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Brandenburg Lange Wartezeiten für Schwimmkurse in Brandenburg
Brandenburg Lange Wartezeiten für Schwimmkurse in Brandenburg
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00:21 30.06.2018
Kinder können bei privaten Anbietern oder ehrenamtlichen Helfern schwimmen lernen – auch das hängt vom Budget der Eltern ab. Quelle: Tanja M. Marotzke
Potsdam

Familien in Brandenburg müssen derzeit mehrere Jahre warten, wenn sie für ihr Kind einen Platz in einem preiswerten Schwimmkurs bekommen wollen. „Bei uns beträgt die Wartezeit bis zu zwei Jahre“, sagt der technische Leiter Einsatz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Brandenburg, Jens Serbser, auf MAZ-Anfrage. Das große Problem: Es gibt zu wenig Wasserfläche, um ausreichend Kurse anzubieten und ehrenamtliche Vereine müssen hart um die Schwimmbahnen für ihr Training und ihre Kurse kämpfen. „Wir haben Probleme, ausreichend Schwimmbahnen zu kinderfreundlichen Zeiten zu bekommen“ kritisiert der DLRG-Einsatzleiter. So seien Kurse zur Mittags- oder später Abendstunde für Eltern mit kleinen Kindern nicht attraktiv.

Auch bei der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) übersteigt die Nachfrage an Schwimmkursen das Angebot. Die Wartezeiten für Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse liegen hier bei mehr als zwei Jahren, sagt der Wasserwachtreferent Lee-J. Schumann. „Wir haben zu wenig Hallenbäder um den Bedarf zu decken und konkurrieren mit privaten Schwimmschulen um die Bahnenvergabe.“

Kampf um die Bahnen

Der Platz im Wasser ist in den öffentlichen Bädern begrenzt, weil für das Schwimmtraining nur die beiden Randbahnen genutzt werden können. Alle verfügbaren Wasserflächen sind belegt mit Kursen der Bäder und privater Schwimmschulen. Zwar stellen die Bäder den Vereinen und Schulen Flächen zur Verfügung, doch dafür müssen sie vielerorts zahlen. 60 Euro pro Stunde kostet die Bahnmiete nach Angaben von DLRG und Wasserwacht – zu viel für ehrenamtliche Vereine, die mit kostenlosen Plätzen in ihren Kursen auch diejenigen Kinder fördern, die sich sonst keine Schwimmkurse leisten können.

Denn die Schwimmkurse der Vereine sind oft deutlich preisgünstiger als die Angebote kommerzieller Anbieter: Mitglieder der Wasserwacht des DRK zahlen laut Schumann einen Jahresbeitrag von durchschnittlich 25 Euro, darin enthalten ist auch das kostenlose Training für die Kinder. Anders sei es bei den Angeboten privater Schwimmschulen, in denen es zwar vielerorts noch freie Plätze gibt. Dort müssten die Eltern aber mehr zahlen und oftmals mehrere Kurseinheiten buchen, bis das Kind das Jugendschwimmabzeichen erreicht hat. „Viele Familien können sich das nicht leisten.“

Hohe Nichtschwimmerquote unter Grundschülern

Und das führt zu einem großen Problem: Grundschüler aus benachteiligten Familien können deutlich seltener schwimmen. Die DLRG warnt schon seit Jahren davor, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen und auch viele Erwachsene sich nicht sicher über Wasser halten können. Zwar muss der Schwimmunterricht in Brandenburg in der Grundschule stattfinden. Doch als das Land im vergangenen Jahr eine Erhebung vorstellte, dass 1413 Mädchen und Jungen und somit 7,5 Prozent der Fünftklässler im Jahr 2015 nicht oder nicht richtig schwimmen konnten, war die Aufregung groß.

An der hohen Nichtschwimmerquote hat sich aus Sicht der Rettungs-Gesellschaft bis heute nicht viel geändert. „Wir beobachten immer wieder an den Badestellen, dass Kinder und Erwachsene in Brandenburg nicht sicher genug schwimmen können“, sagt Schumann. Auch sollten Eltern das Seepferdchen-Abzeichen nicht überschätzen. „Mit dem Seepferdchen können sich Kinder über Wasser halten, erst mit dem Jugendschwimmabzeichen gelten sie als sichere Schwimmer.

Kinder können auch deshalb immer schlechter schwimmen, weil Bäder geschlossen werden. Die Schüler bräuchten länger, um in ein Schwimmbad zu kommen und müssten auf dem Land oft weit fahren, bis sie in einem Bad ankämen. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele Hallenbäder werden geschlossen und dafür reine Spaßbäder errichtet. Um die hohen Betriebskosten für die Bäder zu sparen, setzen Städte und Gemeinden vermehrt auf die privat betriebenen Spaßbädern. Dort kann keine Schwimmausbildung absolviert werden, weil die Wassertiefe nicht ausreicht.

22 Menschen ertranken 2017 in Brandenburg

Ein weiteres Problem ist die Personalnot: 2400 Rettungsschwimmer gibt es beim DLRG. „Wir haben massive Probleme, Freiwillige zu finden und suchen qualifizierte Trainer für die Schwimmkurse“, sagt Serbser. Er fordert, dass in Brandenburg mehr für Ehrenamtler getan wird. „Aus unserer Sicht muss es eine Anerkennung in Form von Freifahrten im öffentlichen Nahverkehr, Rentenpunkten oder günstigeren Eintrittspreisen im Kino geben.“

Wie sehr die Lebensretter gebraucht werden, zeigt das vergangene Jahr. Laut DLRG sind 2017 mindestens 22 Menschen in Brandenburg ertrunken. Aus Sicht der Retter könnten viele Badeunfälle durch frühzeitigen Schwimmunterricht vermieden werden.

Von Diana Bade

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