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Brandenburg Seen trocknen aus – Umweltministerium: Tagebau ist mit schuld
Brandenburg Seen trocknen aus – Umweltministerium: Tagebau ist mit schuld
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20:19 07.12.2017
Pastlingsee: Das Baden war 2015 untersagt worden. Dort sank das Wasser und sorgte für ein Fischsterben. Quelle: dpa
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Potsdam

Zwischen dem Lausitzer Energieunternehmen Leag und dem brandenburgischen Umweltministerium ist ein Streit um den Rückgang des Wasserspiegels in sechs Lausitzer Seen entfacht. „Der Bergbau hat einen Anteil an den erheblichen Wasserverlusten“, sagte Kurt Augustin, Abteilungsleiter für Wasser- und Bodenschutz beim Umweltministerium. Betroffen sind der Pinnower See, Pastlingsee, Großsee, Kleinsee, Schenkendöbener See und der Deulowitzer See. Dort sei der Spiegel teilweise bis zu 1,40 Meter zurückgegangen. Die Seen liegen alle in höchstens 20 Kilometern Entfernung zum Tagebau Jänschwalde.

Der Energiekonzern sieht keine Verbindung zwischen Bergbau und der Austrocknung der Seen. „Aus den uns zur Verfügung stehenden Messdaten und hydrogeologischen Kenntnissen lässt sich kein Zusammenhang zwischen dem Wasserverlust in den Seen und der Grundwasserabsenkung des Tagebaues Jänschwalde ableiten“, teilte der Leiter der Geotechnik bei der Leag, Ingolf Arnold, mit.

400 Millionen Kubikmeter Grundwasser werden abgepumpt

Damit in den Tagebaulöchern die Braunkohle gefördert werden kann, muss das Grundwasser in großen Mengen durch 3000 Filterbrunnen gehoben und abgepumpt werden. In allen Tagebaubetrieben des Unternehmens sind das jährlich rund 400 Millionen Kubikmeter Grundwasser.

Die Feststellung des Umweltministeriums sei überstürzt und entbehre jeglicher fachlicher Grundlage, so die Leag. Das Ministerium wiederum verweist auf die kontinuierlichen Messungen des Wasser- und Bodenschutzes des Landes Brandenburg. „Natürlich spielen bei dem Wasserrückgang viele Faktoren eine Rolle, etwa Verdunstungsraten, Vegetation oder Untergrund. Wie hoch der Anteil des Bergbaus ist, kann noch nicht beziffert werden“, sagt Augustin. Dazu müssen erst Ergebnisse weiterer Messstationen abgewartet werden, die noch vor den Osterferien 2018 vorliegen.

Naturidylle weicht einer Trockenlegung

„Die Lage ist vor Ort dramatisch“, sagt Peter Jeschke (CDU). Der Bürgermeister der Gemeinde Schenkendöbern beobachtet, wie die Seen in seiner Umgebung immer stärker austrocknen. Seit Jahren weise seine Gemeinde auf die Problematik hin. Der 60-Jährige wohnt selbst in Pinnow, hat vor mehr als drei Jahrzehnten am Pinnower See die Schwimmaufsicht übernommen. Die Naturidylle ist ein wirtschaftlich wichtiger Faktor. Ein Hotel und ein Campingplatz liegen am Wasser, außerdem 550 private Bungalows. Viele Stege zum Wasser sind inzwischen trocken gelegt, kleine Inseln haben den See in Wasserkessel geteilt. 1998 hatte das Gewässer noch einen Messwert von 64,6 Meter über dem Meeresspiegel, 2012 waren es 63,9 Meter und Ende 2016 hat die Gemeinde nur noch 63 Meter messen können. „Der Tagebau schreitet weiter Richtung Norden voran und ich fürchte, je näher er rückt, desto weniger Wasser bleibt uns“, sagt der Bürgermeister, dessen Zahlen einen noch stärkeren Verlust dokumentieren, als die des Umweltamtes. Jeschke ist verärgert. „Die Leag weist seit Jahren sämtliche Schuld zurück“, sagt er.

Leag leitet Wasser ein, aber Schuldgeständnis ist das nicht

Damit spielt der Bürgermeister auch auf den Pastlingsee an. 2015 gab es mit dem Wasserrückgang ein großes Fischsterben. Schon von Weitem habe man den Gestank gerochen, erinnert sich Jeschke. Obwohl die Leag auch hier einen Zusammenhang dementiert, leitet sie Wasser in den See ein. „Das ist kein Schuldeingeständnis“, sagt Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Vielmehr achte man auf die Umwelt und würde helfen, sofern man die Möglichkeiten hätte. Laut Umweltministerium wäre die Schuldfrage während des akuten Handlungsbedarfes zunächst zweitrangig gewesen.

Axel Kruschat, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund), sagt: „Tagein- und tagaus wird gepumpt, das bleibt nicht ohne Folgen. Das Unternehmen muss Probleme eingestehen, bisher wurden sie immer dementiert oder heruntergespielt.“ Dichtungswände hätten das Problem der Lausitzer Seen beheben können, wären sie rund um den Tagebau erreichtet worden. Dafür allerdings fehlen im Land die Auflagen. Eine Dichtungswand schützt im Raum Jänschwalde lediglich die Neiße vor dem Abpumpen des Wassers. Langfristig brauche es letztlich einen Ausstieg aus der Braunkohle, so Kruschat.

Grünen fordern unabhängiges Gutachten

Die Grünen im Landtag fordern ein Konzept der Landesregierung, um dem Wasserrückgang entgegenzuwirken. Gleichzeitig müsse es ein unabhängiges Gutachten zum Anteil des Tagebaues geben, um letztlich die Kostenübernahme festlegen zu können, so die Abgeordnete Heide Schinowsky.

Von Christin Iffert

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