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Brandenburg Rosa Band statt Todesstreifen
Brandenburg Rosa Band statt Todesstreifen
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00:17 21.04.2017
Kirschblüten in voller Pracht. Quelle: dpa
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Berlin/Bernau

Ein betörender Duft und die Farbgewalt tausender japanischer Kirschblüten. Jedes Jahr im Frühling wiederholt sich zwischen Bornholmer Brücke (Bösebrücke) und Berlin-Brandenburger Landesgrenze ein wahres Naturschauspiel: Dann verwandeln dort tausende japanische Zierkirschbäume den früheren Grenzverlauf zwischen Ost- und Westberlin in ein atemberaubendes rosafarbenes Blütenmeer. Doch kaum einer weiß, wie die Gewächse nach Berlin kamen.

10.000 Bäume gepflanzt

Die Bernauerin Brigitte Albrecht spazierte jahrelang fotografierend durch die Baumalleen, bis sie sich fragte, wie diese überhaupt entstanden: „Ab 1991 schenkten Japaner den Bundesländern Berlin und Brandenburg anlässlich der Deutschen Einheit rund 10.000 Bäume. Nicht alle auf einmal, sondern nach und nach.“ Dass die Kirschblüte nach japanischer Lesart die „Zeit des Friedens“ ist, fand die 66-Jährige erst später heraus. Das Ergebnis ihrer Nachforschungen fand Brigitte Albrecht so spannend, dass sie daraus ein Buch machte: Das Werk „Mauerw(a)ende“ ist im Human-Verlag erschienen.

Die Fotografin Brigitte Albrecht. Quelle: Rümmler

Über eine Hinweistafel am heutigen Mauerweg wurde die gebürtige Pankowerin auf das Herkunftsland der Zierkirschen aufmerksam. „Mein erster Weg führte mich zur Deutsch-Japanischen Gesellschaft. Die verwies wiederum auf das Sakura-Organisations-Komitee (SOK), das weltweit Kirschbäume als Friedensgeste pflanzen lässt.“ SOK-Mitglied Tetsuo Terasaki habe am 9. November 1989 als Auslandskorrespondent für einen privaten japanischen Fernsehsender vor Ort vom Mauerfall berichtet, so Brigitte Albrecht. Er machte den speziellen Grenzverlauf in seiner Organisation publik. „So kam die Sache eigentlich ins Rollen. Japaner spendeten umgerechnet rund eine Million Euro für die Bäume zwischen Bornholmer Brücke und Landesgrenze.“

Große „Integrationsprobleme“ am Anfang

Doch aller Anfang war schwer, erinnert sich Tetsuo Terasaki. Die ersten Bäume seien eingegangen, da japanische Erde nicht zum Berliner Boden passte. Mit dem Zoll gab es auch Probleme. „Erst eine Zehlendorfer Baumschule päppelte die Gewächse auf“, blickt Brigitte Albrecht zurück. Die letzten Bäume wurden ihren Worten nach zum 20jährigen Mauerfall-Jubiläum gepflanzt, die ersten noch an der Glienicker Brücke in Potsdam und Berlin-Steglitz. „Einige der Zierkirschen blühen sogar zweimal – im Winter und im Frühling“, betont die gelernte Bauzeichnerin.

Die verbindet in ihrem Buch die Wegbeschreibung entlang beeindruckender Kirschbaumreihen mit Erinnerungen an ihre Pankower Kindheit. Demnach verschwanden in Grenznähe nach dem Mauerbau Wohnhäuser, Freizeitparks und sogar Kinderplanschbecken. Auf Friedhöfen wurden Tote umgebettet. Bewohner erreichten ihre Häuser nur noch mit Sonderpassierschein. „Bis der Spuk 1989 endlich ein Ende hatte. Einfach faszinierend, wie der Todesstreifen seit 27 Jahren zu neuem Leben erwacht.“

Brigitte Albrecht zeigt einige ihrer über 3.000 Fotos vom „Rosa-Band“ quer durch Berlin. Menschen radeln, flanieren, breiten Decken neben Bäumen aus oder genießen einfach nur Blütengruppen, die wie kleine rosa Bälle an den Zweigen hängen. Essbare Früchte würden sie zwar nicht tragen, sagt Brigitte Albrecht. Eine Augenweide seien sie aber allemal.

Von Jens Rümmler

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