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Seeräuber verschachern Wassersportzubehör

Teile landen in Osteuropa Seeräuber verschachern Wassersportzubehör

Die Polizei kann auch mit Beginn der neuen Wassersportsaison keine Entwarnung geben. Der Diebstahl von teurem Bootszubehör wie Motoren hat im Vorjahr in Brandenburg erneut zugenommen. Für die Ermittler ist klar: Hinter den gezielten Raubzügen stecken zumeist organisierte Banden. Die Teile verschwinden zumeist nach Osteuropa.

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Motorboote am Ruppiner See.

Quelle: Geisler

Potsdam. Das wasserreiche Brandenburg zieht nicht nur Sportler und Freizeitkapitäne an: Seen und Flüsse sind auch zunehmend im Visier von Dieben, die es auf Boote und Bootsmotoren abgesehen haben. Das Potsdamer Polizeipräsidium registrierte im vergangenen Jahr landesweit 631 Fälle – neun Prozent mehr als 2014. Beliebt bei Langfingern sind vor allem teures Zubehör und Außenbordmotoren: 343 wurden im Vorjahr gestohlen (2014: 302).

Guido Krüger, Bootsvermieter in Werder (Potsdam-Mittelmark), hat wie andere Kollegen in der Havelregion auch leidvolle Erfahrungen mit Einbrechern gemacht. Sein Anlegeplatz wurde vor fünf Wochen und zuletzt vor zehn Tagen heimgesucht. „Bei zwei Booten wurden Teile und Zubehör ausgebaut, zum Teil auch grob herausgerissen“, so Krüger. Der Schaden belaufe sich auf über 2000 Euro. Diebe seien kaum zu erwischen. „Die kommen nachts oft vom Wasser her an den Steg. Da fährt kein Transporter auf der Straße vor.“ Krüger, der mit einem Kompagnon auch ein Wassersportfachgeschäft betreibt, glaubt sein Unternehmen den Möglichkeiten entsprechend abgesichert zu haben.

Polizeiberichte der vergangenen Wochen

10. Februar: In Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) schrauben Unbekannte einen 4000 Euro teuren Motor (30 PS/Honda) von einem Kajütboot ab.

11. Februar: Diebe holen einen Motor aus einem Bootshaus in Bad Saarow (Oder-Spree). Schaden: 2600 Euro.

21. Februar: In der Nacht stehlen Langfinger die Motoren von zwei Booten, die unter Regenplanen auf einem Grundstück in Erkner (Oder-Spree) liegen. Schaden: 12 000 Euro.

21. Februar: Ebenfalls in Erkner verschwindet ein 50-PS-Bootsmotor (Mercury), bei einem zweiten Motor schaffen es die Diebe nur, Leitungen zu durchtrennen. Schaden: 5000 Euro.

11. bis 13. März: Von zwei Booten, die in Alt Ruppin (Ostprignitz-Ruppin) liegen, werden ein 25-PS-Motor (Yamaha) komplett und ein weiterer Motor zum Teil entfernt. Schaden: 6250 Euro.

22. März: Ein Motor verschwindet aus einer Garage in Schwedt (Uckermark).

„Für die meisten dieser Taten sind ähnlich den Autodiebstählen straff organisierte und professionell vorgehende Banden verantwortlich. Gelegenheitsdiebe sind da selten unterwegs“, sagte der Leiter der Brandenburger Wasserschutzpolizei Jan Müller, am Donnerstag der MAZ. „Es gibt keine Anzeichen für eine Entspannung.“ Europaweiter Schwerpunkt für den organisierten Bootsklau sei Skandinavien, in Deutschland schlügen die Täter hauptsächlich in den Wassersportländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zu. Dort versprechen Tausende Liegeplätze, Marinas und Steganlagen reiche Beute. Das Diebesgut verschwindet nach Osteuropa. An der Ostsee und den Boddengewässern trifft es aber auch vermehrt Fischer, denen, wie jüngst bei Wolgast, die Motoren von den Kähnen abgeschraubt werden.

Die Aufklärungsrate bei diesen Taten sei gering, bedauert Polizeichef Müller. „Die Täter kommen von der Wasserseite, ziehen das Boot raus aufs Wasser, schlachten es dort aus und lassen den Rumpf abtreiben.“ Auf diese Weise würden kaum Spuren zurückbleiben. Problem sei auch, dass die Bootsbesitzer anders als beim Autodiebstahl oft erst nach Tagen oder bei Winterquartieren erst nach Wochen feststellen, dass der Motor oder das ganze Boot verschwunden sei, erläutert der Polizeioberrat die Ausgangslage für die Fahnder. Es gebe auch keinen Brennpunkt, wo schlagkräftige Ermittlungen gegen die Seeräuber ansetzen könnten. „Überall, wo Boote, liegen, muss man mit Diebstählen rechnen.“, so Müller. Die Polizei werde ihre Streifenfahrten zu Wasser und zu Lande nach Möglichkeit ausbauen. Freizeitkapitänen und Bootsverleihern empfahl er, die Motoren codieren zu lassen. Gravuren seien nur schwer zu entfernen. Mehr Sicherheit böten auch Spezialschlösser. Immerhin seien PS-starke Außenbordmotoren einige Tausend Euro wert.

Von Volkmar Krause

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