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Brandenburg Sensationsfund: Baby vor 8400 Jahren bestattet
Brandenburg Sensationsfund: Baby vor 8400 Jahren bestattet
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21:28 11.02.2016
Ockerfarbener Sand bedeckt gemäß uralter Grabriten die sterblichen Überreste des Säuglings. Quelle: dpa
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Berlin

Das Schädelchen ragt aus dem rötlichen Sand heraus, darunter sind die kleinen Knöchel des Halses und der Brust zu erkennen, dann die Beinchen. „Befund 8“ nennen die Archäologen und Anthropologen nüchtern den Leichnam des höchstens ein halbes Jahr alten Kindes. Bestattet wurde es auf dem sogenannten Weinberg bei dem uckermärkischen Ort Groß Fredenwalde.

Das gesamte Kindergrab mit Erde ruht zurzeit in einer Holzkiste an der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin. Warum? Das unbekannte Kind wurde offenbar unter größter Anteilnahme seiner Verwandten vor 8400 Jahren im märkischen Boden bestattet. Auf einen aufwendigen Ritus deutet extra herbeigeschaffter ockerfarbener Sand hin – typisch für Gräber der mittleren Steinzeit. „Befund 8“ ist damit das älteste Säuglingsgrab Deutschlands, wenn nicht ganz Mitteleuropas, und ein Glücksfall für die Wissenschaft.

Fund wird Forschung revolutionieren

Von einem Fund, der die Forschung über die mittlere Steinzeit revolutionieren könnte, spricht der renommierte Prähistoriker Thomas Terberger vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Zusammen mit Kollegen hat er in „Quartär“, dem internationalen Jahrbuch zur Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit, über die im Juli 2014 bei Groß Fredenwalde gemachten Entdeckungen einen Beitrag veröffentlicht. Am Donnerstag zeigte er die Funde erstmals der Öffentlichkeit. Zu ihnen gehört nicht nur das Baby, sondern auch das Grab eines älteren Kindes, das schon einmal geöffnet worden war, sowie der Fund eines stehend bestatteten Mannes. Über Letzteren heißt es im Aufsatz: „Die ungewöhnliche Bestattungsweise ist ohne Parallelen in Mitteleuropa.“ Möglicherweise gäbe es dafür Einflüsse aus dem Osten. Der Aufsatz weist auf das Gräberfeld Olenij Ostrov in Karelien hin.

Die drei Funde sind nicht die ersten bei Groß Fredenwalde. Schon 1962 haben Frühgeschichtler auf dem sogenannten Weinberg eine steinzeitlichen Gräberstätte mit sechs Individuen ausgemacht. Die im Jahr 2012 angefangenen Nachgrabungen geben der Forschung eine neue Richtung. „Es ist ein hochbedeutender Fundplatz, der für die Erforschung der Zeit extrem wichtig ist“, sagt Terberger. Bei den Bestatteten handele es sich um jagende und sammelnde „Ureinwohner Brandenburgs“, die in der Zeit um 5000 vor Christus mit aus Südosten einwandernden Bauern in Berührung kamen. Das Gräberfeld liege genau an einer Grenze, an der Jäger und Sammler den neuen bäuerlichen Lebensformen begegneten. Terberger hält es nicht für ausgeschlossen, dass das gesamte Gräberfeld ein Indiz für beginnende Sesshaftigkeit ist.

Anfänge der Sesshaftigkeit

„Es gab dort kein Dorf, es waren Jäger und Sammler, die ein Areal nutzten“, betont Terberger. Aber die fruchtbare Region mit ihren fischreichen Seen habe in der warmen Klimaperiode vor acht- bis sechstausend Jahren für geradezu paradiesische Bedingungen gesorgt. Die mittelsteinzeitliche Grabstätte deute darauf hin, „dass die hohe Mobilität der Anwohner nicht mehr gegeben war“. Der Ort werde Lücken in der Erforschung der mittleren Steinzeit füllen.

Wichtige Erkenntnisse von dem Säuglingsfund erwartet die An­thropologin Bettina Jungklaus vom Berliner Anthropologie Büro. Die gut erhaltenen Knochen geben nicht nur Aufschlüsse über die Ernährung, sondern enthalten sogar DNA. Bisherige Untersuchungen deuten auf Mangelernährung hin. „Es wurde wohl nicht ausreichend gestillt“, so Jungklaus. DNA-Untersuchungen könnten nicht nur das Geschlecht, sondern auch die Augenfarbe des Kindes klären. Sogar Erkenntnisse über die Hautfarbe der Ureinwohner der Region seien möglich. Gegen Ende 2016 werde man dazu wohl einen Aufsatz veröffentlichen.

Franz Schopper, Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, sagt, dass das gesamte Babygrab im Archäologischen Landesmuseum in Wünsdorf (Teltow-Fläming) präsentiert werde. Es solle auch eine Sonderausstellung zu den Funden und deren Bedeutung geben.

Von Rüdiger Braun

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