Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Schönefeld fürchtet Verkehr nach BER-Start

Teurer Ausbau von Straßen Schönefeld fürchtet Verkehr nach BER-Start

Schönefeld wächst rasant, seine Einnahmen sprudeln, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Der Hauptmotor dafür liegt in seiner Mitte. Und dennoch oder gerade deshalb bräuchte die Flughafen-Region mehr Geld, findet Schönefelds Bürgermeister.

Voriger Artikel
Hebammen in Brandenburg schlagen Alarm
Nächster Artikel
Toter in Badesee wohl kein Gewaltopfer

Blick auf den zukünftigen Flughafen Willy Brandt in Schönefeld.

Quelle: Bernd Settnik

Schönefeld. Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) fordert mehr Geld für den Ausbau von Straßen und Gewerbegebieten in der Flughafen-Region. “Denn wenn der Flughafen richtig an den Start geht, wird hier enorm viel Verkehr entstehen“, sagte Haase. Seine Gemeinde müsse jährlich 30 Millionen Euro an das Land abführen. “Wir plädieren daher seit Jahren - vergeblich - dafür, dass das Land dieses Geld nicht unter den Kommunen in Brandenburg verkleckert, sondern in diese Region im Flughafen-Umfeld investiert.“ Haase rechnet mit einer Verdoppelung der Einwohnerzahl auf bis zu 35 000 in den nächsten 15 bis 20 Jahren.

Die Gemeinde Schönefeld

Die Gemeinde Schönefeld (Landkreis Dahme-Spreewald) am südöstlichen Stadtrand Berlins erstreckt sich über knapp 83 Quadratkilometer und hat rund 15 000 Einwohner. Seit der Gemeindegebietsreform 2003 besteht sie aus sechs Ortsteilen: Großziethen, Kiekebusch, Schönefeld, Selchow, Waltersdorf und Waßmannsdorf. Zusammen mit Königs Wusterhausen und Wildau bildet die Kommune den vom Land Brandenburg besonders geförderten Regionalen Wachstumskern “Schönefelder Kreuz“.

Berliner Nachbarbezirke sind Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Treptow-Köpenick. Der Flächennutzungsplan legt drei Kernbereiche für die weitere Entwicklung fest: Wohnen (Großziethen), Gewerbe (Waltersdorf) sowie Wohnen und Gewerbe (Schönefeld).

Bereits 1934/35 wurde Schönefeld Flughafen-Standort, als die Henschel Flugzeugwerke ihre Produktion dorthin verlegten. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand daraus der Zentralflughafen der DDR. 2006 erfolgte der Spatenstich zum Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER, der nach immer neuen Verzögerungen jetzt Ende 2017 eröffnet werden soll. Aber sicher ist das nicht.

Das Postverteilungszentrum in Schönefeld

Das Postverteilungszentrum in Schönefeld.

Quelle: Bernd Settnik

Flughafen als Motor der Region

Die Bodenrichtwerte für den Erwerb von Grundstücken lagen Ende 2015 für die begehrte, unmittelbar an Berlin-Neukölln grenzende Siedlung Großziethen-Gartenstadt bei 240 Euro, für Kiekebusch bei 20 Euro pro Quadratmeter: Zwei Pole der Speckgürtel-Gemeinde Schönefeld am Südostrand der Bundeshauptstadt, von denen es mehr gibt, wie schon ein Blick auf die Landkarte zeigt.

Fast kreisförmig liegen ihre sechs Ortsteile um das etwa 2000 Fußballfelder große Flughafenareal verstreut; dazwischen erstrecken sich Äcker, Wiesen und Wälder. Erst die Gemeindegebietsreform von 2003 verschmolz die Satelliten zu einer Kommune: außer Großziethen und Kiekebusch sind das die Ortsteile Schönefeld, Selchow, Waltersdorf und Waßmannsdorf. Maßgeblicher Motor für deren Entwicklung war und ist der Flughafen - sowohl der seit DDR-Zeiten bestehende als auch allen Rückschlägen zum Trotz der neue Hauptstadt-Airport BER, dessen Eröffnung aussteht.

“Fliegen gehört zur Region“, stellte der Landrat des prosperierenden Landkreises Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD) fest, als er vor gut einem Jahr den Spatenstich für den Bau eines Windkanals vornahm. Die Tradition hatten die Henschel-Flugzeugwerke begründet, als sie 1934 ihre Produktion nach Schönefeld verlegten. Aus den Anfängen entwickelte sich der spätere Zentralflughafen der DDR. Seit 1992 ist Schönefeld wieder Gastgeber der alle zwei Jahre stattfindenden Luftfahrtausstellung ILA.

Volle Auslastung in Kitas und Krippen

“Wir sind die Gemeinde dieses Landkreises, welche das größte Wachstum aufweist und die sich das Ziel gesetzt hat, die Zahl der Bevölkerung in den nächsten Jahren zu verdoppeln“, schrieb Bürgermeister Udo Haase (parteilos) jüngst im Gemeindeanzeiger. Bei derzeit rund 15 500 Einwohnern wären das einmal mehr als 30 000 - die Größe einer Kleinstadt.

Schönefelds Bürgermeister Udo Haase

Schönefelds Bürgermeister Udo Haase.

Quelle: Bernd Settnik

Kitas, Krippen und Horte werden nach Einschätzung von Haase in den kommenden Jahren voll ausgelastet sein, Grundstückspreise und die Nachfrage nach Bauland besonders in Flughafennähe rasant steigen. An der Zerrissenheit der Kommune dürfte das alles wenig ändern und ihre Suche nach Identität wird weitergehen.

Nur wenige andere Gemeindeoberhäupter in Brandenburg dürften in ihrer Amtszeit für Neubauprojekte mehr Spatenstiche gesetzt, Grundsteine gelegt und Bänder durchschnitten haben. Schon bevor Haase 2003 Bürgermeister wurde, war er sechs Jahre Amtsdirektor im damaligen Amt Schönefeld.

Schuldenfrei, aber nicht reich

Vor allem dank des Flughafenbaus konnte er im Januar 2008 vermelden, dass Schönefeld schuldenfrei sei. Gleichzeitig stapelt er heute tief: “Wir sind sicher keine reiche Gemeinde.“ Wegen der hohen Abgaben an Kreis und Land müsse Schönefeld derzeit sogar auf seine Rücklagen zurückgreifen.

Das Wappen der Gemeinde zeigt eine Windrose - einen Knotenpunkt des Straßen-, Schienen- und Luftverkehrs symbolisierend. Die strategisch günstige Lage der Kommune bestimmt seit langem ihr Wohl und Wehe. Zum Wohl soll möglichst bald eine neue Verbindung hinzukommen - vorausgesetzt der große Nachbar spielt mit: die Verlängerung der U-Bahnlinie 7 von Berlin-Rudow zum BER.

Von Klaus Peters / Ronald Bahlburg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg