Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Russland-Sanktionen werden zur Belastung

Schwere Zeiten für märkische Firmen: Viele unterhalten Beziehungen mit Osteuropa Russland-Sanktionen werden zur Belastung

Der Riesenmarkt Russland ist im Moment ein schwieriges Terrain für Brandenburger Firmen. Durch die politische Krise wurden einige fast in die Pleite getrieben. Russland ist für Brandenburg mit Abstand das wichtigste Importland. In Schwedt (Uckermark) endet die Druschba-Pipeline.

Bei der Raffinerie PCK Schwedt (Uckermark) endet die Druschba-Pipeline, durch die tonnenweise Erdöl aus Russland fließt.

Quelle: foto: DPA

Potsdam . Für die insolvente traditionsreiche Brandenburger Orgelbauerfirma von Alexander Schuke hätte die Russland-Krise um ein Haar das Ende bedeutet. Im Vorjahr war das Geld für bereits gelieferte Orgeln ausgeblieben – 600 000 Euro. Ende 2014 wurde dann das Insolvenzverfahren der Firma mit Sitz in Werder (Potsdam-Mittelmark) eröffnet, die vor 120 Jahren gegründet wurde. „Auftragseingänge sind wieder da, aber aus anderen Ecken der Welt“, sagt nun Ulf Rittinghaus, der vom Insolvenzverwalter beauftragte Berater für das Unternehmen. Das Beispiel zeigt: Die politische Krise infolge des Ukraine-Konflikts wirkt sich auch auf die Brandenburger Wirtschaft aus.

„Für die Firmen sind das schwierige Zeiten“, sagt der Außenexperte der Industrie- und Handelskammer Potsdam, Jens Ullmann. Die stagnierende russische Konjunktur, sich durch die Rubel-Schwäche verteuernde Lieferungen aus dem Euro-Raum oder die EU-Sanktionen gegen Russland ließen derzeit kaum normale Geschäfte zu. Allein in Westbrandenburg haben nach IHK-Angaben 200 Firmen Beziehungen mit Russland oder sind in dem Land aktiv. Hauptexportbranchen sind Gummi- und Kunststoffwaren, Nahrungs- und Futtermittel, aber auch Maschinen, Pharmazeutika oder Kfz-Teile.

Russland ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums der größte Außenhandelspartner Brandenburgs. Für sechs Milliarden Euro (minus 3,8 Prozent) werden Waren importiert. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Öl. Exporte nach Russland gingen 2014 um 13 Prozent auf 266 Millionen Euro zurück. Brandenburg stand damit aber besser da als der Bundesdurchschnitt: Insgesamt wurden ein Fünftel weniger Exporte verbucht. Firmen, die nicht nur auf den Russland-Markt angewiesen sind, können nach Erfahrungen der IHK mit der Lage besser fertig werden.

Für den Speditionsunternehmer Valerie Retler trifft das nicht zu. „90 Prozent unserer Aufträge betrafen Russlandkunden“, beschreibt er das Dilemma. „Das steckt man nicht so einfach weg.“ 13 seiner Fahrer waren in dem Land unterwegs, vor allem Richtung Moskau und St. Petersburg. Transportiert wurden Waren jeglicher Art: von Schuhen bis zu Maschinen. Die Aufträge seien völlig weggefallen, sagt Retler. „Wir sind aber nicht die einzigen, die nun neue Kunden suchen. Ein Ende der Durststrecke ist noch nicht in Sicht“, betont Retler. Glücklicherweise habe bislang kein Fahrer entlassen werden müssen.

Keinen Grund zum Klagen sieht Heiner Vollstädt, Chef einer Acht-Mann-Firma, die auf Prüfgeräte und Sortieranlagen für Indus-triediamanten spezialisiert ist. „Mit unseren Kunden in Russland arbeiten wir langfristig zusammen“, sagt er. Wie vor der Krise liege der Jahresumsatz mit dem Land stabil bei 100 000 Euro. „Mit unserem Spezialwissen kommen wir gut klar“, sagt der Firmenchef, der wie fast alle seiner Mitarbeiter Russisch spricht. „Dadurch öffnen sich viele Türen.“ Der IHK-Experte Ullmann ist vorsichtig optimistisch: „Russland bleibt ein Zukunftsmarkt, auch wenn es jetzt die Rückschläge gibt“, sagt er.

Von Gudrun Janicke

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg