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Sehr hoher Krankenstand bei Gefängnispersonal

JVA in Brandenburg Sehr hoher Krankenstand bei Gefängnispersonal

Mehr als jeder zweite Vollzugsbeamte in Brandenburgs Gefängnissen ist älter als 50 Jahre. Viele Mitarbeiter sind überlastet. Das hat Folgen – für die Mitarbeiter und für die Häftlinge. In Brandenburg an der Havel müssen Häftlinge offenbar länger in ihren Zellen bleiben.

Viele Mitarbeiter in den Gefängnissen sind überlastet und krank.

Quelle: dpa

Potsdam. Hoher Altersdurchschnitt, hohe Arbeitsbelastung, viele Ausfälle: Der Krankenstand bei Brandenburgs Gefängnispersonal ist sehr hoch. Im Vorjahr waren 16,3 Prozent aller Beschäftigten in den märkischen Haftanstalten länger als ein halbes Jahr krankgemeldet. Das sind fast fünf Prozentpunkte mehr als 2010, wie das Justizministerium auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mitteilte. Abhilfe soll ein Gesundheitsmanagement schaffen.  

  Als Hauptgrund für den hohen Krankenstand gilt die Überlastung der Vollzugsbeamten. Mehr als die Hälfte von ihnen ist älter als 50 Jahre. Der Chef des Brandenburger Landesverbandes der Justizbediensteten (BSBD), Rainer Krone, wirft dem Ministerium vor, Personalabgänge zwischen 2005 und 2009 seien nicht ausgeglichen worden. „Dadurch ist eine Lücke von mindestens 80 Beamten entstanden“, sagte er. Erst ab 2009 sei die Ausbildung von Nachwuchskräften wieder aufgenommen worden, sagte Krone. Bis 2019 scheiden nach den Angaben rund 260 Beamte aus dem Vollzugsdienst aus – höchstens 120 kommen jedoch dazu. Zudem musste das Gefängnispersonal mit Brandenburgs neuem Justizvollzugsgesetz zusätzliche Aufgaben bei der Betreuung von Häftlingen übernehmen, sagte er.

Ursache für hohen Krankenstand soll untersucht werden

Schon 2009 war an der Verwaltungsakademie Berlin ein Gesundheitsprojekt für die Mitarbeiter der Haftanstalt Brandenburg/Havel gestartet worden. Auf andere Gefängnisse ist dies bislang nicht übertragen worden. Nach Angaben des Ministeriums werden nun verschiedene Initiativen in den Anstalten umgesetzt. Dabei geht es um bessere Arbeitsabläufe, Schulungen zur Stressbewältigung sowie Angebote von Sportkursen. Zudem sollen Experten für mehr Arbeitssicherheit sorgen. Im zweiten Halbjahr 2016 ist eine Untersuchung über die genauen Ursachen des hohen Krankenstands geplant.  

BSBD-Landeschef Krone vermisst bei dem Gesundheitskonzept eine ausreichende Finanzierung. „Sowie es Geld kostet, wird es schwierig“, sagte er. Zudem seien viele Vorhaben zeitlich begrenzt. Leider habe das Justizministerium nicht auf Angebote der Krankenkassen zurückgegriffen.

Angriff auf Beamten mit Ketchup-Flasche

Gegenüber der MAZ berichteten vergangene Woche mehrere Insider von einer radikal gestiegenen Arbeitsbelastung der JVA-Bediensteten, die sich auch in dem hohen Krankenstand niederschlage. Die Belastung in der JVA Brandenburg/Havel sei auch deshalb so hoch, weil das Gebäude für Untersuchungshaft mit mehr als 60 Insassen aktuell stark belegt ist.

Hintergrund war der Angriff eines Insassen auf einen Vollzugsbeamten mit einer Ketchup-Flasche. Der Mann wurde durch den Übergriff schwer im Gesicht verletzt. Das Justizministerium bestätigte auf Anfrage, dass der Krankenstand in der JVA Brandenburg/Havel derzeit ansteige. Das hat auch Folgen für die Gefangenen: Sport- und Freizeitangebote hinter Gittern mussten zurückgefahren werden. Der Übergriff auf den Justizvollzugsbeamten wäre jedoch auch mit mehr Personal nicht vermeidbar gewesen, teilte das Ministerium mit.

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