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Seniorenrat beklagt respektloses Heimpersonal

Verletzte Persönlichkeitsrechte in Brandenburg Seniorenrat beklagt respektloses Heimpersonal

Qualifiziertes Personal ist knapp, der wirtschaftliche Druck groß: In Pflegeeinrichtungen kommt es immer öfter zu Mängeln und „Ungehörigkeiten“ durch das Personal. Für den Seniorenrat des Landes Brandenburg ist das aber nicht allein eine Frage des Geldes.

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In vielen Pflegeeinrichtungen kommt es zu Mängeln im Umgang mit den Bewohnern.

Quelle: dpa

Potsdam. In brandenburgischen Pflegeeinrichtungen häufen sich die Beschwerden darüber, dass immer wieder grundlegende Werte wie Würde, Selbstbestimmung, Respekt und Achtung vor den Bewohnern verletzt werden. „Da erlauben sich Pflegekräfte Ungehörigkeiten, die nicht sein dürfen“, mahnt Sieglinde Heppener, Vorsitzende des Seniorenrates des Landes Brandenburg.

Das Landesamt für Soziales und Versorgung (LASV) bestätigt das in seinem aktuellen Bericht zur „Aufsicht für unterstützende Wohnformen“. Zwar sei die Qualität von Betreuung und Infrastruktur grundsätzlich „gut“. Aber zuletzt sei ein „beunruhigender Anstieg der festgestellten Mängel in einigen Prüfdimensionen zu verzeichnen“, heißt es in dem Befund.

Vorausgegangen waren reguläre und anlassbezogene Prüfungen, die zum Teil unangemeldet erfolgten. 2013 und 2014 prüfte das brandenburgische Landesamt 558 Pflegeeinrichtungen und 333 Einrichtungen der Eingliederungshilfe. „Es ist beispielsweise nicht hinzunehmen, dass Pflegekräfte nach dem Anklopfen sofort die Tür öffnen“, sagt Seniorenrats-Chefin Heppener. Der anonymisierte Bericht nennt weitere Probleme, etwa dass mit Bewohnern „oft wie mit Kindern mit hoher unnatürlicher Stimme und entsprechender Wortwahl gesprochen“ werde oder den rauen Umgangston von Pflegekräften in Heimen. Zitate: „Sie sind nicht die Einzige hier im Heim“ oder auch „Ich habe nicht ewig Zeit“. „Im Heim steht die Pflege im Vordergrund, der Mensch dahinter wird nicht gesehen“, erzählt ein Bewohner.

Wirtschaftlicher Druck und der Wettbewerb um Fachpersonal dürfe nicht zulasten der Bewohner gehen, fordert das brandenburgische Gesundheitsministerium. Im Mittelpunkt stehe die Wahrung der Persönlichkeitsrechte, sagt Sprecher Gabriel Hesse. „Die Aufsicht des LASV ist gut und hat sich bewährt. Gefundene Mängel werden umgehend mit den Einrichtungsträgern besprochen und nachkontrolliert.“

Seniorenrats-Chefin Heppener will die Missstände nicht allein auf den Fachkräftemangel und die geringe Bezahlung in der Branche zurückführen. Die Entwicklung steht für die langjährige SPD-Landtagsabgeordnete auch in einem Zusammenhang mit einer allgemeinen gesellschaftlichen Verrohung. „Der Umgangston der Menschen untereinander ist rauer geworden.“

Der Seniorenrat fordert die Träger der Einrichtungen, die sich in dem Spitzenverband Liga der freien Wohlfahrtspflege im Land Brandenburg organisieren, auf, „den Blick zu schärfen und Qualitätsmängel umgehend zu beheben“. Weitere Institutionen wie Altenpflegeschulen, Pflegekassen und der Städte- und Gemeindebund seien ebenfalls in der Pflicht.

Privat- und Intimsphäre, die freie Entfaltung der Persönlichkeit und Unversehrtheit seien „wesentliche Elemente eines selbstbestimmten Lebens und lassen keine Defizite zu“.

Die Liga der freien Wohlfahrtspflege weist die Kritik des Landesseniorenrats mit Einschränkung zurück. Die in dem Verband zusammengeschlossenen gemeinnützigen Betreiber – nämlich die Landesverbände von Diakonisches Werk, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden – seien nicht allein betroffen.

„Bis zu der Hälfte der Einrichtungen werden von privaten Wettbewerbern unserer gemeinnützigen Mitglieder betrieben“, erklärt Liga-Sprecher Martin Matz. „Wie sich Beanstandungen auf die verschiedenen Anbietergruppen verteilen, wäre dann sicher spekulativ.“ Zudem verweist Matz auf die vielen positiven Aspekte des LASV-Berichts. Man hätte sich gewünscht, „dass dies auch vom Seniorenrat gesehen beziehungsweise erwähnt wird“.

Pflegebranche: Wachstum und Personalmangel

1089 Einrichtungen fielen zum Stichtag Ende 2014 in den Zuständigkeitsbereich der Aufsicht für unterstützende Wohnformen. Davon entfielen 565 in den Bereich der Pflege und 524 in den Bereich der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung.

Die Zahl der Einrichtungen nimmt zu. 2013 waren es 1059, im Jahr davor noch 1008.


28.747 Plätze stellten die Pflegeheime bereit.

Der Fachkräftemangel soll sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Laut Studie des Landes wird bis 2030 doppelt so viel Personal benötigt wie bislang, nämlich 54 000 Pflegekräfte. In Brandenburg verdienten Altenpfleger im Jahr 2013 monatlich im Schnitt 1994 Euro brutto. In Berlin waren es fast 300 Euro mehr.

Von Bastian Pauly

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