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Schrille Stimme im Streit deutet Trennung an

Moderne Psychologie Schrille Stimme im Streit deutet Trennung an

Kurt Hahlweg hat seit 40 Jahren mit Paaren zu tun. Auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Potsdam präsentierte er bahnbrechende Forschungsergebnisse über den Zusammenhang von hoher Stimmfrequenz bei Frauen im Streit und der baldigen Trennung eines Paares. Viel Videomaterial harrt noch der Auswertung.

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Quelle: dpa

Potsdam. Wenn sie mit ihm streitet und ihre Stimme schrill nach oben schießt, ist Vorsicht geboten! In knapp einem Drittel der Fälle läuft das auf eine Scheidung hinaus. Das sagt nicht der neue „Brigitte“-Ratgeber, sondern der gestandene Professor für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik der Technischen Universität Braunschweig, Kurt Hahlweg. Die sensationellen Ergebnisse einer Langzeitstudie über Paarverhalten stellte der emeritierte Psychologe in Potsdam beim noch bis Sonnabend andauernden Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vor.

„Beziehung und Gesundheit“ heißt die aktuelle Tagung – und die aus aller Welt angereisten Psychosomatiker bestätigten an den vergangenen drei Tagen auf dem Unicampus Griebnitzsee, was der Volksmund längst weiß: dass Beziehungen einem buchstäblich an die Nieren gehen können.

Im Falle der streitenden Paare geht der Konflikt vor allem an die Nieren der Männer. Diese schütten beim Streiten noch mehr von dem in den Nebennierenrinden gebildeten Stresshormon Cortisol aus, wenn es schlimm um ihre Beziehung steht. Das Cortisol ist das männliche Pendant zur höheren Stimmfrequenz der Frauen, wie Hahlweg und seine Teamkollegen herausfanden. Allerdings lässt es sich nicht so leicht erkennen, wie die Stimmlage der Frauen.

Wie kam der Professor zu seinen Ergebnissen? Seit knapp 40 Jahren beschäftigt sich Hahlweg mit dem Thema Paartherapie. Anfang der 90er-Jahre nahm er Paare auf, die vor der Kamera ihre Probleme – zum Beispiel die ständigen Kneipenbesuche des Gatten – aushandeln sollten.

„Elf Jahre später hatten sich 32,5 Prozent dieser Paare getrennt.“ Bei der Auswertung des Videomaterials stießen die Forscher auf einen überraschenden Zusammenhang. „Hatten die Frauen eine hohe Variabilität in der Stimmfrequenz, lief das auch auf die Trennung hinaus.“ Bei den Männern stimmten der damals gemessene gestiegene Cortisolspiegel mit den Trennungsraten überein.

„Wir hatten das damals überhaupt nicht geplant“, sagt Hahlweg, um die Bedeutung zu unterstreichen. Erst durch neue Methoden der Stimmanalyse habe man den Zusammenhang zwischen Trennungsrate und Stimmhöhe auf den Videos erkannt. In den Archiven der TU Braunschweig lagere somit ein Schatz, der noch der paartherapeutischen Auswertung harre.



Von Rüdiger Braun

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