der Expertengruppe Behandlungen häufiger ab als andere Drogensüchtige und sind oft so geschädigt, dass es ihnen schwer fällt, ihr Leben noch selbstständig zu führen. Etwa ein Drittel der Konsumenten werden nach einem Entzug wieder rückfällig.

Wie viele Crystal-Konsumenten es in Brandenburg gibt, ist unklar. Statistisch erfasst werden nur diejenigen, die der Polizei bei Kontrollen oder bei Rauschgiftermittlungen ins Netz gehen. 2006 waren das in Brandenburg nur 13, 2011 schon 66, 2015 schließlich 194 Menschen. Das Gesundheitsministerium geht jedoch von einer „erheblichen Dunkelziffer“ aus.

Von Torsten Gellner

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