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Schlossherren dringend gesucht

Denkmalschutz Schlossherren dringend gesucht

Viele Schlösser in Brandenburg erstrahlen wieder in altem Glanz – doch was mit ihnen in der Zukunft passiert, ist dennoch unklar. Wer kümmert sich künftig um die ehemaligen Adelssitze? In einigen Kommunen wächst die Sorge, dass sie zur Last werden, die angesichts klammer Kassen nicht zu tragen sind.

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Schloss Altdöbern ist zwar aus dem Dornröschenschlaf erwacht – aber trotz Sanierung mit Millionenaufwand ist ein zahlungskräftiger Nutzer für die Barockanlage nicht in Sicht.

Quelle: dpa

Potsdam. Millionen wurden investiert und alte Gemäuer vor dem Verfall gerettet: Märkische Schlösser, die nun wieder im alten Ganz erstrahlen, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Nach 25 Jahren Einsatz in Brandenburg ordnet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ihr Engagement zwischen Prignitz und Lausitz neu. Die Stiftung will sich aus der 1992 gegründeten Brandenburgischen Schlösser GmbH (BSG) zurückziehen. „Was wir uns vorgenommen hatten, ist erreicht“, sagt Stiftungssprecherin Ursula Schirmer. 18 Schlösser und Herrenhäuser wurden gesichert und zum großen Teil saniert. Zehn davon befinden sich im Eigentum der BSG und werden von ihr verwaltet – alle weniger bekannt als Sanssouci oder andere Stätten des Preußischen Kulturerbes, aber dennoch regionale Kleinode. Insgesamt 90 Millionen Euro flossen bislang in Gebäude und Parkanlagen.

Seit Mai verhandelt die Denkmalschutzstiftung mit den Ministerien für Kultur und Finanzen über eine Auflösung ihrer Schlösser-Tochter BSG. Das nächste Treffen ist Anfang Dezember geplant. „Wir wollen, dass die Gebäude erhalten werden und keine Notfälle schaffen. Aber die Zuständigkeiten müssen neu geordnet werden“, so Schirmer. Denkmalschützer beklagen seit Längerem die einseitige Verteilung der Sanierungskosten. 95 Prozent kommen aus der Stiftung und nur fünf Prozent vom Land. Vor zwölf Jahren hatte Brandenburg seinen anfangs 50-prozentigen Anteil massiv gekürzt.

Laut Kulturministerium gibt es noch keine Entscheidung, wie mit dem Besitz verfahren werden soll. „Niemand will, dass das den Bach runtergeht. Ob eine Paketlösung oder der Verkauf einzelner Häuser möglich sind, ist offen“, so Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Das Finanzministerium sei sich bewusst, dass auch jene Anlagen, die nicht zum Bestand der Preußischen Schlösser und Gärten zählten, kulturelles Erbe darstellten, sagt Sprecherin Ingrid Mattern.

Land hat viele Schlösser

Mehr als 500 Schlösser und Herrenhäuser gibt es in Brandenburg. Etwa zwei Drittel davon sind saniert, 18 durch die Brandenburgische Schlösser GmbH (BSG). Zehn befinden sich in ihrem Besitz.

Die gemeinnützige Schlösser GmbH als Auffanggesellschaft für marode Adelssitze war eine Idee von Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und ist bundesweit einmalig.

In den ersten zehn Jahren haben sich BSG und Land die Kosten von jährlich fünf  Millionen Euro geteilt. Dann finanzierte das Land nur noch fünf Prozent.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist eine Privatinitiative und hat ihren Sitz in Bonn. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Zu einem finanziellen Engagement des Landes will sich in der Landesregierung derzeit keiner äußern. Gerade wurde beschlossen, zu Beginn des nächsten Jahres eine neue öffentlich-rechtliche Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz zu gründen und den Landesanteil von 485.000 Euro auf zwei Millionen Euro zu erhöhen. Man hofft, mit dem Areal, in das bislang 30 Millionen Euro von Bund, Land, EU und Stadt Cottbus flossen, mittelfristig auf einen Welterbestatus.

Die Auflösung der Schlösser GmbH kommt nicht nur zu einem ungünstigen Zeitpunkt, er birgt auch finanzielle Risiken, denn die sanierten Gebäude benötigen viel Geld zur Werterhaltung. Im Oktober hatte das Land noch einmal neun Millionen Euro aus dem sogenannten SED-Vermögen für die Schlösser bereitgestellt. Aus dem Topf war das aber die letzte Tranche.

Schloss Großkmehlen im äußersten Süden Brandenburgs

Schloss Großkmehlen im äußersten Süden Brandenburgs.

Quelle: Radler59

In den Kommunen wächst die Sorge, dass die aufgemöbelten Adelssitze zur Last werden, die angesichts klammer Kassen nicht zu tragen sind. Deshalb fordern der Landrat von Oberspreewald-Lausitz, Sigurd Heinze, sowie die Amtsdirektoren von Altdöbern und Ort­rand, Detlef Höhl und Kersten Sickert, in einem Brief an Kulturministerin Martina Münch (SPD) die Einbeziehung in die laufenden Gespräche. Sie sorgen sich um die Schlösser Altdöbern und Großkmehlen (Gemeinde Ortrand). Beide gehören der Stiftungstochter BSG.

Das Barockensemble Altdöbern ist weitgehend saniert, steht aber leer. Im Wasserschloss Großkmehlen hat die Gemeinde drei Räume für Vereine, Kulturevents und Hochzeiten gemietet. Eine Nutzung, die die dreigeschossige Anlage dauerhaft trägt, ist nicht in Sicht. Die Hoffnung auf ein Luxus-Hotel wie im Schloss Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) gilt als aussichtslos. Dafür fehlt in der Region die zahlungskräftige Klientel und wer das nahe Dresden besucht, findet dort genug Herbergen der gehobenen Preisklasse.

Das Wasserschloss in dem kleinen südbrandenburgischen Ort Fürstlich Drehna

Das Wasserschloss in dem kleinen südbrandenburgischen Ort Fürstlich Drehna

Quelle: dpa-Archivbild

Aus Sicht von Ingo Senftleben, Chef der CDU-Fraktion im Landtag und in Ortrand zu Hause, ist es unverzichtbar, dass das Land Verantwortung für die sanierten Schlösser übernimmt. „Die unterfinanzierten Kommunen sind dazu nicht in der Lage, sie können allenfalls einen Beitrag leisten. Träumereien von Wellness-Hotels bringen uns nicht weiter“, so Senftleben.

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Von Volkmar Krause

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