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Brandenburg Eine Art Lions-Club für junge Männer
Brandenburg Eine Art Lions-Club für junge Männer
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12:13 28.11.2015
Wer älter als 40 ist, darf nicht mehr am Tisch Platz nehmen.  Quelle: Foto: Julian Stähle
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Potsdam

 Keine Zeit gibt es nicht. Wenn sich ein Mann nicht von der Arbeit oder der Familie losreißen kann, hat er lediglich die Prioritäten falsch gesetzt. Und dann kann er auch kein „Tabler“ werden, wie Sebastian Schornberg, Sekretär beim Round Table Potsdam – einem lokalen Service-Club der Stadt – erklärt. Der „Round Table 190 Potsdam“ besteht aus Männern im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, die sich mit verschiedenen Projekten für den guten Zweck engagieren und dabei freiwillig ziemlich viel Freizeit opfern.

Zweimal im Monat trifft sich die Herrenrunde zur Feierabendzeit im „Maison Charlotte“ im Holländischen Viertel. Bei Wein, Bier und Flammkuchen bringt Präsident Gernot Kaaden seine Tabler auf den neuesten Stand der Dinge. „Bis alle etwas zu essen haben, darf aber ungezwungen geredet werden“, räumt der 39-jährige Banker im schwarzen Anzug ein. Obwohl er als Präsident allein durch seine förmlichere Kleidung heraussticht, sind die Hierarchien innerhalb des Clubs flach. Die Organisationsform von Round Table hat ihren Ursprung in der Tradition des englischen Clublebens. Dabei führen selbstständige „Tische“ etwa 15 bis 25 junge Männer aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen. Ende 2014 gab es bundesweit mehr als 220 Tische mit 3500 Mitgliedern.

Wer 41 wird, ist raus

 Zurzeit zählt der Potsdamer Round Table sieben Mitglieder, eigentlich zu wenige für einen guten Tisch. Wie viele andere Vereine, plagt mittlerweile auch die Tabler ein steigender Nachwuchsdruck. Jedes Jahr schrumpft der Round-Table-Distrikt, zu dem Potsdam gehört und der von der Ostseeküste südlich bis nach Berlin reicht, um 100 Mitglieder. Distrikt-Präsident Daniel Hanack (37), ein Architekt, berichtet, dass im Distrikt auf 500 Neuaufnahmen jährlich 400 Abgänge kommen. Schuld daran ist vor allem das System, denn erreicht ein Tabler das 41. Lebensjahr, fliegt er aus dem Round Table und kann dann zu den „Old Tablern“ wechseln, bei denen es keine Altersgrenze mehr gibt. Der Grund für die Begrenzung liegt darin, dass sich der Tisch mit frischen Ideen immer wieder neu erfinden soll.

Lokale Tische

Die lokalen Tische sind vom Round Table Deutschland aus in 16 Distrikte eingeteilt, die jeweils einen eigenen Präsidenten haben. Weltweit zählt die Vereinigung mehr als 33 000 Mitglieder in 70 Ländern.

Der Potsdamer Tisch befindet sich im 16. Distrikt gemeinsam mit Berlin, Schwerin, Rostock und Torgelow.

Die Potsdamer Tabler sind immer auf der Suche nach neuen Gesichtern im Alter von 18 bis 40 Jahren. Aber nicht nur das Alter ist entscheidend, denn die Anwärter werden überdies auf Herz und Nieren geprüft. An zwei bis drei Abenden dürfen sie probeweise teilnehmen, sich den anderen Tablern vorstellen und vor den anderen einen Vortrag halten.

Die Abstimmung über eine Aufnahme in den Service-Club sollte einstimmig ausfallen.

Weitere Informationen gibt es unter www.rt190.de

Hanack selbst hatte, bevor er 2012 zum Tabler wurde, „enorme Vorurteile gegenüber elitären Vereinigungen, bei denen man sich besäuft oder nackt ums Feuer tanzt.“ Mittlerweile weiß er, dass es bei Round Table um etwas ganz anderes geht. „Man kommt aus dem eigenen beruflichen Sumpf heraus und lernt den Alltag anderer Männer im gleichen Lebensabschnitt kennen“, so Hanack. Der Potsdamer Präsident Kaaden sieht das ähnlich: „Unser Tisch besteht aus Leuten, die ein gemeinsames Ziel haben, aber heterogen sind.“

Soziale Projekte werden unterstützt

Das gemeinsame Ziel heißt soziales Engagement. Jedes Jahr werden soziale Einrichtungen wie zum Beispiel die Arche in Drewitz mit Spendeneinnahmen unterstützt. Den Höhepunkt des Jahres haben die Tabler mittlerweile hinter sich. Bei einem Vier-Sterne-Charity-Dinner Anfang Oktober konnten Spenden in Höhe von 5555 Euro an den Hospiz- und Palliativberatungsdienst übergeben werden. Die Aufgabe der Tabler bestand an diesem Abend nicht nur darin, möglichst professionell Teller und Gläser zu den Gästen zu balancieren, sondern auch die ganze Veranstaltung zu organisieren.

Dafür ist nicht nur Kondition, sondern auch viel Zeit und Verständnis von der Familie nötig. Denn etwa 90 Prozent der Tabler sind nicht nur verheiratet, sondern auch Väter. Als Gernot Kaaden seine Freundin kennengelernt hat, war er schon Mitglied beim Round Table. „Sie wusste in gewisser Weise, worauf sie sich einlässt“, sagt Kaaden. Bei den Tablern selbst sind Frauen unerwünscht, aber für sie gibt es das Pendant „Ladies Circle“.

Ein Projekt, das die Frauen- und Männertische bundesweit seit 2001 gemeinsam organisieren, ist der Weihnachtspäckchen-Konvoi. Dafür sammeln Kinder i Päckchen gefüllt mit Spielsachen, Mal- und Schreibutensilien sowie Hygieneartikel und Süßigkeiten. Anfangs fuhr der Lkw voller Geschenke zu bedürftigen Kindern in Rumänien. Seit ein paar Jahren geht ein Teil des Konvois zudem in die Ukraine und nach Moldawien. Auch Potsdamer Schulen und Kindergärten haben sich in diesem Jahr wieder an der Aktion beteiligt.

Von Luise Fröhlich

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