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Schwertransporter bremsen die Polizei aus

MAZ-Exklusiv Schwertransporter bremsen die Polizei aus

Mit Tempo 60 und Blinklicht über die Autobahn zuckeln – als Geleitschutz für Schwerlasttransporte. So verbummeln 20 bis 30 der insgesamt 100 Streifenwagen im Land die Nacht. „Das ist Wahnsinn“, sagt der Chef der Polizeigewerkschaft. Denn: Die Beamten werden eigentlich ganz woanders gebraucht.

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Quelle: Bernd Geske

Potsdam. Jagd auf Wohnungseinbrecher und Autodiebe, Bewachung von Flüchtlingsunterkünften und Demos – die Landespolizei arbeitet am Limit ihrer Belastbarkeit. Trotzdem verbringt nach MAZ-Informationen ein Viertel bis ein Drittel der Beamten die Nachtschicht mit einer denkbar öden sitzenden Tätigkeit: 20 bis 30 der rund 100 pro Nacht in ganz Brandenburg zur Verfügung stehenden Streifenwagen sind als Begleitschutz für Schwerlasttransporte unterwegs – mit je zwei Mann an Bord, stundenlang. Durchschnittlich 50 bis 80 Einsätze je Nacht absolviert die Polizei in diesem Zusammenhang. Bis Ende November waren es bereits 10 000 Einsätze.

Begleitung sollte privatisiert werden

Höhepunkt vor Kurzem: Eine Nacht mit 96 Schwertransporten. So eskortieren die Beamten Teile von Windrädern, Turbinen oder Schiffsschrauben – eine Arbeit, die nach Auffassung von Kritikern und der Logistikbranche Transportunternehmen genauso gut erledigen könnten. „Was wir jede Nacht erleben, ist blanker Wahnsinn“, sagt Andreas Schuster, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Brandenburg. „Diese Aufgabe sollte man dringend privatisieren, damit die Kollegen wieder für wichtigere Dinge Zeit haben.“ Für Interessengruppe „Sozialdemokraten in der Polizei“ (SiP) ergänzt deren Sprecher Norbert Langerwisch: „Die Polizei muss von sachfremden Aufgaben entlastet werden.“ Schwerlasttransporte könnten wie in anderen Bundesländern vom Technischen Hilfswerk begleitet werden.

Immer häufiger fahren die Kolosse in Brandenburg

Tatsächlich ist Brandenburg besonders stark von den nächtlichen Mammutkonvois betroffen. Im Süden des Landes sitzt mit Vestas ein großer Hersteller von Türmen und Rotoren, viele Windparks befinden sich in der Region, außerdem ist die Mark Transitland zu den großen Windkraftfeldern an der Küste. Im Innenministerium und im Polizeipräsidium ist man ebenso wenig begeistert von den nächtlichen Kriechtouren der Streifenwagen vom Spreewald bis an die Elbe. „Die Vollzugsbeamten bräuchten nach unserer Auffassung nicht aufpassen, dass keiner gegen eine Brücke fährt – die Sache ist ein Ärgernis“, sagt Ingo Decker, Sprecher des Innenministeriums. Die „enorme Zunahme solcher Fahrten im Zuge der Energiewende“ habe das Problem in den letzten Jahren verschärft.

Die Logistikunternehmen stehen bereit: „Die Autobahnen bekommen wir zu hundert Prozent abgedeckt ohne die Polizei“, sagt Wolfgang Draaf, Geschäftsführer des Branchenverbands Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten. Das Problem: Eine Regelung müsste bundeseinheitlich getroffen werden. Doch da hakt es. „Die Mühlen mahlen langsam“, heißt es aus dem Innenministerium.

Mehr als 10 000 Einsätze pro Jahr

13001 Einsätze zur Absicherung von Großraum- und Schwertransporten absolvierte Brandenburgs Polizei im Jahr 2014 – der bisherige Höchststand.

10 000 Einsätze wären es in diesem Jahr bereits bis November. In den meisten Fällen erfolgt die Absicherung durch einen Funkwagen. Manchmal ist jedoch der Einsatz weiterer Kräfte nötig, etwa für die Sperrung von Auffahrten.

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Großraumtransport liegt vor, w

Von Ulrich Wangemann

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