Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° Schneeregen

Navigation:
Schlittenhunde streifen durch Brandenburgs Wälder

1. Internationales Schlittenhunderennen in Klaistow Schlittenhunde streifen durch Brandenburgs Wälder

Im Spargelhof Klaistow findet an diesem Wochenende das erste Internationale Schlittenhundrennen Klaistow statt. Rund 400 Schlittenhunde unterschiedlicher Rassen gehen an den Start. Dabei ist auch Europameister Jörg Pohmer, der die Veranstaltung organisiert hat. Seine ganze Freizeit gilt den Hunden.

Voriger Artikel
Kommentar: Ganz sicher sind wir nie
Nächster Artikel
360 Menschen sitzen nach Unfall in Zug fest

Jörg Pohmer ist Europameister im Schlittenhunderennen. Nun misst er sich in Klaistow mit Teams verschiedener Nationen.

Klaistow.  Eigentlich ist Jörg Pohmer ein Hundeflüsterer. Wenn er sich Siberian Huskys nähert, winseln sie vor Freude und schlagen ihre Schwänze aufgeregt von links nach rechts. Er kniet sich zu ihnen auf den Boden und es dauert nicht lange, da schnellt die erste Zunge über seine Wange. Der 49-Jährige aus Borkwalde (Potsdam-Mittelmark) kommuniziert mit den Tieren. „Das geschieht über Sprache, Blickkontakte und über den Geist, das ist die hohe Kunst“, sagt er. Pohmer ist Schlittenhundfahrer und amtierender Europameister auf der Langdistanz von 120 Kilometern.

Im Spargelhof Klaistow rennen die Schlittenhunde um die Wette

Er organisiert mit seinem Verein „Miakoda Huskys“ das 1. Internationale Schlittenhunderennen auf dem Spargelhof in Klaistow (Potsdam-Mittelmark). 400 Schlittenhunde unterschiedlicher Rassen starten in verschiedenen Disziplinen an zwei Wettkampftagen mit ihren Mushern. Musher sind die Schlittenhundeführer und einige der Besten sind aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Tschechien nach Brandenburg gereist. Vor Ort messen sich die Teams in Schnelligkeit, Stärke und Ausdauer. „Es ist die Chance für uns etwas Einmaliges in die Region zu holen“, sagt Maika Ziehl vom Spargelhof und hofft auf mehrere Tausend Besucher.

Schlittenhunde sehen das Rennen als Spiel an

Schlittenhunde sehen das Rennen als Spiel an. Sie benötigen Temperaturen unter 16 Grad, um sich richtig austoben zu können.

Quelle: Julian Stähle

Jörg Pohmer liebt die Natur. „Ich bin ein Outdoor-Typ“, sagt er. Draußen mit seinen Hunden bekommt er den Kopf frei, wie er sagt, kann ausbrechen aus dem Alltag. Seine Freizeit widmet er den Tieren. Mehrere Tausend Kilometer laufen sie von September an, bevor es zu Wettkämpfen geht. Im Sommer ist es für die Tiere zu warm.

Andere Hunde müssen Zuhause bleiben

Samstag und Sonntag messen sich die Teams und Hunde ab 10 Uhr auf fünf Wettkampfstrecken von einem bis 21 Kilometer Länge.

Zuschauer können auf einem Gespann mitfahren, es gibt ein Pick-up-Ziehen und einen „Musherabend“ mit Livemusik.

Fremde Haustiere müssen aus Sicherheitsgründen zu Hause bleiben.

„Schlaf ist der größte Feind“

Schlittenhunderennen sind Teamarbeit. Wenn Pohmer von seinem Team spricht, sind neben seiner Familie und Vereinsmitgliedern auch seine Tiere gemeint. Die Siberian Huskys sind winterfest in Schnee, Eis und extremer Kälte. Sie besitzen die Mentalität von Marathonläufern. Oberste Prämisse in der Arbeit mit Schlittenhunden ist der persönliche Bezug, erzählt Pohmer. „Wenn ich in den Bergen bin, dann sind da nur meine Tiere und ich. Je stärker unsere Bindung ist, desto mehr sind sie bereit, in extremen Situationen alles zu geben.“ Extreme Situationen gibt es, wenn er bei den größten Rennen, die in Mitteleuropa gefahren werden, antritt. Manchmal führen die Strecken 600 Kilometer durch die Wildnis in Skandinavien über Buckelpisten und Schnee, so tief, dass der weit über die Knie hinausreicht. Dabei steht Pohmer nicht nur auf dem Schlitten, sondern muss bei Steigungen schon einmal kilometerweit bei minus 35 Grad hinter Schlitten und Hunden laufen. Von 220 Kilometern mache man nicht selten 100 mit, erklärt er. „Dabei ist der Schlaf der größte Feind.“ In drei Tagen kommt er auf gut acht Stunden.

Es mangelt es an Schnee, deshalb fahren Musher wie Gerald Schinzel  auf Wagen mit Rädern

Es mangelt es an Schnee, deshalb fahren Musher wie Gerald Schinzel auf Wagen mit Rädern.

Quelle: Julian Stähle

In Brandenburg kann dieser Tage mit Schnee nicht gerechnet werden. Deshalb fahren die Musher auf der Wettbewerbsstrecke mit einem speziellen Wagen, der auf Rädern steht, entlang der Wiesen und Wälder. „Wir haben in Brandenburg große, zusammenhängende Waldgebiete und ein Waldgesetz, in dem Schlittenhundgespanne Fuhrwerken gleichgesetzt sind“, sagt Pohmer. Deshalb bedarf es keiner gesonderten Genehmigung.

Huskys sind wie verschmuste Katzen

Gerald Schinzel (59) ist auf dem Gefährt geübt. Der Österreicher nutzt das Rennen in Klaistow als Vorbereitung seiner Tiere auf die im Winter anstehenden Rennen. 22 Jahre arbeitet er mit seinen Huskys, die Verbindung zu ihnen sei in dem Sport einmalig. „Sie sind so anhänglich wie verschmuste Katzen, bringen im Sport aber volle Leistung“, sagt er. Das erste Mal sei er in Brandenburg – und ein bisschen sei das wie Urlaub. So, wie alle Rennen. Denn dafür spart sich der Versicherungsexperte seine freien Tage im Arbeitsalltag auf.

Gerald Schinzel aus Österreich tritt in Klaistow mit seinen Sibirischen Huskys an

Gerald Schinzel aus Österreich tritt in Klaistow mit seinen Sibirischen Huskys an.

Quelle: Julian Stähle

Jörg Pohmer streichelt noch einmal über das weiche Fell eines Huskys mit einem braunen und einem hellblauen, fast weißen Auge. Dann klingelt sein Handy. Als Organisator des Schlittenhundrennens ist er gefragt. Zeit bleibt kaum. Wenn er an diesem Wochenende auf dem Schlitten mit Rädern steht und vor ihm seine Hunde eingespannt sind, kann er wieder loslassen und eins mit ihnen und der Natur werden – begleitet vom Jubel an der Strecke.

Von Christin Iffert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Heiligabend fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Sollten die Geschäfte trotzdem öffnen?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg