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Riesige Essensmüll-Berge in Brandenburg

Land soll stärker gegen Verschwendung vorgehen Riesige Essensmüll-Berge in Brandenburg

Die braun gewordene Banane, die trockene Schrippe, der angebrochene Joghurtbecher: Schnell landen Lebensmittel, die noch gut sind, in der Mülltonne. 200 Millionen Kilo dürften es in Brandenburg pro Jahr sein. Die Opposition im Landtag fordert von der rot-roten Landesregierung nun mehr Engagement im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung.

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Und dann auch noch in der falschen Tonne (nämlich der für Plaste und Elaste): Vieles, das im Müll landet, wäre noch genießbar.

Quelle: dpa

Potsdam. Fleckige Bananen, Schrippen vom Vortag, angebrochene Joghurts: Etwa 200 000 Tonnen Lebensmittel landen in Brandenburg jedes Jahr auf dem Müll. Dieser Abfallberg ergibt sich aus Daten, die die Universität Stuttgart für ganz Deutschland errechnet hat: Demnach wirft jeder Deutsche statistisch gesehen 82 Kilogramm zum Teil noch genießbarer Produkte weg. Dagegen formiert sich in der Landtagsopposition nun Widerstand. CDU und Grüne fordern von der rot-roten Landesregierung mehr Engagement im Kampf gegen einen allzu achtlosen Umgang mit unserer Nahrung.

„Es kann nicht sein, dass wir in unserem Land nichts unternehmen gegen diese Verschwendung“, sagte Henryk Wichmann, Verbraucherschutzexperte der CDU. „Die Menschen fliehen vor Hunger zu uns, und wir werfen Lebensmittel weg. Das ist ein Skandal.“ Brandenburg habe dieses Thema bislang nicht sonderlich engagiert bearbeitet, sagte Wichmann. „Ein Patentrezept gibt es sicher nicht, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass alle Beteiligten an einen Tisch kommen.“

In einem gemeinsamen Antrag, der am Mittwoch im Verbraucherschutz-Ausschuss diskutiert werden soll, fordern CDU und Grüne einen runden Tisch, an dem Vertreter von Handel, Gastronomie, Landwirtschaft, Kitas, Schulen bis hin zu den Kirchen teilnehmen sollen. Außerdem soll eine Datenbank mit Positivbeispielen gegen Essensmüllberge aufgebaut werden und das Thema stärker in den Schulen behandelt werden, wie Benjamin Raschke von den Grünen erklärte. „Der Bezug zu Lebensmitteln und ihrer Herstellung fehlt heute vielen Menschen, die Wertschätzung hat abgenommen. Das muss sich wieder ändern“, sagte er.

Doch Defizite sieht man im Verbraucherschutzministerium nicht. Verbraucherschutz sei schon heute in den Rahmenlehrplänen verankert, um Kindern den bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu vermitteln, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Die Landesregierung habe sich jüngst bei der Verbraucherministerkonferenz dafür stark gemacht, dass die „Lebensmittelverluste in der Außer-Haus-Verpflegung“ vermieden werden, also in Großküchen, Restaurants oder Imbissen.

Die Brandenburger Verbraucherzentrale berät über planvolles Einkaufen, die Lagerung von Produkten und wie man mit den eigenen Sinnen prüfen kann, ob Käse oder Fleisch noch gut sind. Das sei jedoch gerade für ältere Menschen, die nicht mehr so gut riechen oder schmecken können, nicht immer einfach, erklärte Ernährungsexpertin Heidrun Franke. „Man sollte es niemandem verübeln, dass er etwas wegwirft, wenn er unsicher ist“, sagte sie.

Verbraucher würden von Industrie und Politik aber auch nur unzulänglich informiert. So fehle die Pflicht zur Angabe eines Herstellungsdatums. Damit werde es für Kunden noch schwerer, die Haltbarkeit von Lebensmitteln einzuschätzen. Zu den enormen Essensmüllbergen tragen laut Heidrun Franke auch Großpackungen bei. Rentner oder Singles seien dadurch oft gezwungen, Produkte in Mengen zu kaufen, die sie gar nicht verzehren können. Ein Übel sei auch das in Deutschland übliche Mindest-Haltbarkeitsdatum, das nichts darüber aussage, ob ein Produkt noch verzehrfähig ist.

Von Torsten Gellner

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