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Brandenburg Senioren haben beim MAZ-Fahrtest die Nase vorn
Brandenburg Senioren haben beim MAZ-Fahrtest die Nase vorn
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13:25 20.02.2017
Bremsen auf regennasser Straße – da kam manch Fahrer ganz schön ins Schwitzen. QUELLE: STÄHLE
Linthe

Der Gurt macht klick, der Motor startet, die Hände umfassen das Lenkrad. „Drei, zwei, eins – los!“, ruft eine Frauenstimme aus dem Funkgerät – das Startsignal für Erwin Jennerjahn, 88, der beherzt aufs Gaspedal tritt. Souverän lotst er seinen Wagen im Slalom an den ersten Hindernissen vorbei, fährt fehlerlos vorwärts und rückwärts in die je zwei Meter breiten Parkbuchten, um sodann auf einer Strecke von 70 Metern durchzustarten. Das Ganze endet in einer Vollbremsung. Der Potsdamer ist zufrieden.

Die Teilnehmer: Hubertus Fischer (79), Erwin Jennerjahn (88), Helmut Jahn (75), Reiner Wright (36), Sabine Oetzel (36) und Stefan Jahn (35). Quelle: Julian Stähle

Jennerjahn gehört an diesem Sonnabend zum „Team 75“ und tritt mit Hubertus Fischer (79) und Helmut Jahn (75) gegen das „Team 35“ an. Weit über hundert Autofahrer hatten sich zur gemeinsamen Fahrprüfung der MAZ und des ADAC angemeldet – am Ende gingen sechs Teilnehmer ins Rennen. Ausgetragen wird der Generationenstreit im Fahrsicherheitszentrum des ADAC in Linthe (Potsdam-Mittelmark).

Fahrtrainerin gibt die Kommandos – und steuert das Wetter

Immer an der Seite der jungen Wilden und alten Hasen: Elke Koenitz, seit 1999 Fahrtrainerin beim ADAC. Bewertet wird nach einem Punktesystem, an einigen Stationen geht es um Zeit, an anderer Stelle ist Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen gefragt. Wer mit dem Auto einen Hinderniskegel umnietet, muss mit einem Abzug von 20 Punkten rechnen.

Fahrtrainerin Elke Koenitz gab über Funk die Kommandos. Quelle: Julian Stähle

Bevor es auf den Parcours geht, geben die Teilnehmer verbal Gas. Da ist Sabine Oetzel, 36, aus Bergholz-Rehbrücke, einzige Frau in der Runde, die nach eigenen Angaben 30 000 Kilometer im Jahr mit ihrem Astra fährt, viel Erfahrung hat und leicht ungeduldig wird, wenn sie im Auto vor sich „einen Hut auf der Ablage“ entdeckt. „Es ist doch auffällig, dass die Älteren sehr langsam fahren“, frotzelt sie.

Langsam, aber sicher?

Hubertus Fischer, 79, aus Groß Kreutz, nimmt den Ball gern auf. Der Rentner hat vor 62 Jahren seine Fahrerlaubnis bekommen, war bereits in „Ländern mit Linksverkehr unterwegs“ und hat nach eigenen Angaben in seinem Autofahrerleben bereits eine Million Kilometer zurückgelegt. „Dass wir langsam fahren, möchte ich so nicht stehen lassen“, sagt der Hobby-Jäger. „Es kann sein, dass die Jüngeren schneller reagieren, aber wir haben mehr Erfahrung.“

Einparken, ohne Hütchenkontakt – eine der Aufgaben. Quelle: Julian Stähle

Und dann ist da noch ein Familienzwist, der hinter den Lenkrädern ausgetragen wird: Stefan Jahn, 35, aus Brandenburg an der Havel und sein Vater Helmut aus Rathenow wollen wissen, wer in der Familie auf der Straße die Nase vorn hat. Erst kürzlich schüttelte der Senior noch den Kopf, als ihn ein junger Fahrer mit seinem Auto in der Kurve überholte: „Wir Älteren fahren einfach viel ruhiger“, sagt er. Das will der Sohn nicht auf sich sitzen lassen, für ihn sind die Jüngeren vorausschauender. „Aber ich lasse mich auch eines Besseren belehren.“ Mitangereist: Der fünfköpfige Familienfanclub – inklusive dem jüngsten Mitglied Alexander Jahn (4), der seinen Papa als Favorit sieht.

Einparken unter Druck: „Das ist sowas von eng“

Es nieselt, der Himmel ist grau. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Straßenkampf. Auf dem Testgelände steigt Sabine Oetzel in ihren Wagen, legt den Sicherheitsgurt an, atmet tief durch, bevor sie startet. „Ich fahre sportlich“, beschreibt sie ihren Fahrstil, und das trifft es ziemlich genau. Es geht flott um die Kurven und bei der Vollbremsung quietschen die Reifen. Beim Rückwärtseinparken pendelt der Kopf vom linken zum rechten Außenspiegel und wieder zurück, die Hände kurbeln wild am Lenkrad. „Das ist sowas von eng“, schimpft sie.

Mit 88 Jahren der älteste Teilnehmer: Erwin Jennerjahn aus Potsdam. Quelle: Julian Stähle

Auch die zweite Station ist brenzlig. Diesmal ist die Straße selber das Hindernis. Damit die Fahrt zur Rutschpartie wird, drückt die Fahrtrainerin – durchweg mit den Teams per Funk verbunden – in der Schaltzentrale die Wettertaste. Die Aufgabe: Die Fahrer sind auf einer glatten Straße unterwegs, mit einer Geschwindigkeit, die sie selber bestimmen müssen. Gefordert ist eine Vollbremsung, bei der die Teams nicht übers Ziel hinausschießen dürfen. Wer die roten Markierungen überquert, bekommt Abzüge. „Die Fahrer sollen in dieser Übung den Bremsweg bei Nässe und Glätte einschätzen“, erklärt Koenitz.

Im echten Leben hätt’s gekracht

Stefan Jahn gibt in seinem BMW Gas, kurz vor dem Ziel quietschen die Reifen und der Wagen kommt erst zwei Meter hinter der Markierung zum Halten. „Das Auto vom Vordermann wäre jetzt zergeigt“, kommentiert Elke Koenitz und gibt das Startsignal für den Nächsten, Jahns Vater.

Die Teilnehmer erhielten eine Urkunde. Quelle: Julian Stähle

Helmut Jahn lässt seinen Renault Kangoo losrollen, einige Meter vor dem Ziel zieht er die Handbremse, was einen dicken Punkteabzug gibt. „Das mit der Vollbremsung üben wir noch“, sagt die Fahrtrainerin. Aus der Erfahrung weiß sie, meist wird zu schwach gebremst. 60 Prozent der Autofahrer würden keine Notbremsung beherrschen. Deshalb rät die ADAC-Fahrexpertin: „Feste draufdrücken, haben Sie keine Angst vor der Vollbremsung!“

Wenn das mal so leicht wäre. Als Nächster schlittert Reiner Wright aus Wusterhausen für das „Team 35“ in seinem Audi über die Fahrbahn. Vollbremsung? Fehlanzeige! Der 36 Jahre alte Brandenburger steigt aus seinem Wagen und schüttelt den Kopf. „Ich hab‘ volle Kanne das Bremspedal durchgetreten und kam nicht zum Stehen.“

Starke Nerven sind gefragt

An der dritten Station des Fahrsicherheitstrainings sind starke Nerven gefragt. Dort üben die Fahrer das Bremsen und Ausweichen auf rutschiger Straße. Das Abfangen eines ausbrechenden Fahrzeugs sei eines der kompliziertesten Manöver im Straßenverkehr, erklärt Elke Koenitz. Wieder spielt sie in der Schaltzentrale Wettergöttin. Wasser spritzt auf den Asphalt. Sie drückt eine zweite Taste, als Hubertus Fischer seinen Subaru startet.

Mit Tempo 41 fährt sein Wagen über eine Platte die sich hebt, der Wagen kommt dadurch ins Schleudern und dreht sich einmal um die eigene Achse. Fischer bleibt cool, steigt unbeschadet aus. Die Fahrtrainerin gibt einen Tipp für das richtige Lenken in brenzligen Situationen: „Fuß vom Gas!“ Denn kommt ein Auto erst ins Schlittern, lenken die Fahrer zu viel. „Zu viel lenken – das kann daneben gehen.“

Der ADAC-Parcours in Linthe. Quelle: Julian Stähle

Und der Sieg ging ganz knapp an...

Einlenken, das ist auch am Ende des Generationen-Wettkampfes gefragt – zumindest im „Team 35“, als Elke Koenitz den Sieger bekannt gibt. „Es war knapp, denn jede Altersgruppe hat ihre Stärken und Schwächen, aber in diesem Wettbewerb haben die Senioren gepunktet.“ Das sehen auch die Jüngeren so. „Die Älteren sind umsichtiger gefahren“, räumt Sabine Oetzel ein. Ihr Teamkollege Reiner Wright hingegen würde sofort mit dem Ältesten mitfahren. „Ich habe Herrn Jennerjahn als sicheren Fahrer kennengelernt.“ Und auch Stefan Jahn ist stolz auf die Ergebnisse von seinem Vater. „Ich habe mir eben Sorgen um ihn gemacht.“ Und wie der Familienzwist ausgegangen ist? War nun Papa oder Opa der König auf der Straße? Für den vierjährigen Alexander ist das nach dem Wettkampf klar: „Beide!“

Von Diana Bade

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