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Schweizer Presse hetzt gegen Brandenburg

Startups aus Bern bringen Geld in die Mark Schweizer Presse hetzt gegen Brandenburg

Die Schweizer Boulevardpresse schäumt: Brandenburg werbe aggressiv Firmen ab. Von einem „Stich ins Herzen“ schreibt das Boulevardblatt „Blick“. Der Grund: Das Auslandsmarketing Brandenburgs ist erfolgreich. Jüngstes Beispiel: Die innovative Sofwarefirma Enersis siedelt sich in Kleinmachnow an. Sie will Gemeinden und Firmen bei der Energiewende helfen.

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So titelte die Schweizer Boulevardpresse über die Brandenburger Werbetour.:

Quelle: Screenshot

Potsdam. Die Werbetour war erfolgreich, doch das passt nicht jedem: Der Schweizer Boulevardpresse hat die Marketingkampagne der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) in diesem Sommer gar nicht gut gefallen. Mit einer Aquisitionsreise, an der auch Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) teilnahm, und mit Zeitungsannoncen vermarktete sich Brandenburg als Wirtschaftsstandort im Ausland.

Immerhin gehört die Schweiz zu den Top-Five-Investoren in Brandenburg. Seit 1990 haben sich 45 eidgenössische Unternehmen in der Mark niedergelassen – darunter der Parkett-Hersteller Kronotex in Heiligengrabe (700 Mitarbeiter) oder der Sanitärspezialist Franke in Ludwigsfelde (270 Mitarbeiter).

„Stich ins Herz“

Doch die sommerliche Werbetour aber provozierte einen bissigen Artikel der Boulevardzeitung „Blick“: Sie titelte: „Brandenburg wirbt aggressiv um Schweizer Firmen“. Das sei „ein Stich ins Herz“ des Wirtschaftsministers, schrieb „Blick“. Brandenburg erhöhe mit seiner „Inseratekampagne den Druck auf den bereits angeschlagenen Werkplatz Schweiz“, so die Einschätzung der Zeitung.

Aus Brandenburger Sicht war die Tour aber erfolgreich. Das Schweizer Software-Startup Enersis hat sich nun in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) niedergelassen. Unternehmensgründer Thomas Koller hat etwa eine interaktive EEG-Karte entwickelt. Damit kann man sich bis auf Dorfebene genau anzeigen lassen, wo wie viel Energie erzeugt wird – und was sie an EEG-Vergütung einspielt.

Daten von 1,5 Millionen Windrädern und Solarparks gesammelt

Dazu haben die Entwickler mühsam die Daten von 1,5 Millionen Anlagen in Deutschland zusammengetragen. Für Stadtwerke, Firmen oder Energiegenossenschaften sei diese Software hoch interessant, sagt Thomas Koller. Damit ließen sich erneuerbare Energien besser planen, Schwachstellen entdecken und Anlagen effektiver einsetzen. „Es kann auch den Wettbewerb unter den Gemeinden beflügeln“, sagt Koller.

Enersis-Chef Thomas Koller

Enersis-Chef Thomas Koller

Quelle: Gellner

Seit Donnerstag sitzt Thomas Koller mit seiner Firma Enersis im Gewebepark am ehemaligen Grenzübergang Dreilinden in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark). Sieben Millionen Euro will Enersis investieren und in drei Jahren bis zu 80 Arbeitsplätze schaffen.

Schweizer finden Kleinmachnow besser als München

„Wir haben uns in München und Karlsruhe umgeschaut, uns aber für Berlin-Brandenburg entschieden, weil hier eine entsprechende Kultur herrscht, weil hier Fachleute sitzen“, sagt Koller. Mit seinem Unternehmen bietet er Kommunen und Firmen Softwarelösungen an, damit diese besser von den Chancen der Energiewende profitieren können.

Das klingt etwas abstrakt, sagt Koller selbst und präsentiert zum besseren Verständnis ein weiteres Software-Modul, mit dem Schweizer Gemeinden bereits arbeiten. Es zeigt eine Stadt als 3D-Modell, die einzelnen Häuser leuchten in Ampelfarben. Rot bedeutet: überdurchschnittlich hoher Energieverbrauch, grün heißt: sehr effizient und sparsam. „Man sieht so auf einen Blick, wo Energie vergeudet wird. Das ist auch für Unternehmen hochinteressant“, erklärt Koller.

Enersis hofft auf Interesse von märkischen Gemeinden

Diesen Service will Enersis nun in Deutschland anbieten, von Brandenburg aus. „Wichtig ist es für uns zunächst, Pilotgemeinden zu finden, die mit uns kooperieren“, erklärt der Unternehmensgründer. Teuer sei das nicht, meint er: „Wir haben ein Ein-Euro-pro-Einwohner-Modell.“ Eine 5000-Seelen-Gemeinde soll also die Analysesoftware für 5000 Euro nutzen können. Das Geld sei schnell wieder eingespielt, meint Koller, wenn sich dadurch Anlagen effektiver nutzen oder planen lassen.

„Vor vier Monaten haben wir uns in Bern das erste Mal unterhalten, heute haben sie die Koffer ausgepackt, das ist ein tolles Ergebnis“, freut sich Steffen Kammradt, Chef der Zukunftsagentur Brandenburg. Von empörten Pressekommentaren aus der Schweiz will sich Kammradt nicht irritieren lassen. „Wir arbeiten offensiv daran, dass sich noch weitere Schweizer Unternehmen für ein Standbein in Brandenburg entscheiden“, sagt er. „Schweizer Präzision, made in Brandenburg, das macht Sinn.“

Von Torsten Gellner

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