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Schwester Agnes macht bundesweit Schule

Erfolgreiches Medizinprojekt Schwester Agnes macht bundesweit Schule

Schwester Agnes macht Schule: Das Modellprojekt „Agnes Zwei“, benannt nach dem DDR-Film mit der Schwalbe fahrendenden Gemeindeschwester, läuft in Brandenburg seit 2011 erfolgreich. Zunächst war sie für Hausbesuche gedacht, inzwischen unterstützt sie Ärzte als Fallmanagerin bei komplexen Krankengeschichten – und soll jetzt bundesweit eingesetzt werden.

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Die Agnes der Zukunft wird nicht mehr auf der Schwalbe fahren, sondern im Büro Maßnahmepläne für Patienten entwickeln.

Quelle: RBB

Potsdam. Schwester Agnes macht Schule – zumindest im Sinne des nach dem DDR-Fernsehfilm benannten Modells, das seit 2011 in Brandenburg unter dem Namen „Agnes Zwei“ erfolgreich läuft. Die umtriebige Krankenschwester und ihre Schwalbe war bereits Vorbild für das Modellprojekt Agnes. Die Weiterentwicklung „Agnes Zwei“ entwickelt sich nun zum Exportschlager: Nach diesem Vorbild sollen demnächst im ganzen Bundesgebiet Fachleute in Abstimmung mit Ärzten die Versorgung chronisch kranker und älterer Patienten sicherstellen. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat auf Initiative und unter maßgeblicher Beteiligung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg eine bundesweit gültige Fortbildung ausgearbeitet.

Künftig sollen Interessenten aus dem ganzen Bundesgebiet den Grundkurs „Fallbegleitung“ und den Aufbaukurs „Versorgungsmanagement“ durchlaufen. Der Kurs „Fallbegleitung“ entspricht fast vollständig der bisherigen Ausbildung „Agnes Zwei“ der Kassenärztlichen Vereinigung in Brandenburg. Die Ausbildung wird auch von der Landesärztekammer Brandenburg übernommen. In den vergangenen fünf Jahren wurden in Brandenburg 123 Helferinnen und ein Helfer nach diesem Typ ausgebildet.

Arbeit vornehmlich im Büro – nicht auf der Schwalbe

„Zum ersten Mal wird damit die Methode des Fallmanagements in der ambulanten Versorgung angewandt“, sagt Rosemarie Bristrup, Leiterin des Bereichs Versorgung und Bevölkerungsmedizin bei der Bundesärztekammer. Das neue Tätigkeitsbild könne man aber nicht mehr mit der auf einer Schwalbe herumdüsenden Schwester Agnes gleichsetzen. „Es geht bei Agnes Zwei heute weniger um Patientenbesuche“, sagt sie. Die Fallmanagerin, die der Bundesärztekammer vorschwebt, arbeitet vornehmlich im Büro, wo sie – oder er – die Pläne für die Versorgung schwieriger Patienten oder Patientengruppen ausarbeitet. „Tatsächlich versuchen wir auch den Namen abzuschaffen“, betont Bistrup. Der sei im Hinblick auf die neuen Fachkräfte nur irreführend und stoße außerdem im Westen oft auch auf Widerstände – denn dort ist die Figur der Schwester Agnes weitgehend unbekannt.

Gedacht für chronisch Kranke

Die ausgebildeten Fallmanager hätten es mit komplexen Krankheitsbildern zu tun, bei denen es nicht mit ein paar Arztbesuchen getan sei. „Es geht dabei um systematische Koordination und Zusammenführung verschiedener Hilfe“, erläutert Bistrup. Statt wie früher üblich Schritt für Schritt und eher zufällig Behandlungsformen zu erkunden, würde konsequent ein langfristiges Maßnahmepaket für den Patienten geschnürt. Helfen will man chronisch Kranken mit breit gefächerten Krankheitsbildern. So erfordern rheumatische Erkrankungen, Fälle von Diabetes Typ 1 oder Krebserkrankungen das Zusammenwirken vieler Fachkräfte und Ärzte. Genau diese Probleme der Koordination und langfristigen Zusammenarbeit sollen die künftigen Case Manager für bestimmte Patienten planen, also managen. Davon verspreche man sich eine bessere Versorgung der Patienten, so Bristrup. Die Ausbildung richte sich an Pflegekräfte, medizinische Fachkräfte und Ärzte selber.

Oft für mehrere Praxen tätig

„Es ist eine Vorleistung, die die Ärzte für ihre Praxis erbringen“, sagt Bristrup. Trotz des in Brandenburg bewährten „Agnes Zwei“-Modells würden die Krankenkassen bisher nicht für das Fallmanagement und den damit verbundenen Aufwand aufkommen. Praxen, die ihre Mitarbeiter zur Fortbildung schickten oder in denen der Arzt diese Weiterbildung selber mache, hätten aber die Chance ihre Versorgung zu verbessern.

„Wir sind mit Agnes zwei sozusagen das Erprobungsland, weil die Probleme hier am drängendsten sind“, sagt der Vorsitzende der KV Brandenburg, Hans-Joachim Helming. „Wir hatten ,Agnes Zwei’ entwickelt, weil die bisherigen Unterstützungsmodelle nicht ausreichen.“ Gerade im ländlichen Raum stellten die ältesten und kränksten Patienten die wenigen Ärzte vor besondere Herausforderungen. Ausgehend vom Schwester-Agnes-Modell habe die märkische Ärzteschaft das Fallmanagement entwickelt, das dem Arzt organisatorische Arbeit abnehmen soll. Agnes-Zwei-Kräfte sind in Brandenburg für Praxen, für Fachärzte, aber auch oft für mehrere Ärzte zugleich tätig.

„Bislang ist das Modell bundesweit einmalig“, sagt Helming. Das Projekt sei auch ein Erfolg, weil Agnes-Zwei-Kräfte die Patienten als Lotse durch das komplexe Gesundheitssystem führten. „Was die Bundesärztekammer angesprochen hat, ist die hohe Qualifikation der Fachkräfte“, sagt Helming. Bedarf gebe es schon in Hessen, Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen.

Von Rüdiger Braun

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