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Schüler dürfen Mathe-Abitur nachschreiben

Proteste zeigen Wirkung Schüler dürfen Mathe-Abitur nachschreiben

Nach heftigen Protesten gegen zu schwere Mathe-Aufgaben beim diesjährigen Abitur in Brandenburg zieht das Bildungsministerium Konsequenzen: Rund 6000 Schüler dürfen die Mathe-Prüfung am 12. Juni wiederholen. Mehr als 100 Schüler hatten sich beim Ministerium beschwert.

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Das Mathe-Abitur war in Brandenburg offenbar zu schwer

Quelle: dpa

Potsdam. Nach Pannen mit den Prüfungsfragen können rund 6000 Brandenburger Schüler ihre Abiturprüfungsarbeiten im Fach Mathematik neu schreiben, wenn sie es wollen. Das sei ein Angebot an die Schüler, teilte das Bildungsministerium in Potsdam am Freitag mit. Als Termin für die neue Prüfung wurde der 12. Juni festgelegt.

Massenprotest wegen unlösbarer Aufgaben

Wegen zu schwerer Aufgaben bei der diesjährigen Mathematikprüfung hatte es massenweise Protest gehagelt. Die Prüfungsinhalte seien nicht Bestandteil des Unterrichts gewesen, hatten Schüler geklagt.

Mehr als 100 Abiturienten hatten sich direkt beim Ministerium beschwert. Bis Donnerstagmittag mussten die Schulleiter ans Bildungsministerium zurückmelden, ob der fragliche Stoff – eine Aufgabe zu natürlichen Logarithmus-Funktionen – auch tatsächlich im Unterricht behandelt wurde, wie es der Lehrplan vorsieht.

Zunächst hatte es noch geheißen, dass sich eine Entscheidung über eine Prüfungswiederholung hinziehen könne, weil Schüler- und Lehreraussagen miteinander abgeglichen werden müssten.

137 Schulen nahmen am Zentralabi teil

Die Sorgen und Befürchtungen der Schüler würden ernstgenommen, betonte Bildungsminister Günter Baaske (SPD). Nach den Kritiken befragte das Ministerium Schulen der gymnasialen Oberstufe zum Matheunterricht. Von 137 Befragten, die an dem Zentralabitur teilgenommen hatten, gaben 114 an, den Stoff behandelt zu haben, 23 hatten es nicht. Das Thema gehöre seit August 2014 zum geltenden Rahmenlehrplan und hätte gelehrt werden müssen, hieß es.

Mit den Lehrkräften werde nun besprochen, wie ähnliche Fälle künftig vermieden werden können, sagte Baaske. Wichtig sei, dass jetzt für die Schüler kein Nachteil entstehe.

Alle Brandenburger Schulen erhalten nach den Angaben kommende Woche ein Informationsschreiben und ein Formblatt, mit dem sich interessierte Schüler zum neuen Prüfungstermin anmelden können. Der Prüfungsausschuss der Schulen entscheidet dann über die Zulassung. Die erste Hauptprüfung wird nicht gewertet. Die neuen Aufgaben kommen aus dem Bestand des Landes, der für den offiziellen Nachschreibetermin bereit steht.

Schüler reagieren erleichtert

Schülersprecher Johannes Sven Hänig reagierte erleichtert auf die Entscheidung. „Das ist die richtige Lösung für Brandenburgs Schüler. Niemand wird gezwungen, die Prüfung zu wiederholen, jeder kann selbst entscheiden“, sagte er. „Diese Situation darf sich aber nicht mehr wiederholen“, forderte er. „Wir werden als Schülerrat an dem Thema dranbleiben.“

Gabriele Schölzel, Leiterin des Heinitz-Gymnasiums in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) und Vorsitzende des Brandenburgischen Gymnasialleiterverbandes, wertet die Entscheidung des Ministeriums als Versuch, eine „schülergerechte Lösung“ zu finden. Sie gab jedoch zu Bedenken: „Für die Schüler ist es eine Frage von großer Tragweite, ob sie die Prüfung wiederholen oder nicht. Denn sie wissen ja nicht, wie sie in der Prüfung abgeschnitten haben.“ Schölzel kritisierte, dass das Anforderungsniveau bei der diesjährigen Mathe-Prüfung deutlich höher gewesen sei als in den Vorjahren. Außerdem hätten die Lehrer die Schüler in kürzerer Zeit auf das Abitur vorbereiten müssen als die Kollegen in Berlin. Dort werden Leistungskurse mit fünf Stunden pro Woche, in Brandenburg nur mit vier Stunden unterrichtet.

CDU: „Baaske muss sein Haus in Ordnung bringen“

Der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann sprach von einer „fairen Lösung“, mahnte aber weitere Ursachenforschung an. „Wir haben es mit einem Aufsichtsversagen des Ministeriums zu tun“, sagte er. „Dort müssen jetzt auch die Konsequenzen gezogen werden. Statt jetzt mit dem Finger auf die Schulen zu zeigen, muss Minister Baaske sein Haus in Ordnung bringen.“

Auch die Grünen halten die Lösung für fair. Der Fall mache aber deutlich, dass die Erwartung absoluter Vergleichbarkeit von Abiturnoten eine „Illusion“ ist, weil Schüler von verschiedenen Lehrern immer unterschiedlich vorbereitet sein werden, wie Bildungsexpertin Marie Luise von Halem sagte.

Mehr als 2500 Leser nehmen an Umfrage teil

Auch bei der MAZ haben Leser die Mathe-Prüfung heftig diskutiert. 2650 Leser hatten bis Freitag 11 Uhr über die gewünschten Konsequenzen abgestimmt. Mehr als die Hälfte davon forderte, die Mathe-Prüfung nachzuschreiben.

Von Torsten Gellner

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