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Richter schmettert Beweisanträge ab

Aus dem Gericht: Maskenmann-Prozess Richter schmettert Beweisanträge ab

Im Maskenmann-Prozess wird es langsam eng für den Angeklagten. Der Richter hielt die neuen Beweisanträge für irrelevant. Verteidiger Axel Weimann hat nun sein Plädoyer verschoben. Doch schon zu Beginn des Prozesstages lief im Gerichtssaal nicht alles nach Plan.

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Der Angeklagte Mario K. und seine Anwälte.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Frankfurt (Oder).  Der mutmaßliche Maskenmann muss erst Zeitung lesen. Eigentlich soll der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt 9.30 Uhr beginnen. Der Saal 007 füllt sich, viele Zuschauer und Medienvertreter sind gekommen. Denn an diesem Tag könnte einer der spektakulärsten Prozesse der Brandenburger Kriminalgeschichte eine jähe Wende nehmen. Wer nicht kommt, ist der Angeklagte Mario K. (47), dem wegen zweier Überfälle auf eine Unternehmerfamilie und die Entführung eines Bankers eine lebenslange Haftstrafe droht.

Unruhe macht sich im Saal breit, Staatsanwalt, Opferanwälte und der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs gehen rein und raus. Um 10.45 schließlich betritt Mario K. in Handschellen durch einen Seiteneingang den Saal. Wie immer trägt er ein faltenfreies Hemd über den breiten Schultern. Wie stets verbirgt er sein Gesicht hinter einem Schnellhefter. Sein Mandant habe erst die Zeitungen lesen müssen, entschuldigt Anwalt Axel Weimann. Er habe in der JVA Cottbus, in der er seit 20 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, kein Abo.

Die letzte Chance des Angeklagten schwindet

So ist dem gelernten Dachdecker angeblich entgangen, dass sich das Blatt kurz vor Prozessende noch einmal zu seinen Gunsten wenden könnte, es eine allerletzte Chance gibt, das Gericht von seiner von ihm beteuerten Unschuld zu überzeugen. Er sei nicht der Maskenmann, hatte sein Anwalt schon vor dem Prozessauftakt gegenüber der MAZ beteuert, es müsse ein anderer sein.

Diesen anderen hatte am Wochenende der „Tagesspiegel“ erneut ins Spiel gebracht. Der Polizist Andreas K. war nach der spektakulären Entführung des Managers Stefan T. 2012 in Storkow (Oder-Spree) kurz ins Visier der Ermittler geraten. Er wurde aber sehr schnell wieder von der Verdächtigenliste gestrichen. Womöglich zu schnell.

Der Polizist Andreas K. hatte mittelbar mit der Entführung zu tun. Er hatte Rufbereitschaft bei der Hubschrauberstaffel Blumberg (Barnim), die mit Überflügen über den Storkower See helfen sollte, Spuren zu sichten. Verteidiger Weimann, der eigentlich plädieren sollte, stellt unter anderem den Antrag, sämtliche Videoaufnahmen von den Überflügen zu den Prozessakten zu nehmen.

Erste Polizeivideos zeigen kein Kajak an der späteren Fundstelle

Daraus ergebe sich, dass bei einem ersten Überflug noch kein Kajak an der Stelle zu sehen war, die das Opfer später als Entführerversteck ausmachte. Erst am darauffolgenden Tag sei das auffällige Boot, das in den Ermittlungen eine zentrale Rolle spielte, zu erkennen. Womöglich wurde das Kajak erst nachträglich zum Versteck gebracht, um den wahren Tatablauf zu vertuschen. Der Polizist Andreas K. soll Zugang zu einem Ruderboot gehabt haben. Anfangs hatte der Banker noch ausgesagt, er sei womöglich mit einem Ruderboot zum Versteck gebracht worden. Später war dann nur noch von einem Kajak die Rede. Mario K. soll ein guter Kajakfahrer sein. Er nimmt die Ausführungen seines Anwalts wie immer aufmerksam zur Kenntnis. Er macht Notizen. Wie immer. Er wirkt ruhig, als ginge es gar nicht um ihn. Lange Zeit in dem seit über einem Jahr laufenden Prozess war das auch so. Es ging um die offenbar schlampige Ermittlungsarbeit der Polizei, um Mobbing gegen kritische Kollegen und die Frage, warum sich der damalige Polizeipräsident und inzwischen scheidende Innenstaatssekretär Arne Feuring so in den Fall eingemischt hatte. Der Dachdecker Mario K. geriet darüber fast in Vergessenheit.

Richter Matthias Fuchs unterbricht die Verhandlung. Für eine Dreiviertelstunde, heißt es. Doch dann vergehen zwei Stunden. Um 14.20 endlich geht es weiter. Mit einer Klatsche für Mario K. und die Verteidigung. Der Richter bügelt sämtlich Anträge, die neue Kenntnisse bringen und Mario K. entlasten könnten, als irrelevant ab. Überraschend kommt das nicht. Fuchs hatte schon im April den Antrag abgelehnt, Akten zu dem Ex-Polizisten aus Wendisch Rietz beizuziehen.

Plädieren will Anwalt Weimann an diesem Tag nicht mehr. Sein Mandant habe Kopfschmerzen und könne sich nicht mehr konzentrieren, erklärt er. Er habe zu lange in einem engen Raum auf den Fortgang der Verhandlung gewartet, zu viel geraucht. Das ist interessant. Mario K. muss im Laufe seiner U-Haft zum Raucher geworden sein. Banker Stefan T., der mehrere Stunden mit dem Entführer verbrachte, hatte erklärt, der Kidnapper habe nicht geraucht. Der Prozess geht am 4. Juni weiter.

Von Marion Kaufmann

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