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Schlechte Straßen in Ostprignitz-Ruppin

MAZ-Aktion „Schlechte Straßen“ Schlechte Straßen in Ostprignitz-Ruppin

Friedlich ist es in der Neuruppiner Straße des Friedens schon lange nicht mehr. Auf einer holprigen, mit Schlaglöchern übersäten Straße bangen die Fahrer um ihre Wagen, die Erschütterungen durch den Verkehr betreffen besonders die Anwohner. Wo gibt es im Landkreis die schlechteste Straße? Die MAZ ist auf der Suche.

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Bodenwellen, altes Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher machen Verkehrsteilnehmern und Anwohnern der Straße des Friedens in Neuruppin das Leben schwer.

Neuruppin. „Merken Sie, wie der Bus aufsetzt?“, fragt Busfahrer Thomas Hinkel, der täglich mehrmals die Linie 770 zwischen Treskow und Alt Ruppin absolviert. Er hat das Gefährt auf die Straße des Friedens gelenkt, es klappert und knallt.

„Die ganzen Schlaglöcher sind sehr nervig, die Bordsteine sind alle unterschiedlich hoch, überall Unebenheiten. Dass hier 50 km/h überhaupt erlaubt sind, wundert mich.“ Schaukelnd bewegt sich der Bus vorwärts. „Maximal 15 bis 20 km/h kann ich hier fahren, sonst fällt der Bus ausein­ander.“

„Das ganze Haus wackelt“

Die Straße des Friedens ist Anwohnern und Neuruppiner Autofahrern schon seit langer Zeit ein Dorn im Auge. Alles andere als friedlich donnern dort täglich Autos, Lastwagen, Busse, Transporter und Lieferfahrzeuge über schlecht betonierte und unebene Kopfsteinpflasterkuhlen. Bodenwellen und schadhafte Straßenteile stören nicht nur diejenigen, die darüberfahren.

„Die Straße ist eine Katastrophe“, sagt Olaf Kuball, der mit seiner Frau an der Straße wohnt. „Das ganze Haus wackelt, wenn hier Fahrzeuge fahren, die größer sind als ein normaler Pkw“, sagt er. Leere Transporter seien noch schlimmer als beladene, weil sie durch die Schlaglöcher springen und hart wieder landen. Die Erschütterungen seien im gesamten Haus zu spüren.

Der Straßenlärm beginnt schon frühmorgens

„Das Nervenkostüm wird dünner“, sagt Kuball. Zwar seien jetzt gerade Ferien, weshalb sie nicht wie sonst vom Schulbusverkehr wach würden, der täglich um 5.40 Uhr den Wecker ersetzt. Aber wenn man den ganzen Tag über im Haus sei, werde noch einmal deutlich, wie stark die schlechte Straße das persönliche Leben einschränkt. „Das ist ein Geschüttel und ein Gewackel, der Fußboden vibriert, und es ist sehr befremdlich, wenn es in den Schränken permanent klirrt und klimpert“, sagt Ulrike Kuball.

Seit 1970 lebt sie in ihrem Haus. „Es war immer schon eine schlechte Straße, aber seit etwa zehn Jahren hat sich die Situation weiter verschlimmert – und jetzt ist hier auch viel mehr Verkehr als damals.“ Auch Verkehr, der aufgrund diverser Baustellen umgeleitet wird, fließt am Haus der Kuballs vorbei.

Die schlechte Straße schadet auch den Häusern

„Die Häuser leiden unter dem Straßenverkehr“, ärgert sich Olaf Kuball. Überall finden sich Haar­risse in den Fassaden, bedingt durch konstante Erschütterungen. „Die Häuser, die hier stehen und zum Teil über 150 Jahre alt sind, wurden teuer saniert, in unseres haben wir viel Geld und Zeit investiert – darin steckt alles, was wir haben“, sagt Kuball.

In der Straße sind alle der gleichen Meinung: So soll es nicht bleiben. Auch das GMK Immobilienbüro, das dort seinen Standort hat, ist von Lärm und Erschütterung betroffen. „Die Erschütterungen sind krass, vor allem im Winter bei Frost – da macht man sich schon Sorgen um die Bausubstanz“, sagt Vertriebsassistent Alexander Kliche.

Einer der Büroräume liegt zur Straße hin – „bei offenem Fenster ist an Gespräche oder Telefonate nicht zu denken.“ Auch Kliche findet es schade, dass hier bisher noch nichts passiert ist. In Hinblick auf das Fontanejahr 2019 sei die Straße auch nicht gerade ein schöner Anblick.

Die Stadt Neuruppin kann nichts ändern

„Die schlechte Straße ist einer der Hauptgründe für den ständigen Mieterwechsel“, sagt Ulrike Kuball. Selbst wegziehen, das wollen sie und ihr Mann nicht. „Dass die Risse in den Häusern vom Verkehr kommen, müssen wir offiziell nachweisen, damit etwas passiert – aber wie soll das gehen?“

Weil die Straße des Friedens Teil der Landesstraße 167 ist, liegt die Zuständigkeit nicht bei der Stadt, sondern beim Land Brandenburg. Dorthin schickte Kuball ein Schreiben sowie eine Unterschriftenliste der Anwohner, um die Notwendigkeit der Sanierung deutlich zu machen.

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde reagierte positiv auf diesen Schritt, doch das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung in Potsdam hält die Verkehrsbelastung für zu niedrig, als dass ein Ausbau notwendig wäre. Das wollen die Kuballs nicht hinnehmen. „Wenn nichts passiert, muss der Ton schärfer werden.“

„Unzufriedenheit muss in Potsdam ankommen“

Heiko Rähse, stellvertretender Rathaussprecher der Stadt Neuruppin, glaubt an Erfolg durch Hartnäckigkeit. „Je häufiger die Unzufriedenheit über die Straße in Potsdam ankommt, desto besser“, meint er. „Bisher ist die Straße nicht im Investitionsprogramm von Brandenburg vorgesehen, obwohl bei jedem Gespräch mit dem Land darauf gedrungen wird. Mit dieser Situation sind wir sehr unglücklich. Hier sind wir leider nicht Herrscher der Maßnahmen, sondern selbst die Betroffenen.“

Kennen Sie weitere schlimme Straßen in Ostprignitz-Ruppin? Die MAZ sucht die schlechteste im Landkreis. Rufen Sie an unter 03391/45 75 16, oder schreiben Sie eine Mail an neuruppin@MAZ-online, kyritz@MAZ-online.de, wittstock@MAZ-online.de oder prignitz@MAZ-online.de. Wir melden uns.

Von Christina Koormann

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