Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Regeln für den Krieg im Netz

Bedrohte Sicherheit Regeln für den Krieg im Netz

Das Internet ermöglicht völlig neue Arten der Bedrohung. Sie reichen von Hetze und Falschinformationen in sozialen Netzwerken über Spionageangriffe auf Unternehmen bis hin zu staatlich gelenkten Attacken auf wichtige Infrastrukturen wie das Telefonnetz. Bei der 5. Potsdamer Konferenz zur Cybersicherheit wird deutlich: Der Kalte Krieg wird jetzt online geführt.

Potsdam, Prof- Dr.-Helmert-Straße 52.3938399 13.1275848
Google Map of 52.3938399,13.1275848
Potsdam, Prof- Dr.-Helmert-Straße Mehr Infos
Nächster Artikel
Brandenburgs Beamte fordern Nachzahlungen

Potsdam. Kalter Krieg im Internet, darauf laufen die aktuellen Konflikte etwa zwischen Deutschland und Russland hinaus. Das sagt der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, am Donnerstag bei der 5. Potsdamer Konferenz für Nationale Cybersicherheit am Hasso-Plattner-Institut (HPI). Maaßen verweist auf den Spähangriff auf das Cybernetz des Deutschen Bundestags, bei dem eine große Mengen vertraulicher E-Mails vor allem von CDU-Abgeordneten erbeutet wurden. Man wisse weder genau wie viele Informationen erbeutet worden seien, noch wie sie ausgewertet würden. „Wir wissen, dass es noch eine ganze Reihe weiterer Versuche gegeben hat.“ Ob die erbeuteten Informationen zu Manipulationszwecken für die Bundestagswahl genutzt würden? Maaßen kann sich das gut vorstellen. „Eine solche Entscheidung wird dann auch im Kreml getroffen“, benennt Maaßen den möglichen Angreifer.

Knapp 40 Experten – angefangen von Verfassungsschutz-Chef Maaßen selbst über den Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch bis hin zum Staatsminister im Bundeskanzleramt, Helge Braun – melden sich noch bis einschließlich Freitag in Potsdam zum Thema zu Wort. Was sie zu sagen haben, ist alles andere als rosig. Die Welt wird gefährlicher. Mit dem Internet der Dinge und der Industrie 4.0 erweitert sich nämlich die Angriffsfläche. Und das wird genutzt.

82649 Fälle von Cyberkriminalität meldet BKA-Präsident Münch für das Jahr 2016. Der Wirtschaft seien dadurch rund 51,6 Millionen Euro Schaden entstanden. Und dabei sei die Dunkelziffer noch gar nicht erfasst. Die ist groß, denn viele Unternehmen melden aus Sorge um den Reputationsverlust nicht unbedingt jeden Vorfall. Man erlebe eine „wachsende Intensität“, sagt Münch. „Das macht deutlich, dass wir mehr tun müssen, um uns gegen Cyberkriminalität zu behaupten“, so Münch. Dazu gehören für Münch nicht nur die wachsende Vernetzung nationaler und internationaler Behörden, dazu gehört auch eine Meldepflicht für Cyberattacken für Unternehmen und die Möglichkeit einer „Cyberstreife“ im Internet, die besonders in den sozialen Netzwerken unterwegs ist.

Nicht viel besser sieht es mit der internationalen Sicherheit aus, wie der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, berichtet. „Cybersicherheit ist längst eine Angelegenheit der öffentlichen Sicherheit“, sagt Kahl. Es geht nicht mehr um sportliche Hacker, sondern um große Angriffe mit staatlichen Auftraggebern. Und wie gefährlich die für eine Infrastruktur einer hochtechnologisierten Gesellschaft auswirken kann, habe der Angriff auf die Telekom im November 2016 gezeigt. Fast eine Million Kunden waren für einige Stunden vom Netz getrennt. Zwar hatte der BND schon einen Monat zuvor erkannt, dass es eine Malware gab, die gefährlich werden konnte, dass sie aber auf das Telekommunikationsnetz zugeschnitten war, ergab erst die Analyse der Software. Dieses Überraschungsmoment ist das Gefährliche and der neuen Bedrohung, betont Kahl. „Einen absoluten Schutz wird es nicht geben.“ Als staatliche Akteure, auf die der BND sein Augenmerk richte, benennt Kahl den Iran, Russland und China.

Für Verfassungsschutzpräsident Maaßen ist die Gegenstrategie klar. Wie im Fußball braucht man nicht nur eine Abwehr, sondern auch den Angriff – auf Server des „Gegenübers“. „Es ist notwendig, dass wir in der Lage sind, solche Server auch platt zu machen.“ Zustimmung findet Maaßen auf Seiten des CDU-Politikers Thomas Jarzombek. Der 44-Jährige ist Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion für Digitale Agenda. Im Cyberkrieg hält er Abschreckung wie früher im Kalten Krieg für geboten. „Schaltest Du mein Kraftwerk ab, schalte ich deines ab.“ Für ein glaubwürdiges Drohpotenzial müsste Deutschland zum Beispiel Zugänge zu solchen Infrastrukturen schaffen. Dies wäre schon als Hackerangriff zu werten. Dafür brauche man neue gesetzliche Grundlagen.

Von Rüdiger Braun

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Was ist Ihr Sommerhit?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg