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Brandenburg Scharfe Kritik an Nauener Kreißsaal-Schließung
Brandenburg Scharfe Kritik an Nauener Kreißsaal-Schließung
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17:54 07.10.2018
Die Havelland Kliniken in Nauen. Quelle: Tanja M. Marotzke
Potsdam

Nach der vorübergehenden Kreißsaalschließung in den Havelland Kliniken in Nauen warnen Hebammen und Gesundheitspolitiker vor einer Verschlechterung der Geburtshilfe in Brandenburg. „Der Hebammen-Engpass ist überall da“, sagt Martina Schulze, Vorsitzende des Hebammenverbands Brandenburg. Es dürfe nicht sein, dass werdende Eltern aus dem Havelland auf Städte wie Berlin ausweichen müssen, wo Ärzte und Hebammen ohnehin schon überlastet sind. „Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Vergütung für die Hebammen“, forderte Schulze. Der Hebammenverband beklagt seit Langem, dass Schwangere kaum noch eine Hebamme zur Betreuung finden und das Hebammen-Personal an der unteren Grenze in den Kliniken arbeite.

Rathenow als Ausweichort

Vor einer Woche hatten die Havelland Kliniken angekündigt, ihre Entbindungsstation vorübergehend wegen Hebammenmangels zu schließen. Schwangere im Osthavelland könnten ab sofort in der Klinik in Rathenow, dem zweiten Standort der Havelland-Kliniken, entbinden, hieß es. Nach der Hiobsbotschaft für werdende Mütter arbeitet das Klinikum nach eigenen Angaben „unter Hochdruck“ daran, offene Hebammenstellen zu besetzen. In den vergangenen Jahren habe es immer mal wieder Personalprobleme gegeben, was man bislang habe abwenden können. „Niemand entschließt sich leichtfertig, temporär einen Kreißsaal zu schließen, aber eine sichere Versorgung rund um die Uhr war mit nur drei Hebammen nicht weiter zu gewährleisten“, sagt die Referentin der Geschäftsführung, Babette Dietrich. Die Kliniksprecherin geht davon aus, dass es Monate dauern könne, bis es in Nauen weitergehen kann. 2017 sind nach Angaben der Klinik 752 Kinder im Nauener und Rathenower Kreißsaal zur Welt gekommen.

Politiker aus Brandenburg kritisieren die Kreißsaal-Schließung scharf. Diese rufe innerhalb der Bevölkerung viele Ängste hervor, sagt die Gesundheitspolitikerin der Grünen im Brandenburger Landtag, Ursula Nonnemacher. „Es ist eine Katastrophe und ein ganz schlechtes Zeichen, wenn junge Familien in einer wachsenden Stadt wie Nauen befürchten müssen, keine Ansprache in den Kliniken zu finden.“ Sie habe „kein Verständnis“ dafür, wie eine Geburtsstation „aus heiterem Himmel“ schließen könne. „Ich erwarte von einer Klinik in Trägerschaft eines Landkreises, dass sie mit mehr Weitsicht agiert.“ Sie forderte, dass die Rahmenbedingungen für Hebammen ähnlich wie in den Pflegeberufen in den Kliniken verbessert werden.

Vorwürfe, man habe nicht genug unternommen, um Hebammen zu finden, weisen die Havelland Kliniken zurück. „Wir haben uns fortlaufend bemüht, Personal und Nachwuchs zu finden, leider ohne Erfolg“, sagt Dietrich. Immer weniger Hebammen seien bereit, in Vollzeit, Schicht- und Wochenenddiensten an einer Klinik zu arbeiten. Dass die Geburtsstation temporär geschlossen wurde, weil sie sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht als profitabel erwiesen hat, weist die Kliniksprecherin zurück: „Wir halten auch deshalb an der Geburtshilfe fest, weil das Krankenhaus, in dem Familien ihr Kind bekommen, in der Regel in guter Erinnerung bleibt.“

2015 machte die Geburtsstation in Bad Belzig dicht

Die Landeskrankenhausgesellschaft (LKB) beobachtet die Entwicklung mit einer Sorge. Es sei nicht auszuschließen, dass es wegen Erkrankungen oder den Wechsel von Hebammen kurzfristig zu Schließungen komme, erklärte LKB-Chef Jens-Uwe Schreck. „Die Personallage in diesem Bereich ist unübersehbar angespannt.“ Seit längerer Zeit werde versucht, neue Hebammen für Nauen zu finden. „Bisher leider ohne Erfolg“, so Schreck.

In Deutschland ist die Zahl der Krankenhäuser, die Geburtshilfe anbieten, insgesamt massiv zurückgegangen. Gab es 2005 noch 913 Krankenhäuser mit Entbindungen, waren es 2017 nur noch 672. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor. Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich in Brandenburg: Gab es 2005 noch 28 Krankenhäuser mit Entbindungen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 23. Zuletzt wurde im April 2015 in Bad Belzig die Geburtsstation geschlossen.

Zu wenige Geburten, zu wenig Praxis

Gründe für Kreißsaalschließungen sind ähnlich wie in Bad Belzig unter anderem zu wenige Geburtenzahlen im ländlichen Raum. Das bringt laut Deutschem Hebammenverband Probleme bei der Finanzierung mit sich, aber auch fehlende Praxis und damit abnehmende Qualität bei der Versorgung Schwangerer.

Die Landeskrankenhausgesellschaft fordert weiterhin eine wohnortnahe Versorgung. „Das ist im Übrigen auch Verfassungsauftrag“, so Schreck. Gerade in Notfällen sei die wohnortnahe Versorgung unabdingbar. Er räumt aber ein, dass dies mitunter schwierig zu realisieren ist. „Ein Kreißsaal muss rund um die Uhr, an jedem Tag des Jahres besetzt sein“, sagt er. „Nicht alle Pflegekräfte, auch nicht alle Hebammen, sind bereit, dauerhaft im Schichtsystem einer Klinik zu arbeiten.“ Insgesamt sei das Netz an Entbindungsstationen in Brandenburg aber intakt – auch im Vergleich zum Rest der Republik.

Von Diana Bade

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