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Rocker schweigen vor Gericht

Brutale Attacke in Finowfurt Rocker schweigen vor Gericht

Sie sollen mit einer Machete und Baseballschlägern auf Mitglieder einer konkurrierenden Rockerbande losgegangen sein. Ein Opfer verlor bei der Attacke fast sein Bein. Zwei 30-Jährige stehen wegen dieses Vorwurfs jetzt vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder) - schon zum zweiten Mal.

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Quelle: dpa

Frankfurt (Oder). Diese krimireife, brutale Rockerfehde beschäftigt auch mehr als vier Jahre später noch die Justiz: In der Nacht zum 21. Juni 2009 überfallen sechs, sieben mit Sturmhauben vermummte Gestalten ein mitten auf der Hauptstraße von Finowfurt (Barnim) stehendes Pannenauto. Die Angreifer hauen und stechen mit Macheten, Messern, Baseballschlägern und Eisenrohren zunächst auf den voll besetzten Wagen, später auf die vier Fahrzeuginsassen ein. Sie lassen erst von ihren Opfern ab und flüchten, als zwei Polizeibeamte zu Hilfe eilen.

Ihnen und den aus dem Schlaf geschreckten Zeugen an den umliegenden Fenstern bietet sich ein grauenvolles Bild, wie man es eigentlich nur aus Filmen kennt: Vier blutverschmierte Gestalten quälen sich aus dem demolierten Fahrzeug und lassen sich auf eine angrenzende Wiese fallen. Drei von ihnen sind erheblich verletzt – offene Brüche, zertrümmerte Kniescheiben, schwere Stichwunden, ein fast abgetrenntes Bein. Nur schnelle medizinische Hilfe rettet einem Opfer das Leben. Reden möchten die vier Angegriffenen darüber nicht – weder bei der Polizei, noch später in einem Strafverfahren vor dem Frankfurter Landgericht gegen zwei mutmaßliche Angreifer von damals. Der Prozess endet Anfang vergangenen Jahres mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen – das konnte der Anklagevertreter Stephan Golfier so nicht akzeptieren.

Der Staatsanwalt legt Revision ein, der Bundesgerichtshof (BGH) hebt das Urteil auf und verweist den Fall zur Neuverhandlung zurück ans Frankfurter Landgericht. „Die Karten werden ab sofort neu gemischt“, so der Ankläger, der sich später überrascht davon zeigt, dass die beiden Angeklagten Christopher H. und Sepher F., wie schon im ersten Verfahren, erneut jegliche Aussage verweigern.

Verantworten müssen sich die beiden jeweils 30 Jahre alten Männer seit gestern erneut wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung, weil sie als damalige Mitglieder des Rockerclubs „Bandidos“ gewaltsam versucht haben sollen, den verfeindeten „Hells Angels“ klar zu machen, dass Eberswalde und der Vorort Finowfurt „Territorium“ der Bandidos sind. „Rocker reden nicht mit der Polizei, das ist in der Szene Gesetz und quasi Ehrenkodex“, weiß Golfier, dennoch hätte er ein Umdenken der Verteidigung erwartet. Die Beweisführung in einem ersten Verfahren gründete sich im Wesentlichen auf Indizien: Die Analyse einer umfassenden Telefonüberwachung, eine Radkappe vom Auto des Angeklagten F., die DNA-Spur des Angeklagten H. auf der Machete, die bei dem Angriff benutzt und beim überstürzten Rückzug zurückgelassen worden war. Diese Indizien seien vom Gericht nur einzeln und nicht im Zusammenhang gewertet worden, monierte der BGH. Der Staatsanwalt jedenfalls ist zuversichtlich – auch wenn die Beweise und Indizien die gleichen wie im ersten Verfahren sind, wie er zugeben muss. „Die Beweise reichen aus – deswegen sind wir ja in Revision gegangen“, so Golfier. Wenn immer größere rechtsfreie Räume entstünden, gingen Bürger bei Problemen künftig nicht mehr zur Polizei, sondern zu den Rockern. „Dann haben wir hier bald mafiöse Zustände wie in Sizilien“, begründet der Staatsanwalt seine Hartnäckigkeit.

Einziger Zeuge zum zweiten Prozessauftakt, der wie schon der erste von einem sichtbaren Polizeiaufgebot abgesichert wird, ist der damalige Ermittlungsführer der Polizei, Michelle Jahn. Er erläutert die Revierstreitigkeiten zwischen „Bandidos“ und „Hells Angels“ um die „Vorherrschaft“ im Barnim, skizziert die Vorgänge und zeitlichen Abläufe in jener Nacht und analysiert anschließend die polizeiliche Handy-Überwachung unmittelbar vor und nach der Tat.

Von Jeanette Bederke

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Urteil im Rocker-Prozess

Ein Revierkampf zwischen den Rockergruppierungen Bandidos MC und Hells Angels endete im Juni 2009 mit mehreren Schwerverletzten und einem fast abgetrennten Bein. Der blutige Macheten-Angriff wurde vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) neu verhandelt, die zwei angeklagten Männer müssen nun doch ins Gefängnis.

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