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Brandenburg Sechs Jahre Haft für Gullydeckel-Werfer
Brandenburg Sechs Jahre Haft für Gullydeckel-Werfer
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17:48 24.08.2015
Im Landgericht Neuruppin wurde der Gullydeckel-Werfer verurteilt. Quelle: dpa-Zentralbild
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Birkenwerder

Am elften Tag des neu aufgerollten Prozesses gegen Martin S. fiel am Montag vor dem Landgericht Neuruppin das Urteil: Sechs Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Für die Richter stand zweifelsfrei fest, dass Martin S. derjenige war, der am Abend des 22. Oktober 2012 zwei Gullydeckel von der Fußgängerbrücke bei Birkenwerder auf die A 10 geworfen hat. Glücklicherweise kamen keine Menschen zu Schaden. Für diese Tat war der 32-Jährige bereits 2013 zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt worden. Damit war die Staatsanwaltschaft nicht einverstanden gewesen und hatte Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. Deshalb musste noch einmal verhandelt werden.

Angeklagter bestreitet Tat bis zuletzt

Mit immer neuen Anträgen hatte Verteidiger Jens Mader versucht, die Unschuld seines Mandanten zu beweisen. Der hatte bis zuletzt die Tat bestritten. Letztendlich vergeblich. „Wir haben mehrere Indizien, die in der Gesamtschau zeigen, dass Martin S. der Täter ist“, sagte Richter Udo Lechtermann. Was den Angeklagten veranlasst hat, die beiden über 41 Kilogramm schweren Deckel auf die Autobahn zu werfen, darüber konnte das Gericht nur spekulieren. „Er ist ein labiler Mensch mit geringer Intelligenz, der leicht frustriert ist. Möglicherweise wollte er so seinen Frust los werden.“

Dass Martin S. versehentlich, wie von ihm behauptet, in den Gullyschacht gefallen sei, nahm ihm das Gericht nicht ab. „Dagegen spricht so ziemlich alles“, so Lechtermann. Weder die Hosenbeine noch die Schuhe wiesen irgendwelche Spuren auf, noch hatte sich Martin S. Verletzungen bei dem angeblichen Sturz zugezogen.

Gericht glaubt nicht an Zusammenspiel verschiedener Zufälle

„Wir sind an die Grenze der Zumutbarkeit mit der Frage belastet worden, ob der Angeklagte so schwere Gewichte heben kann“, sagte Lechtermann. Er kann, war die Auffassung der Richter. Zum einen sei Martin S. ein kräftiger und großer Mann, zum anderen sei er nicht wegen eines immer wieder in der Verhandlung vorgetragenen Rückenleidens arbeitsunfähig. Das Gericht glaubte nicht an ein Zusammentreffen so vieler Zufälle, dass statt eines anderen unbekannten Täters nun Martin S. verurteilt wurde.

Wie die Staatsanwaltschaft gingen auch die Richter von einem versuchten Mord aus. „Wer Gegenstände auf die Autobahn wirft, weiß, dass er damit Unfälle verursachen kann, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden können.“ Das wusste auch Martin S. , so Lechtermann.

Angeklagter belächelt den Richter

Der war mit der Entscheidung des Gerichts nicht einverstanden. Lautstark bekundete er seinen Unmut oder belächelte die vom Richter vorgetragene Begründung. Bis diesem der Kragen platzte: „Ich habe keine Lust, dass hier zu einer Witzveranstaltung zu machen. Wenn Sie alles so lächerlich finden, kann ich Sie in die Vorführzelle bringen lassen.“ Das wirkte. Martin S. hörte zu. Gegen das Urteil kann er Revision einlegen.

Von Dagmar Simons

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