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Senioren am Steuer - Ungeheuer?

MAZ-Leser diskutieren über 65+ Fahrer in Brandenburg Senioren am Steuer - Ungeheuer?

Senioren am Steuer sind in den vergangenen Jahren vermehrt in Unfälle verwickelt worden. Polizeibeamte haben deshalb bei einem Aktionstag die Generation über 65 Jahre ins Visier genommen. Während sich ein MAZ-Leser diskriminiert fühlt, haben andere volles Verständnis - viel zu lange habe es gedauert, bis "Oppa" aus dem Verkehr gezogen wird.

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Quelle: MAZ/Archiv

Brandenburg. Wer kennt sie nicht, diese Situation, in der vor dem eigenen Wagen ein Autofahrer unterwegs ist, der einfach nicht voran kommen will, um die Kurve schleicht und eine gefühlte halbe Stunden zum Anfahren braucht. Zugegeben, für ungeduldige Autofahrer mit Sicherheit Anlass, um mindestens einmal zu denken: „Opa am Steuer“ oder alternativ „Oma am Steuer“.

Da ist sie, die Schublade, weit geöffnet. Sie reiht sich zwischen „Frau am Steuer“ und „BMW-Fahrer sind Raser“ ein. Doch es scheint, als habe die Schublade Fundament bekommen. Denn zumindest die Statistik zeigt, die Anzahl der Vekehrsunfälle, an denen Ältere beteiligt waren, sind innerhalb der letzten acht Jahre um 34 Prozent gestiegen. Alle 52 Minuten verursachen Senioren über 65 Jahre in Brandenburg einen Unfall. Klein Köriser See, Golf von der Straße abgekommen, 78-jährige Fahrerin verletzt, im Krankenhaus. Ludwigsfelde, 79-jährige Radfahrerin missachtet Vorfahrt, Seniorin von Auto erfasst, im Krankenhaus. Vorfahrtfehler, falsches Abbiegen und Fehlverhalten an Kreuzungen sind die Hauptunfallursachen.

Gemeinsam mit Rettungsdiensten, regionalen Verbänden der Verkehrswacht, Apotheken und Optikern hat die Polizei am Donnerstag Senioren zum Thema Straßenverkehr informiert.

Quelle: Andre Braune

Die Polizei hat deshalb am Donnerstag Senioren hinterm Steuer beim zweiten Aktionstag für die Generation 65 Plus ins Visier genommen. Sie sollten nicht nur am Infostand zum Thema Mobilität uind Verkehrssicherheit im Alter beraten, sondern auch verstärkt zur Kontrolle aus dem „Verkehr gezogen“ werden - mit Hinweisen zur Vermeidung von Unfällen. Kreis- und Ortsverbände der Verkehrswacht, Rettungsdienste, Optiker, Apotheker, Fahrschullehrer und weitere Unterstützer hatten sich mit eigenen Angeboten am Präventionstag beteiligt. Wir möchten die Menschen frühzeitig für ein Thema sensibilisieren, welches uns in Zukunft zunehmend beschäftigen wird. Mobilität bedeutet dabei gerade in den ländlichen Regionen Brandenburgs für viele ältere Menschen auch ein Stück Lebensqualität, auf welches sie im Alter nicht verzichten wollen. Wir möchten gern diese Mobilität erhalten und gleichzeitig weniger Verkehrsunfälle, Verletzte und Unfalltote bei den Senioren erreichen", sagte der Leiter der brandenburgischen Verkehrspolizei, Polizeioberrat Ingolf Niesler.

Zahlen und Fakten

  • Von insgesamt 79.129 Verkehrsunfällen im Jahr 2014 waren in 15.055 (+5,1%) Fällen Senioren beteiligt.
  • 1.631 Senioren wurden verletzt und 38 getötet.
  • Die Hauptursachen bei den durch Senioren verursachten Verkehrsunfällen sind Fehler bei Vorrang/Vorfahrt, Abbiegen und Abstand.

Dafür, dagegen, dabei: MAZ-Leser diskutieren

„Na endlich, das wird auch mal Zeit“, schreibt Christian Hübner auf der MAZonline-Facebookseite. Seiner Meinung sind auch andere. „Gute Aktion, wenn man weiß, mit welcher Sehleistung viele ältere Autofahrer unterwegs sind“, schreibt Petra Schmidt. Ganz eigene Erfahrungen hat Rouva Merenneito gemacht: „Ich wurde mal rausgezogen, weil mir 'nen Oppa die Vorfahrt geklaut hat und dabei das Gaspedal nicht fand. Mir wurde dann vorgeworfen, den Sicherheitsabstand nicht eingehalten zu haben.“

Senioren konnten sich beim Aktionstag informieren und auch einen Sehtest machen.

Quelle: Andre Braune

Während auf der Social-Media-Plattform kein Nutzer für die Rentner einsteht, sieht es auf maz-online.de ganz anders aus. MAZ-Leser Volker Rachow fordert: „Lasst Omma und Oppa in Ruhe!“ Man solle sich fragen, warum Senioren überhaupt noch ins Auto steigen. Sie seien „ganz einfach“ darauf angewiesen , etwa um Arzt oder Supermarkt zu erreichen. Diesen Aspekt greift auch der Leiter der polizeilichen Prävention, Peter Urban auf: "Das Recht eines Jeden, bis ins hohe Alter am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, mobil und gesund zu bleiben ist nur gemeinsam zu gewährleisten!“ Die Polizei habe Senioren nicht nur als Verursacher im Blick, betonte er. Vielmehr seien sie auch Opfer und - das sei viel wichtiger - "verlässliche und erfahrene Partner." MAZ-Website-Besucher toskana48 fühlte sich im Vorfeld diskriminiert. Es sei eine „Unverschämtheit“ dass die Polizei eine „Altersgruppe“ mit „fadenscheinigen Argumenten“ auswählt. Ob ihn Peter Urban milde stimmen kann?

Ginge es nach einigen Facebook-Nutzern, sollte es künftig ganz allgemein deutlich mehr Kontrollen geben. Die Rede ist von Brandenburgern, die generell kein Auto fahren könnten, von Rasern, Dränglern und sogar von „Kampfradlern“. Statt Senioren sollten die Beamten für Matthias Frömter künftig öfter Mütter hinterm Steuer kontrollieren. Immer wieder habe er gesehen, dass auf Kindersitze verzichtet wird und der Nachwuchs auf der Rückbank herum hampelt. Er trifft damit den Nerv anderer. Jessica Boulton hat beispielsweise wenig Verständnis für solche Mütter. „Wenn die Eltern ihr Leben aufs Spiel setzen wollen – bitte. Aber die Kinder sollen sie anschnallen“, schreibt sie.

Es ist Diskussion, die keinen Nenner findet. Gehören Senioren hinters Steuer oder nicht? Ja, nein, jein.

Von MAZonline

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