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Schweizer Firmen lieben Brandenburg

Wirtschaftsförderung in der Mark Schweizer Firmen lieben Brandenburg

Kein anderes Land produziert in der Region so viel wie die Schweiz. Inzwischen sind es 46 Unternehmen mit Muttersitz in der Schweiz, die sich in Brandenburg angesiedelt haben. Und es sollen noch mehr werden. Denn Brandenburg ist für die Eidgenossen in vielerlei Hinsicht lukrativ.

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Produktionshalle der Firma Swiss Krono in Heiligengrabe, ehemals Kronoply und Kronotex.

Quelle: FOTO: GEISLER

Potsdam. In Brandenburg hat keine Firma aus der Schweiz eine längere Tradition als die Krono-Gruppe. Seit 23 Jahren produziert das Vorzeige-Familienunternehmen in ihrem Werk in Heiligengrabe (Prignitz) Spanplatten und Laminatböden. Erst vor wenigen Tagen verpasste sich die Unternehmensgruppe ein neues Design samt Namen: Swiss Krono. Anlass ist das 50-jährige Bestehen der Gruppe, die ihren Stammsitz im Schweizer Menznau ht. Das neue Logo sei ein stilisiertes „K“ in einem roten Kreis und solle auf die Schweizer Herkunft hinweisen, sagt stolz Geschäftsführer Henrik Hecht. Das Werk in Heiligengrabe – das einzige der Gruppe in Deutschland, von insgesamt acht – ist mit gut 700 Mitarbeitern der größte Schweizer Betrieb in Brandenburg.

Es ist eines von 46 Unternehmen aus der Schweiz, die sich seit dem Ende der DDR 1990 in Brandenburg angesiedelt haben. Der Schweizer Boom ist augenscheinlich: Kein anderes Land produziert in der Region so viel wie die Eidgenossen. 4500 Brandenburger haben inzwischen einen Schweizer Arbeitgeber. Und geht es nach den Wirtschaftsförderern der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) könnten noch mehr Firmen dazukommen. Eine Anzeigenkampagne in der Schweiz („Erfolgreich in der Schweiz – mit einem Standbein im Bundesland Brandenburg“) im vorigen Jahr war offensichtlich erfolgreich. Überdies putzten Brandenburg-Vertreter in der Schweiz systematisch Klinken. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) suchte im Sommer 2015 mit der ZAB-Führung bei einer Tour quer durch die Schweiz Mutterhäuser von Unternehmen auf und warb für Ansiedlungen. „Brandenburg kommt in der Schweiz richtig gut an“, sagt ZAB-Geschäftsführer Steffen Kammradt. Eine Fortsetzung der Kampagne werde geprüft, kündigte er an.

Im vorigen Jahr hatte die Annoncen in Schweizer Zeitungen, in denen Brandenburg Unternehmen anlocken wollte, einige Aufregung ausgelöst. Von einem „Stich ins Herz des Wirtschaftsministers“ sprach damals eine Boulevardzeitung. „Wir werben offensiv, aber nicht aggressiv“, verteidigt sich Kammradt. Es gehe nicht um Abwerbung, aber vielleicht um „ein zweites Standbein“, um Kosten besser auszutarieren.

Nur was zieht Schweizer Firmen scharenweise nach Brandenburg? Es ist einmal die besonders günstige Lage des Landes an den Verkehrsachsen zwischen Ost- und Westeuropa. Im Fall der Prignitzer Firma ist es auch die Nähe zu den Seehäfen an der Ostsee. Brandenburg bietet überdies gut ausgebildete Fachkräfte, betont Kammradt. Auch Investitionsförderung spielt eine Rolle. Hinzu kommt, dass es bei der Ansiedlung keinerlei Sprachbarrieren gibt.

Jüngstes Beispiel ist das Software-Start-Up Enersis, das sich im Europarc Dreilinden bei Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) niederließ. Gründer Thomas Koller will langfristig 150 Arbeitsplätze schaffen und lobte jüngst das Gesamtpaket: günstiges Marktpotenzial, verfügbare Fachleute, Nähe zu Entscheidern in Berlin.

Lukrativ ist Brandenburg für Schweizer Firmen aber auch mit Blick auf die Finanzmärkte. Der im Januar 2015 ausgelöste „Franken-Schock“ – die Schweizerische Nationalbank löste die Wechselkursbindung des Franken zum Euro – sorgt bis heute für Verunsicherung. Durch den starken Franken verteuerten sich schockartig Schweizer Exporte und belasteten den Außenhandel. Besonders betroffen sind Industrie und Tourismus.

Die erste Adresse für die Schweiz ist aber weiterhin Baden-Württemberg. Dort sind etwa 1100 Unternehmen präsent.

Quell- und Exportland

Die Schweiz ist für Brandenburg sowohl wichtiges Quell- wie auch Exportland. Mit 46 Unternehmen hält die Schweiz nach den USA Platz 2 bei den Investitionen in Brandenburg.

Die Schweiz ist auch ein wichtiges Exportland. Im Jahre 2015 exportierten brandenburgische Unternehmen Waren im Wert von rund 318 Millionen Euro in die Schweiz, das ist eine deutliche Steigerung gegenüber 2014 (273 Millionen Euro).

175 Unternehmen aus Brandenburg haben Geschäftskontakte in die Schweiz.

Schweizer Firmen in Brandenburg

Schweizer Firmen in Brandenburg

Quelle: RUMPFF

Schweizer Firmen in Brandenburg

Die größten Firmen aus der Schweiz, die sich seit 1990 in Brandenburg angesiedelt haben:

Krono-Gruppe in Heiligengrabe (Prignitz), Werk zur Holzverarbeitung mit 700 Mitarbeitern (konzernweit 4500)

Biella-Falken in Peitz (Spree-Neiße), Werk für Büro- und Papierartikel mit 270 Arbeitsplätzen (konzernweit 900)

Franke Aquarotter in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), Werk für Armaturen, 220 Arbeitsplätze (konzernweit 9000)

Bertschi in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz), Chemielogistiker und Tankreinigung mit 220 Arbeitsplätzen (konzernweit 2300).

Stadler in Velten, (Oberhavel), Hersteller von Regionalbahntriebzügen mit 140 Arbeitsplätzen (konzernweit 5000)

Enersis in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark), IT-Softwarefirma) mit 139 Arbeitsplätzen.

Uckermärker Milch in Prenzlau (Uckermark), gehört zur Molkereigruppe Hochdorf Holding mit 120 Arbeitsplätzen (konzernweit 360)

Endress-Hauser AG in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark), Messtechnik-Hersteller mit 84 Arbeitsplätzen (konzernweit 13 000).

Von Igor Göldner

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