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Brandenburg Riesenrotoren stören Funksignale
Brandenburg Riesenrotoren stören Funksignale
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11:06 22.10.2013
Windräder und Flugzeuge kommen sich sicherheitstechnisch immer häufiger in die Quere. Quelle: dpa
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Potsdam

Es ist stellenweise eng geworden für die Betreiber von Windparks in Brandenburg. Rund um den Flughafen Schönefeld (Dahme-Spreewald) erstreckt sich etwa von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) bis Gosen-Neu Zittau (Oder-Spree) ein Gebiet, in dem Windräder tabu sind. Ebenso bei Gransee. Südlich von Berlin liegt ein Sperrareal mit 15 Kilometern Radius um Klasdorf (Teltow-Fläming). Und in Richtung Polen heißt es zwischen Spreenhagen und Seelow (Märkisch-Oderland): Windkraft, nein danke!

Es sind nicht Windkraftgegner, die den Bau der Anlagen in diesen und weiteren Sperrgebieten erschweren. Es ist das Bundesamt für Flugsicherung (BAF). Die Behörde hat am Donnerstag ihren strengen Kurs bekräftigt, nach dem um jedes der bundesweit 64 Funkfeuer eine Schutzzone von 15 Kilometern Radius gilt. Wegen möglicher Störungen der Flugnavigation dürfen hier nur im genehmigten Einzelfall neue Windräder aufgestellt werden. An den Funkfeuern orientieren sich die Piloten nach Vorgaben der Lotsen.

13 Anträge für den Bau von Windkraftanlagen hat das BAF in den vergangenen zwölf Monaten deswegen in Brandenburg abgelehnt. Fünf Drehfunkfeuer, also rotierende Funkanlagen, betreibt die Flugsicherung auf märkischem Grund: An den Flughäfen Schönefeld, Cottbus-Drewitz, in Klasdorf, Fürstenwalde (Oder-Spree) und in Löwenberg (Oberhavel). Auch das Funkfeuer des Berliner Flughafens Tegel strahlt nach Brandenburg. Am Fliegerhorst Holzdorf (Potsdam-Mittelmark) gibt es einen mehrere Kilometer langen Sperrkorridor wegen der Sprechfunkanlagen der DFS.

„Wir sind keine Verhinderer der Energiewende, wie uns gelegentlich vorgeworfen wird“, erklärt BAF-Direktor Nikolaus Herrmann, „wir sind für die Sicherheit im Luftverkehr verantwortlich und müssen mitunter unangenehme Entscheidungen treffen.“ Die Windkraft-Lobby stellt die Notwendigkeit der Verbotszonen in Frage und verlangt Prüfungen in jedem Einzelfall. Diese gebe es bereits, kontert Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung. Überhaupt sei die Ablehnungsquote bei solchen Antragsprüfungen gering: In 90 Prozent der Fälle sei der Bau bislang genehmigt worden. Ob das allerdings in Zukunft so bleibe, sei fraglich. „Irgendwann ist das Fass voll“, sagt Raab.

Die Signale der Funkfeuer würden durch allerlei Einflüsse gestört, seien es Hochhäuser, Gewässer, Hügel oder 60 Meter lange Rotorblätter. Sämtliche Fehler addierten sich zu Abweichungen in den Navigationssystemen, die Piloten könnten die von den Lotsen vorgegebenen Routen nicht mehr verlässlich ansteuern. Rund 20 der 64 UKW-Funkfeuer in Deutschland seien am Rand der Belastbarkeit. „Da geht nichts mehr“, so Raab. Weitere Konflikte seien schon wegen der stark steigenden Zahl beantragter Windräder unausweichlich. Die Metallflügel reflektieren die Funksignale, deren Streuung verstärkt sich noch, weil sich die Ausrichtung der Anlagen mit der Windrichtung ändert.

Der Bundesverband Windenergie sieht die Situation naturgemäß anders. 208 Projekte mit einer Gesamtleistung von knapp 3500 Megawatt würden von Luftfahrt- und Wetterbehörden blockiert, die Schutzzonen um die Funkfeuer allein verhinderten 1700 Megawatt Windleistung. Das entspricht der Leistung zweier Atomkraftwerke. Selbst der Ausbau bestehender Windparks, das Re-Powering mit größeren und leistungsfähigeren Anlagen, werde von den Flugaufsehern blockiert, klagt Verbandssprecher Wolfram Axthelm.

Schwerpunkte seien Niedersachsen und Hessen. Im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet stehen die Funkfeuer rund um den größten deutschen Flughafen so dicht, dass ihre 15-Kilometer-Zonen nahezu die komplette Fläche Südhessens abdecken.

Die DFS benötigt die Funk-Anlagen insbesondere für die sichere und lärmoptimierte Navigation ihrer Flugzeuge. Neben den sogenannten UKW-Drehfunkfeuern betreiben die Flugsicherung, das Militär und der Wetterdienst noch eine Vielzahl weiterer Funk- und Radaranlagen, die bei den Windkraftplanungen ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

Von Torsten Gellner und Christian Ebner

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