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Schleudersitz in Schönefeld

Schon vor Horst Amann sind einige Manager aus dem Airport-Projekt katapultiert worden Schleudersitz in Schönefeld

Gekommen, um zu fliegen: Der Arbeitsplatz am BER, dem geplanten Hauptstadtflughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) ist schon für so manchen zum Schleudersitz geworden. Die Degradierung des Technik-Chefs Horst Amann ist nur das aktuelle Beispiel.

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In Beton gegossene Ödnis wo reger Flugverkehr herrschen sollte.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Sätze von Flughafen-Rebell Christoph Schulze sind schon zehn Jahre alt, gleichzeitig sind sie ziemlich zeitlos. „Das ist wieder typisch. Wenn die Großkopferten Mist gebaut haben, werden andere dafür einen Kopf kürzer gemacht“, wetterte der Landtagsabgeordnete, der wegen der Flughafenpolitik bei der SPD-Fraktion aus- und später bei den Grünen eingetreten ist, 2003.

MANFRED KÖRTGEN: Horst Amanns Vorgänger ging es nicht anders: Der damalige Technikchef Manfred Körtgen musste im Mai 2012 dran glauben. Nach der zweiten Verschiebung des Eröffnungstermins musste der Architekt aus dem Rheinland abdanken. Die Politik sah in ihm den Hauptschuldigen für das Desaster. Der Vorwurf: Er habe den Bauverzug zu spät erkannt. 2010, als die BER-Eröffnung erstmals verschoben wurde, bastelte Körtgen gerade nebenbei an seiner Doktorarbeit. Das kam gar nicht gut an.

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Damals musste Brandenburgs Ex-Wirtschaftsstaatssekretär Michael Pieper als Flughafen-Manager seinen Hut nehmen, weil er aus Sicht der Politik die Privatisierung des künftigen Hauptstadtflughafens in Schönefeld (DahmeSpreewald) verbaselt hatte. Der nun geschasste Technik-Chef Horst Amann kann sich trösten: Er ist nicht der Erste, den der Pannen-Airport die Karriere kostet.

MEINHARD VON GERKAN: Tegel katapultierte Meinhard von Gerkan in die erste Liga der Architektur. 1965 baute der Hamburger den West-Berliner Flughafen. Der neue Airport in Schönefeld holte ihn aus dem Architektenolymp. Als am 8. Mai 2012 die für Juni anstehende BER-Eröffnung abgeblasen wurde, wurde nicht nur Technik-Chef Körtgen, sondern auch das Generalplaner-Team um von Gerkan vom Aufsichtsrat in die Wüste geschickt – und von der Flughafengesellschaft wegen angeblicher Fehlplanung verklagt.

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Pieper, Körtgen, von Gerkan, Schwarz, Amann – die Reihe derjenigen, die am Flughafenprojekt gescheitert sind, ist lang. Doch der Letzte auf der Abschussliste landet weich: Horst Amann behält sein Gehalt, das er als Geschäftsführer Technik bekommen hat, wird in eine Tochtergesellschaft des Flughafens abgeschoben, die sich ausgerechnet mit dem Entsorgungssystem des Airports befasst.

RAINER SCHWARZ: Als Flughafen-Chef ohne Fehl und Tadel wurde Rainer Schwarz lange gesehen. Der Mann aus dem Ruhrpott brachte Erfahrungen von den Flughäfen München, Nürnberg und Düsseldorf mit, als er 2005 als Nachfolger von Dieter Johannsen-Roth die Geschicke in Schönefeld lenken sollte. Die verpatzte BER-Eröffnung 2012 war der vorerst dunkelste Tag seiner Karriere. Doch es kam noch dicker: Im Januar 2013 wurde Schwarz beurlaubt, im Juni flog er raus – und klagte auf Fortzahlung seines Gehalts bis 2016.

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Es ist das Ende eines Duells zweier Alphatiere, in dem der Flughafen-Aufsichtsrat am Mittwochabend nach zwölfstündiger Beratung ein Machtwort gesprochen hat. Hartmut Mehdorn als Vorsitzender der Geschäftsführung gegen den Technik-Geschäftsführer. Durch den Hinterausgang verschwand schließlich der einstige Hoffnungsträger Amann in die Nacht. Nur 15 Monate hat sich der Hesse als vermeintlicher Flughafenheiler gehalten, der zuletzt in Frankfurt am Main den Bau der vierten Startbahn organisiert hatte und eigentlich als kompromisslos und durchsetzungsstark galt. Doch im September 2012 hatte Amann angekündigt, dass der BER am 27. Oktober 2013 startet – um das vier Wochen später wieder zurückzunehmen. „Wir waren schon enttäuscht“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Mittwoch. Ausgerechnet jener Politiker also, der Anfang des Jahres nach ständigen Bauverzögerungen seinen Posten als Aufsichtssratschef für Matthias Platzeck (SPD) räumte. Seit dessen Rücktritt als Ministerpräsident leitet Wowereit wieder kommissarisch das Kontrollgremium – und verkündete den Abflug Amanns in die Ver- und Entsorgungsgesellschaft der Flughäfen.

KLAUS WOWEREIT: Auch für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wurde der Flughafen zum Postenkiller. Anfang des Jahres gab Wowereit wegen der erneuten Verzögerung beim Airport den Aufsichtsratsvorsitz der Flughafengesellschaft an Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ab. Nach dessen Rücktritt übernahm Wowereit wieder – kommissarisch. Einen Rücktritt vom Amt des Regierenden Bürgermeisters, wie ihn die Grünen forderten, lehnte Wowereit damals ab.

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Nun ist Hartmut Mehdorn quasi Alleinherrscher auf Deutschlands meist verspotteter Dauerbaustelle. Amanns Posten wird nicht neu besetzt, die Aufgaben zwischen Mehdorn und Finanzchefin Heike Fölster werden aufgeteilt. In „gegenseitigem Einvernehmen“ sei die Trennung erfolgt, so Wowereit. Dabei hätte Mehdorn Amann gern ganz vom Airport verbannt. Die beiden Manager waren sich nie grün. Menschlich soll es zwischen beiden nicht gestimmt haben, auch inhaltlich gab es Differenzen: Während Mehdorn für einen Teilstart des BER plädierte, wollte Amann erst alle 60.000 Mängel im Terminal erfassen. Nun sind alle Augen auf den Ex-Air-Berlin-Chef gerichtet. „Man kann darauf warten, wann der nächste fliegt“, sagt Brandenburgs Grünen-Fraktionschef Axel Vogel. Da bliebe dann ja nur noch Mehdorn.

Von Marion Kaufmann

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Nach monatelangem Führungsstreit am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) greift der Aufsichtsrat durch. Nach einer stundenlangen Beratung wurde beschlossen, dass Technik-Chef Horst Amann seinen Posten als Geschäftsführer verliert - aber so ganz geht er dann doch nicht.

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