Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Rund 60 Bahnhöfen droht das Aus
Brandenburg Rund 60 Bahnhöfen droht das Aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:32 03.07.2014
Etliche Bahnhöfe in Brandenburg könnten geschlossen werden, sollten keine Bundesmittel fließen. Quelle: dpa
Potsdam

Besonders auf dem flachen Land geht seit Jahren diese Angst um vor der Schließung von Bahnhöfen. Auf der Verkehrsministerkonferenz am 11. Juli in Berlin geht es auch um diese Frage. Brandenburg fordert mehr Geld vom Bund für den öffentlichen Nahverkehr. Geht die Forderung ins Leere, steht laut Landesregierung möglicherweise bald auch wieder der Fortbestand Dutzender unrentabler Haltepunkte infrage.

Frank Böhne befürchtet noch für dieses Jahr erste Kürzungen. Der Landeschef des Deutschen Bahnkunden-Verbands Berlin-Brandenburg (DBV) erwartet, dass das Land zum Fahrplanwechsel im Dezember eine Entscheidung gegen unpopuläre Haltepunkte fällt. Zwischen Landtagswahl und Fahrplanwechsel, prognostiziert der DBV, werde die Landesregierung „die Katze aus dem Sack“ lassen.

Infrastrukturministerium weist Spekulationen zurück

Im brandenburgischen Infrastrukturministerium weist man solche Spekulationen zurück. „Wir wollen keine Haltepunkte einstellen“, sagt Lothar Wiegand, Sprecher von Minister Jörg Vogelsänger (SPD). Für 60 der 73 Bahnhöfe im Land, die pro Tag weniger als 50 Ein- oder Ausstiege verzeichnen, sieht das Land „Optimierungsbedarf“. Seit Ende 2011 steht das Land mit den betroffenen Landkreisen, Regionalen Planungsgemeinschaften und Kommunen im Gespräch, um die Fahrgastzahlen zu erhöhen. „Dabei geht es uns nicht um die Schließung von Stationen“, bekräftigt Wiegand.

Bedrohte Bahnhöfe in Brandenburg

  • Barnim: Golzow (Eberswalde), Joachimsthal Kaiserbahnhof, Klandorf, Lottschesee
  • Cottbus: Merzdorf, Wilmersdorf Nord
  • Dahme-Spreewald: Drahnsdorf, Lubolz, Walddrehna
  • Elbe-Elster: Beutersitz, Fermerswalde, Hohenleipisch, Prösen, Prösen West, Rehfeld (Falkenberg), Rückersdorf, Schönborn, Uebigau
  • Frankfurt (Oder): Helenesee
  • Märkisch-Oderland: Alt Rosenthal, Golzow (Oderbruch), Gorgast, Obersdorf, Schönfließ Dorf
  • Oberhavel: Bergsdorf, Vogelsang (Gransee)
  • Oberspreewald-Lausitz: Bahnsdorf, Gollmitz (Niederlausitz), Luckaitztal, Schwarzheide Ost
  • Oder-Spree: Grunow (Niederlausitz), Hubertushöhe, Oegeln, Schneeberg (Mark)
  • Ostprignitz-Ruppin: Dossow (Prignitz), Fretzdorf, Herzberg (Mark), Liebenthal (Prignitz), Netzeband, Walsleben
  • Potsdam-Mittelmark: Buchholz (Zauche), Ferch-Lienewitz
  • Prignitz: Weisen
  • Spree-Neiße: Jänschwalde Ost, Klinge, Kolkwitz, Kolkwitz Süd, Kunersdorf, Leuthen, Teichland
  • Teltow-Fläming: Klasdorf, Neuhof (bei Zossen), Oehna, Zellendorf
  • Uckermark: Casekow, Hammelspring, Nechlin, Passow, Petershagen, Schönow

Kommunen wehren sich

In Zossen (Teltow-Fläming) glaubte Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) die Diskussion eigentlich längst hinter sich zu wissen. Als Überlegungen des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) bekannt wurden, die Station Neuhof bei Zossen dicht zu machen, setzten Stadt und Landkreis einen gemeinsamen Protestbrief auf. Mit Erfolg, der VBB lenkte ein. „Wegen der Bedeutung für die ganze Region darf der Haltepunkt in Neuhof auf gar keinen Fall wegfallen“, betont Schreiber.

Auch im Landkreis Ostprignitz-Ruppin weiß man um die geringe Auslastung einiger Stationen, etwa in Dossow, einem der Ortsteile mit den meisten Einwohnern in Wittstock (Dosse). „Wir wollen die Orte an der Bahnlinie RE6 attraktiv gestalten, um gerade junge Familien dort anzusiedeln“, erklärt Stadtsprecher Jean Dibbert. Sollten die Züge künftig Dossow nicht mehr anfahren, würde „uns das Land Brandenburg bei unserer Stadtentwicklung einen Strich durch die Rechnung“ machen.

» Viele Bahnhöfe in Brandenburg sind marode, wie eine MAZ-Serie zeigte

Unterstützung von der CDU

Unterstützung erhalten die Kommunen von der CDU. „Man muss weg von der reinen Zahlenakrobatik in den ländlichen Regionen. Das Land hat einen Versorgungsauftrag“, mahnte der uckermärkische Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen.
Bei der rot-roten Landesregierung stößt diese Kritik auf Unverständnis. Koeppen solle sich lieber dafür stark machen, dass der Bund auch für das Jahr 2015 Regionalisierungsmittel in ausreichender Höhe locker mache, sagte Infrastrukturminister-Sprecher Wiegand. Von bundesweit 7,3 Milliarden Euro erhält das Land in diesem Jahr 416,8 Millionen Euro. Weil die allgemeinen Kosten steigen, erhofft sich Brandenburg mittels der Verkehrsministerkonferenz eine Zusage über mehr Geld. Andernfalls, warnte Wiegand, stünden Einsparungen an – etwa bei unrentablen Stationen, deren jährlicher Unterhalt sich laut Wiegand auf jeweils bis zu 100.000 Euro summiert.

Kommentar von Bastian Pauly

Abgehängt

Brandenburg gerät immer mehr in Schieflage. Während sich Kapital und Köpfe im Berliner Speckgürtel konzentrieren, müssen die übrigen Märker befürchten, abgehängt zu werden. Die Diskussion, Zuglinien einzustellen und Bahnhöfe dichtzumachen, hat längst einen ritualartigen Charakter angenommen. Das Thema wird Brandenburg weiter in Atem halten.
Es ist, auf den ersten Blick, eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Und trotzdem steckt mehr dahiner. Der Zeitgeist hat längst das Ende des motorisierten Individualverkehrs ausgerufen – einerseits. Andererseits muss man vielerorts in Brandenburg zu dem Schluss kommen, dass bald schon ohne Auto gar nichts mehr gehen wird. Der Weg zum Arzt, zum Supermarkt, zum Theater in die nächst größere Stadt – wer flexibel sein will, dem bleibt häufig nichts als die eigenen vier Räder.
Wie viele Fahrgäste braucht es, dass es sich lohnt, einen Zug übers flache Land zu schicken? Diese Frage muss die Politik beantworten. Wenn es die Verkehrsplaner ernst meinen mit der umweltfreundlichen Mobilität, darf bei Bahnlinien und Haltepunkten nicht gespart werden. Im Gegenteil. Je engmaschiger das Netz und je kürzer die Takte, desto attraktiver ist der Umstieg vom eigenen Auto in Bus und Bahn. Auf dem Land, so scheint es, wird diese Wahl aber auf kurz oder lang zunehmend stärker eingeschränkt werden. 

Das beste Argument gegen die Abschaffung von Haltepunkten sind steigende Fahrgastzahlen. Das belegt das Beispiel der einst auf der Streichliste stehenden Station Wilmersdorf in der Uckermark. Dort ist die tägliche Frequenz von drei auf 70 Fahrgäste täglich gestiegen, seit eine zusätzliche Buslinie den Bahnhof mit dem westlich gelegenen Gerswalde verbindet.

Die enorme Steigerung sei ein „wahnsinniger Erfolg“, sagt VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Wachsende Fahrgastzahlen verzeichnet der VBB auch in der Wachstumsregion Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) sowie im Landkreis Spree-Neiße.

Das Infrastrukturministerium hält solche Verkehrskonzepte für beispielhaft. In ihren Planungen müssten die Kommunen Bus- und Bahnverkehr stärker harmonisieren, fordert Sprecher Wiegand.

Von Bastian Pauly

Brandenburg Landesregierung feiert Mega-Fest in Potsdam - Großes Theater bei Brandenburg-Party

Promi-Auflauf beim Sommerfest der Brandenburger Landesregierung: Sehen Sie im MAZ-Video, warum Model Franziska Knuppe gern öfter den Roten Teppich in Brandenburg ausrollen würde, warum Partygast Hartmut Mehdorn den Abend trotz Flughafen-Stress relaxed angeht und warum sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wünscht, dass der Märker selbstbewusster wird.

04.07.2014
Brandenburg Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt - Ex-DLRG-Chef unter Untreue-Verdacht

Die Finanzaffäre bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Brandenburg ist nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft Potsdam. Gegen den zurückgetretenen Präsidenten Armin Zimmermann wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.

05.07.2014

Gegen die Augenärztin aus Cottbus, die gesetzlich Krankenversicherten Privatsprechstunden anbot, ist eine Geldbuße verhängt worden. Der Disziplinarausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) befand am Mittwoch, die Frau habe ihre Pflichten verletzt, so ein KVBB-Sprecher. Auch wurde über ihre Zulassung befunden.

02.07.2014