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Resort Schwielowsee verkauft

Skandalumwobenes Pleite-Objekt wechselt den Besitzer Resort Schwielowsee verkauft

Eine börsennotierte Investorengruppe mit Erfahrung im Hotelgeschäft kauft die Tagungs- und Ferienanlage in Petzow (Potsdam-Mittelmark). Der Gläubigerausschuss hat dem Vertrag schon zugestimmt. Der Preis ist geheim.

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Resort Schwielowsee in Petzow (Potsdam-Mittelmark)

Quelle: dpa

Petzow. Die insolvente Ferien- und Kongressanlage Resort Schwielowsee in Petzow (Potsdam-Mittelmark) ist verkauft. Wie Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff am Dienstagnachmittag mitteilte, hat der Gläubigerausschuss dem Kaufvertrag mit der börsennotierten Hotel-Investorengruppe Primecity Investment und Precise Hotel Collection zugestimmt. Brockdorff sagte, mit dem Zuschlag für diesen Bieter „konnte eine wichtige Vorgabe des Bieterverfahrens, nämlich die Fortführung des Resorts Schwielowsee als Beherbergungsbetrieb, erfüllt werden“.

Die neuen Eigentümer kommen aus Israel und Zypern

Das Unternehmen Precise Hotel Collection wurde 2005 gegründet und hat 2015 die Marina Wolfsbruch – ein anderes Pleiteprojekt in Brandenburg – an der Mecklenburger Seenplatte bei Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) übernommen. Zu der Unternehmensgruppe gehören rund zehn 4- und 5-Sterne-Hotels, etwa auf Rügen (Ex-Steigenberger), in Bad Malente, Bad Kissingen, Quedlinburg und Donaueschingen. Aktiv ist die Gruppe auch in Leipzig und in Andalusien (Huelva). Die Hotels befinden sich im Besitz der Firma und werden von ihr auch betrieben. Ein 220-Zimmer-Hotel in Berlin-Mitte soll noch im Jahr 2017 eröffnen. Chef und Eigentümer der Unternehmensgruppe ist der israelische Manager Ron Ben Haim.

Der Geldgeber Primecity Investment besitzt laut der Wirtschaftsauskunftei Bloomberg 55 Hotels vor allem in Deutschland und hat ihren Sitz auf Zypern.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Vermutlich dürfte die Schuldenlast des Betriebs mit dem Verkauf deutlich abnehmen. Aus der Kanzlei von Brockdorff hieß es, die Hauptgläubigerbank – die DKB also – habe dem Vertrag ebenfalls zugestimmt. Die DKB hatte der alten Hotelgesellschaft 2009 rund 18 Millionen Euro gestundet, damit der Betrieb weiter aufrecht erhalten werden konnte.

Die Übergabe des Geschäftsbetriebs am Schwielowsee wird voraussichtlich erst Anfang kommenden Jahres auf den Weg gebracht, „um Störungen im derzeit laufenden Saisongeschäft zu vermeiden“, wie der Insolvenzverwalter den Mitarbeitern des Resorts in einer Betriebsversammlung eröffnete – die rund hundert Angestellten gehen an die neue Firma über.

Pläne für Senioreneinrichtung sind vom Tisch

Brockdorff äußerte, der Investor habe „langjährige Erfahrungen mit dem Erwerb von Hotels und Resorts“. Nach MAZ-Informationen hatten sich in einer ersten Bieterrunde auch Investoren beworben, die den Hotelbetrieb einstellen wollten – etwa zu Gunsten einer großen Senioreneinrichtung. Diese Pläne sind jetzt vom Tisch.

Der laufende Geschäftsbetrieb in der Hotelanlage, die über 122 Doppelzimmer, fünf Suiten, zehn Ferienhäuser sowie Tagungsräumlichkeiten, Restaurants und 55 Bootsliegeplätze verfügt, wurde Ende 2015 von einer Betreibergesellschaft – der Resort Schwielowsee Betriebsgesellschaft mbH – übernommen, die das Hotel seitdem auf eigene Rechnung betreibt.

Der umstrittene Investor Axel Hilpert

Werders Erster Beigeordneter Christian Große (CDU) zeigte sich erleichtert, dass der Hotelbetrieb erhalten bleibt. Die Stadt hatte frühzeitig klar gemacht, sie werde einer anderen Nutzung nicht zustimmen. Für den staatlich anerkannten Erholungsort Werder sei das Resort als einer der größten Kurtaxe-Zahler und einziges großes Tagungszentrum sehr wichtig, sagte Große. Er hoffe, „dass wir nun sehr schnell den neuen Eigentümer kennenlernen.“ Das Resort empfängt pro Jahr mehr als 100 000 Gäste.

Resort-Gründer ist der umstrittene Investor Axel Hilpert. Der ehemalige Stasi-Mitarbeiter und DDR-Antiquitätenhändler im Reich des Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski wurde 2012 vom Landgericht Potsdam wegen Fördermittelbetrugs zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und acht Monaten verurteilt, die Strafe wurde später auf drei Jahre und neun Monate reduziert, die Revision läuft noch. Es geht um 9,2 Millionen Euro Steuergeld, das in den Bau des 40-Millionen-Euro-Komplexes floss. Die alte Gesellschaft stellte 2015 einen Insolvenzantrag. Daraufhin gab der 69-jährige Hilpert sein Geschäftsführeramt auf.

Von Ulrich Wangemann

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