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Mit Crowdfunding zur Pilgerführer-Erstauflage

Perspektiven einer Pilgerin in Brandenburg Mit Crowdfunding zur Pilgerführer-Erstauflage

Mit anspruchsvoller Reiseliteratur möchte die Hochschulabsolventin Susanne Laser Wallfahrer für die Mark begeistern. Für ihr Buch ist die 30-Jährige auf einem alten Pilgerpfad gewandert. Nun hofft sie darauf, per Crowdfunding genügend Unterstützer für eine Erstauflage zu finden.

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„Kein Hawaii“: In ihrem mit analogen Fotografien illustrierten Buch erkundet Susanne Laser das Havelland auf einem alten Pilgerpfad.

Quelle: Privat

Potsdam. Ein Buch? Die Professoren waren zunächst skeptisch, als Susanne Laser mit dem Plan vorstellig wurde, ihre Abschlussarbeit buchstäblich zu Papier zu bringen, auf denkbar altmodische Weise. „Machen Sie doch eine App“, riet man ihr an der Fachhochschule Potsdam im Brustton des Zeitgeists. Aber danach stand der Kommunikationsdesignstudentin nicht der Sinn. Darauf könnte ja jeder kommen.

Versteht Reisen als Kunstfertigkeit

Versteht Reisen als Kunstfertigkeit: Susanne Laser.

Quelle: Privat

Susanne Laser, 30 Jahre, wollte ein Buch schreiben, das mit gängigen Erwartungen bricht. Ein Landschaftsporträt, das mehr sein soll als sinnleere Naturromantik. Einen Reisebericht, der nicht mit Hochglanzprospekten wetteifert. Einen Pilgerführer, der zu eigenen Entdeckungen anstiftet. Jetzt hält sie ihre Abschlussarbeit in den Händen und hofft darauf, dass „Kein Hawaii – Pilgern durch das Havelland“ kein Unikat bleibt und sich vielleicht sogar ein Verlag für die anspruchsvolle Reiseliteratur begeistern kann.

Wenn alle auf ein Wunder hoffen

„Viele Leute suchen das Spektakuläre“, versucht sich Susanne Laser an einer Erklärung des Titels. „Aber das Pilgerleben kann man im Havelland genauso haben wie in Spanien und Portugal.“ Dort, auf dem vielbeschriebenen Jakobsweg, hat es angefangen, vor fünf Jahren, nach einer ersten kleinen Lebenskrise um Liebeskummer, Geldprobleme und Anlaufschwierigkeiten im Studium. Längst ist der Jakobsweg fester Teil der Populärkultur westlicher Gesellschaften, als Sinnbild eines demonstrativen Aussteigertums. „Alle hoffen auf ein Wunder“, erzählt Susanne Laser von ihren Erfahrungen auf der iberischen Halbinsel. „Keiner glaubt an Gott, aber jeder erwartet ihn dort.“

Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela

Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Quelle: Privat

Die 30-Jährige, aufgewachsen unter Atheisten, sieht sich selbst als „aufgeklärte Christin“, vor neun Jahren ließ sie sich baptistisch taufen. „Schon als Kind haben mich die überlieferten Geschichten fasziniert. Mich interessieren alle Religionen.“ Pilgern ist für sie keine Modeerscheinung, sondern ein spirituelles Anliegen. Sie musste erst die Alpen überqueren und auf der Via Baltica wandern, um zu erkennen, dass es zuhause auch recht schön sein kann – im Havelland nämlich, entlang eines weitgehend vergessenen Pilgerwegs des 14. Jahrhunderts.

Regionen neu entdecken als Wallfahrer

Es war die Neuentdeckung einer Region, die sie zuvor nur oberflächlich von der Rückbank des elterlichen Autos betrachtet hatte. „Ich war überrascht, dass eine vermeintlich vertraute Landschaft so fremd sein kann.“ Zumindest sollten auch erprobte Wallfahrer die sieben- bis neuntägige Tour von Hennigsdorf (Oberhavel) über die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack (Prignitz) bis nach Tangermünde in Sachsen-Anhalt nicht unterschätzen, schließlich hält die überschaubare touristische Infrastruktur keinen Vergleich stand zu jener auf den letzten Meilen bis zum Grab von Apostel Jakobus in Santiago de Compostela.

Susanne Laser hatte jedenfalls das irritierende Gefühl, dass sie für ihre Wanderungen durch die heimische Mark schlechter vorbereitet war als bei vorherigen Unternehmungen. Das war letztlich der Anstoß für das Buchprojekt, das Reisebericht, Kulturführer und Wegbeschreibung zugleich sein soll – aus der unverstellten Perspektive einer 30-Jährigen. Orientierung fand sie bei Theodor Fontane, natürlich, aber auch bei Kurt Tucholsky, der entwaffnend ehrlich über das Baskenland schrieb, um zugleich sein Innerstes zu offenbaren.

Märkische Ansichten

Märkische Ansichten: Analoge Fotografien illustrieren den Reiseführer.

Quelle: Privat

Über ein Reiseziel zu schreiben, ohne es zu bewerben und trotzdem attraktiv zu machen: Darum ist es Susanne Laser gegangen. Auf 180 Seiten über die 17 Stationen verbindet sie Reiseprosa, Ratgeber und Fotografien mit künstlerischem Anspruch – Aufnahmen von Feldern, Windrädern und einfacher Hausfassaden. Die Motive, mal in Schwarz-Weiß, mal grob angeschnitten, lassen dem Betrachter viel Raum für Fantasie. Im Anhang sind Unterkünfte gelistet, die selbstgestaltete Kartographie soll bei der Orientierung helfen.

Die Welt zu Fuß entdecken

Um die Finanzierung einer Auflage von 750 Exemplaren zu ermöglichen, hat Susanne Laser eine Crowdfunding-Kampagne gestartet (siehe Kasten). Ihr Traum ist es, auf Lesereise zu gehen und im Literaturbetrieb Fuß zu fassen – nach zehn Jahren als Mediengestalterin im Volkswagen Design Center in der Potsdamer Schiffbauergasse. Dort entwarf sie etwa Piktogramme für Cockpitarmaturen. Aber eine Leidenschaft für Autos wollte in ihr nie wirklich aufkommen. Mit der Einstellung, die Welt zu Fuß neu zu entdecken und andere davon begeistern zu wollen, scheint das auch kaum vereinbar.

Die anfängliche Skepsis ihrer Professoren hat sich längst gelegt. Ihre Arbeit, sagt sie, sei sehr gut angekommen.

Reisen als Kunstfertigkeit

195 Kilometer, 17 Stationen, bis zu neun Tage: In „Kein Hawaii – Pilgern durch das Havelland“ ergründet Susanne Laser einen historischen Pilgerpfad, der durch die Mark führt. Das Buch grenzt sich von klassischen Reiseführern ab und soll das Reisen als Kunstfertigkeit vermitteln. Der Begriff „Havelland“ ist weiter gefasst als der gleichnamige Landkreis: Die Tour führt von Hennigsdorf (Oberhavel) über Bad Wilsnack (Prignitz) ins sachsen-anhaltische Tangermünde.

Per Crowdfunding wirbt die Autorin im Internet um Unterstützung, um ihr Werk mit einer Auflage von 750 Exemplaren zu drucken. Dafür wären bis zum 24. November 7200 Euro nötig. Das Projekt kann mit fünf bis 500 Euro unterstützt werden, die nur dann abgerufen werden, wenn die Zielsumme erreicht werden sollte.

Die Kampagne ist zu erreichen unter www.startnext.com/keinhawaii

Von Bastian Pauly

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