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Schiffshebewerk Niederfinow erst 2016 fertig

Verzögerungen beim 285 Millionen Euro teuren Bauprojekt Schiffshebewerk Niederfinow erst 2016 fertig

Der Neubau des Schiffshebewerkes Niederfinow (Barnim) wird erst 2016, zwei Jahre später als geplant, fertig. Drei strenge Winter in Brandenburg und Engpässe auf dem Stahlmarkt haben die Verzögerungen bei dem 285 Millionen Euro teuren Bauprojekt verursacht.

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Die Stahlbetonhülle des neuen Hebewerks, das in direkter Nachbarschaft zum alten entsteht, ist fast fertig.

Quelle: Angelika Pentsi

Niederfinow. Wenn Klaus Winter auf der Spitze seines Arbeitsplatzes steht, kann ihm schon schwindelig werden. 54 Meter hoch ist der Bau, ein Mammutprojekt, das sich dem direkten Vergleich mit seinem eigentlich schon perfekten Vorgänger stellen muss. Winter leitet die Bauüberwachung am neuen Schiffshebewerk Niederfinow (Barnim), das einen Steinwurf entfernt vom alten Hebewerk entsteht. Es soll die Schiffe den 36-Meter hohen Sprung, den das Gelände an diese Stelle des Oder-Havel-Kanals macht, hinauf- und hinabhieven.

Seit 80 Jahren verrichtet der benachbarte Schiffsfahrstuhl diesen Dienst zuverlässig. Rund 13.700 Schiffe mit einer Gesamtlast von zirka 1,3 Millionen Tonnen – vom Sportboot bis zum Schwergutfrachter – beförderte es 2013 die Stufe hinauf oder hinab. Ungefähr 150.000 Touristen zieht es jedes Jahr an. Oft sieht man Großeltern, die ihren Enkeln aus der „Generation Smartphone“ mal ein ordentliches Technikwunder aus der Blüte des Industriezeitalters präsentieren wollen und ihnen danach Fritten oder Eis in einem der Lokale am Fuße des Lifts spendieren.

Klaus Winter leitet die Bauüberwachung.

Quelle: Angelika Pentsi

Einziges Manko: Der alte Riese ist zu klein geworden für die modernen Güterschiffe, die auf der Strecke zwischen Berlin und Stettin verkehren. „Für die Binnenschifffahrt lohnt es sich nicht, einlagig zu fahren“, sagt Winter. „Das wäre wie ein Lkw, der nur halb beladen ist.“ Auch lange Schubverbände passten nicht durch „das Nadelöhr“, wie das alte Hebewerk auch genannt wird. Deshalb muss ein neues, größeres Hebewerk her.

Ausschlaggebend sind hierbei die Abmessungen des Trogs, erklärt Winter, jene Wanne, in der die Schiffe schwimmen, während sie den Höhenunterschied überwinden. 115 statt 82,5 Meter lang soll er im neuen Fahrstuhl werden, eine Durchfahrtshöhe von 5,25 Metern statt 4,10 Metern haben und ein Gewicht von 9800 Tonnen statt nur 4290 Tonnen. Das Funktionsprinzip indes ist das gleiche wie beim alten Hebewerk. „Wir haben viele Ideen erwogen, aber das ist immer noch die beste Lösung“, sagt Winter. Der Trog wird dabei an 224 Seilen aufgehängt. Diese sind mit 220 Gegengewichten verbunden, welche die Wanne im Gleichgewicht halten. Die Energie, die zur Überwindung von Reibung, Anfahrtswiderstand, Massenträgheit und Wasserspiegeldifferenzen benötigt wird, liefern vier Motoren mit je 218 PS – gerade so stark, wie manch ein Pkw-Motor. Den Großteil der Arbeit bewältigt die Schwerkraft.

Historisches Schiffshebewerk

  • 1927 begann der Bau des alten Schiffshebewerks in Niederfinow. Nach sieben Jahren, am 21.3.1934, wurde das Bauwerk in Betrieb genommen.
  • 27,5 Millionen Reichsmark kostete der Fahrstuhl.
  • 256 Seile tragen den Trog, in dem die Schiffe während des Auf- oder Abstiegs schwimmen.
  • 5 Minuten dauert es, bis der Schiffsfahrstuhl den 36-Meter-Sprung, den das Gelände an dieser Stelle macht, überwunden hat. 

Nach zähen Verhandlungen wurde der Grundstein für das 285-Millionen-Euro teure, vom Bund finanzierte Projekt vor fünf Jahren gelegt. Eigentlich sollte der Schiffsfahrstuhl bis 2014 fertig sein, aber es gab Verzögerungen. „Wir hatten drei sehr harte Winter, dadurch haben wir sechs Monate verloren“, erklärt der 42-jährige Ingenieur, der aus Freienwalde (Märkisch-Oderland) stammt und an der TU Berlin studiert hat. Außerdem sei der europäische Stahlmarkt von den Chinesen leergekauft gewesen, als Stahl auf der Baustelle gebraucht wurde. Und drittens gab es „die üblichen Querelen, die man bei Großprojekten so hat“, sagt Winter schmunzelnd.

Inzwischen ragen die massiven, graublauen Stahlbeton-Türme und -Pfeiler des neuen Schiffshebewerks wie Wolkenkratzer in den Himmel. Die Kanalbrücke, die das Hebewerk mit dem oberen Vorhafen verbindet, ist ebenfalls montiert, der obere Vorhafen angelegt. „Der Rahmen soll im Sommer fertig sein“, sagt Winter. Dann muss die Außenhülle noch mit Leben gefüllt werden, das heißt vor allem: die Gegengewichtsanlage und die Maschinen müssen eingebaut werden sowie das Sicherheitssystem. Zudem wird die Dorfstraße, die derzeit noch durch den unteren Vorhafen führt, verlegt. Zwischen 80 und 140 Bauarbeiter sind je nach Bauphase auf dem Gelände beschäftigt, größtenteils stammen sie aus dem europäischen Ausland, so Winter. Das alte Hebewerk wird nach Inbetriebnahme des neuen „in absehbarer Zeit“ stillgelegt, heißt es bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), aber als Industriedenkmal erhalten.

Die größte Herausforderung bei dem Projekt? „Man muss die Robustheit des Wasserbaus mit filigranem Maschinenbau verbinden“, sagt Winter und sein Ingenieurherz scheint jetzt ein bisschen höher zu schlagen. Er ist jetzt wieder von seinem Riesen heruntergekraxelt und steht in dessen Schatten, zwischen Kränen und Betonblöcken. Für die WSV ist das Hebewerk, das er mitverantwortet, eines der wichtigsten Leuchtturmprojekte. Wie sich das anfühlt? „In meinem Berufsleben werde ich so ein Projekt sicher nie wieder haben.“

Von Angelika Pentsi

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