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Brandenburg Scheitern im Streit um die Biber?
Brandenburg Scheitern im Streit um die Biber?
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13:32 17.10.2015
Biber zernagen das Oderbruch. Quelle: dpa-Zentralbild
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Seelow

Trotz Biber-Verordnung und zweier frisch gebackener Biber-Manager: Regelungen für ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem Schutz der nachtaktiven Wasserbaumeister und der Regulierung ihres Bestandes zu finden, fällt im Land Brandenburg schwer. Die Interessen von Naturschützern, Landwirten, Gewässer- und Deichverbände sowie der Bevölkerung sind einfach nicht unter einen Hut zu bringen. „Wir drehen uns irgendwie im Kreis, haben uns eine Einigung leichter vorgestellt“, sagt Jürgen Trakat, Leiter der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Märkisch-Oderland. Dabei war die am stärksten von Bibern „heimgesuchte“ Region mit dem gewässerreichen Oderbruch bereits auf gutem Weg.

Konstruktiv sein oder lassen

Eine regionale Arbeitsgruppe aus Vertretern der Kreisverwaltung, der Naturschutzverbände, der Bauern und des Gewässer- und Deichverbandes „Oderbruch“ (Gedo) trifft sich regelmäßig, um gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz und der Brandenburger Biber-Verordnung Fallbeispiele und Handlungsempfehlungen im Umgang mit Problembibern zu erarbeiten, also jenen Tieren, die sich nicht einfach vertreiben oder „versetzen“ lassen. Doch jetzt scheint das Gremium zu scheitern. „Entweder geht es konstruktiv weiter oder wir können es lassen“, bringt Kreisbauernverbands-Chef Hendrik Wendorff das Dilemma auf den Punkt.

Biberexperte Mathias Stahl vom Gewässer- und Deichverband Oderbruch begutachtet eine von Bibern gefällten Buche. Quelle: dpa-Zentralbild

Knackpunkt für ihn ist der Geltungsbereich der Verordnung: Deiche und sonstige Hochwasserschutzanlagen, Dämme von Kläranlagen oder bewirtschaftete Fischteiche sind demnach für Biber tabu. Dort können Dämme abgesenkt, Burgen entfernt, Tiere gefangen und in letzter Konsequenz sogar getötet werden. Allerdings: Die europäischen Vogelschutzgebiete – fast ein Viertel der Landesfläche – sowie gerade die von Biberschäden besonders betroffenen, aber unter Naturschutz stehenden Regionen wie das Oderbruch – sind von diesen Regelungen ausgenommen.

Juristische Klagen vorprogrammiert

Es fehle eine Rechtsverordnung, wonach die Naturschutzverbände anzuhören sind, erläutert Wendorff. Die aber würden sich querstellen. Das will Trakat so nicht stehen lassen. „In der Arbeitsgruppe tun sich viele schwer, so dass wir einfach nicht zu den konkreten Fällen kommen.“ Wenn schon in dem Gremium keine Einigkeit erzielt werde, seien juristische Klagen der Naturschützer beispielsweise gegen Festlegungen von biberfrei zu haltenden Gräben vorprogrammiert. „Dann war alle bisherige Arbeit umsonst“, erläutert der Vizechef des Brandenburger Bauernverbandes und weiß sich in diesem Punkt einig mit dem Leiter der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.

Kilometerlange Reviere

Biber sind nach den Capybaras die zweitgrößten Nagetiere der Erde. Sie können in einer Nacht einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum fällen.

Der europäische Biber ist als einheimisches Säugetier durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt.

Das Revier einer Biberfamilie, die aus dem Elternpaar und zwei Generationen von Jungtieren besteht, umfasst je nach der Qualität des Biotops 1 bis 3 Kilometer Fließgewässerstrecke.

Landrat Gernot Schmidt hatte im vergangenen Jahr eine Allgemeinverfügung erlassen, die vor allem dem Gedo artenschutzrechtliche Ausnahmen gewährte. Dazu gehörte die Tötung von Problembibern als quasi allerletzte Lösung. Der Naturschutzbund Deutschlands (Nabu) klagte dagegen und bekam recht, den Akteuren im Oderbruch waren erneut die Hände gebunden. Nun aber sind in der Arbeitsgruppe noch immer keine Regeln und Musterentscheidungen definiert, die auch die Naturschutzverbände akzeptieren. Vor allem, weil sich laut Wendorff und Trakat ständig von Landesseite Verbände und Behörden einmischen. Die einen pochen auf Prävention bei Bibermaßnahmen, die anderen können sich nicht einigen, was alles zu biberfreien Hochwasseranlagen gehört und was nicht.

Selbstjustiz gegen Biber greift um sich

Dabei hatte die Arbeitsgruppe bereits eine detaillierte Gewässer- und eine Maßnahmekarte erarbeitet, basierend auf zehn Jahren Erfahrung im Umgang mit dem Biber, der sich nicht einfach vertreiben lässt, in dem man von ihm gebaute Dämme einreißt oder Schäden repariert. „So werden wir das Biberproblem nicht lösen“, stellt Wendorff fest. Dass Selbstjustiz gegen die umtriebigen Nager im Oderbruch immer weiter um sich greife, da es keine offiziellen Lösungen gibt, scheine in Potsdam nicht anzukommen, ergänzt Trakat. „Das bringt letztlich mehr Schaden für den Biber, als wenn einzelne Problemtiere gezielt getötet werden“, warnt er. Auch Naturschützer in den Landesgremien müssten endlich die regionale Besonderheit des Oderbruchs mit seiner Gewässerdichte anerkennen, „ihr Hinterhofdenken aufgeben“ und eine Regulierung des sich rasant entwickelnden Biberbestandes billigen, fordert Wendorff.

Naturschützer stehen für die Biber ein, andere betreiben Selbstjustiz und jagen sie. Quelle: blickwinkel

Immerhin die Hälfte des auf 3000 Tiere geschätzten Bestandes im Land Brandenburg lebt im Oderbruch. „Wir können doch nicht einfach zusehen, wie der Biber diese Kulturlandschaft ungehindert zerstört“, empört sich Gedo-Chef Martin Porath. 200 000 Euro muss der Verband jährlich für Instandsetzungen nach Biberschäden aufwenden. Außerhalb der Schutzgebiete arbeite der Gedo seit 1. September nach der Biberverordnung, etwa an der Bahnstrecke zwischen Frankfurt (Oder) und Eberswalde, informiert Porath. Dort würden Biber die Standsicherheit der Bahndämme gefährden. „Ein Exemplar haben wir bereits per Falle gefangen und von einem Jäger fachgerecht töten lassen.“

Von Jeanette Bederke

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