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Sicher am Steuer trotz Parkinson-Krankheit

Fahrtests für Parkinson-Kranke Sicher am Steuer trotz Parkinson-Krankheit

Die Hände zittern, der linke Arm wie gelähmt: Parkinson-Kranke sind als aktive Autofahrer stark eingeschränkt. Ob sie noch fahrtauglich sind, wird im Einzelfall entschieden. Bei der Beurteilung helfen kann eine Fahrprobe, die von Fahrlehrern wie Georg Graßhoff aus Berlin angeboten wird. Er ist auf die Schwächen Behinderter im Straßenverkehr spezialisiert.

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Georg Graßhoff bildet in seiner Fahrschule auch körperlich beeinträchtigte Menschen aus.

Quelle: Fröhlich

Potsdam. Mit dem Auto nach Berlin zu fahren, war für die Potsdamerin Kirsten Vesper eine Zeit lang unvorstellbar. Zu groß war ihre Angst, einen Fehler zu machen oder sich selbst und andere in Gefahr zu bringen. Die heute 60-Jährige leidet an Parkinson und ist auf ihr Auto und die Mobilität angewiesen. Im vergangenen Jahr absolvierte sie gemeinsam mit Georg Graßhoff, Fahrlehrer und Inhaber einer integrativen Fahrschule in Berlin, einen speziellen Fahrtest, der sie heute sicherer sein lässt.

Die Hände zittern, eine Körperhälfte ist nahezu völlig taub, die Medikamente machen müde. Parkinson-Kranke sind als Autofahrer teils stark eingeschränkt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie weist in einer Mitteilung darauf hin, dass über die Fahreignung immer im Einzelfall entschieden werden muss. Allgemein gültige Richtlinien gebe es nicht und erster Ansprechpartner sei immer der behandelnde Arzt. Georg Graßhoff, der Fahrproben mit Parkinson-Kranken durchführt, entscheidet nie allein, ob der Führerschein entzogen wird. Im Gegenteil: Er unterliegt einer Schweigepflicht. „Alles, was im Auto gesagt wird und passiert, bleibt auch im Auto“, sagt der 61-Jährige. Das sei wichtig für das Vertrauen zwischen ihm und dem Betroffenen. „Die meisten sind vorher schon sehr aufgeregt, weil sie fürchten, ihre Fahrerlaubnis zu verlieren. Die Schweigepflicht nimmt ihnen die Angst.“

Mit dem Auto sicher in die Hauptstadt

Kirsten Vesper ist im Alltag viel unterwegs. Zur Arbeit fährt sie von Potsdam nach Teltow (Potsdam-Mittelmark), hinzu kommen die Treffen der Selbsthilfegruppen des Regionalverbands der Parkinson Vereinigung. Bevor sie vor zwei Jahren in der Beelitzer Neurologie-Klinik (Potsdam-Mittelmark) neu auf ihre Tabletten eingestellt wurde, war Vesper eine schlechte Autofahrerin. „Ich bin oft sehr langsam gefahren und bin eigentlich nur ins Auto gestiegen, wenn ich wirklich musste“, sagt sie. Es sei schwierig gewesen, die Spur zu halten und die Straßen fühlten sich enger an, als sie waren. Ein Automatikauto hilft ihr heute, sich auf das Lenken zu konzentrieren. „Ich traue mich sogar wieder nach Berlin und fahre wesentlich öfter.“ Georg Graßhoff stellte ihr damals ein positives Gutachten aus.

Ein wichtiger Bestandteil des Fahrtests ist die Vollbremsung. „Dabei kommt es auf eine schnelle Reaktion an. Wenn ich Jetzt sage, muss sofort gebremst werden. Viele treten das Pedal zu zaghaft oder treffen es nicht richtig“, so Graßhoff. Auch wenn eine Ampel auf Rot springt, können Betroffene schlecht einschätzen, ob sie es rechtzeitig über die Linie schaffen. „Oft passieren im Straßenverkehr unvorhergesehene Dinge. Zur Fahrtüchtigkeit gehört, sich schnell umstellen zu können.“ Parkinson-Kranke leiden oft auch an Tagesmüdigkeit, weil sie nachts nicht schlafen können oder starke Tabletten nehmen. Nicht nur deswegen entscheide auch immer der Facharzt darüber, ob Patienten Autofahren dürfen. Im Land Brandenburg arbeitet Graßhoff nicht nur mit der Klinik in Beelitz zusammen, sondern auch in Wandlitz (Barnim) und Grünheide (Oder-Spree).

Schwächen erkennen und beheben

Rammt ein Parkinson-Kranker mit seinem ein anderes Fahrzeug zum Beispiel auf dem Parkplatz, kann die Polizei seine Fahrtüchtigkeit anzweifeln und ihn beim Straßenverkehrsamt melden. Die wiederum können einen Fahrtest behördlich anordnen. „Es ist nicht ratsam, es soweit kommen zu lassen“, mahnt Graßhoff. Erstens sei der Druck dann viel größer, weil es nur bestanden oder nicht bestanden gibt, und zweitens müsse man mehr bezahlen. Bei einem freiwilligen Test ginge es vorrangig darum, Schwächen zu erkennen und zu beheben. „Autofahren soll Spaß machen und nicht zur Horrorvorstellung werden“, sagt Graßhoff. Auch Klaus-Dieter Bohm, der seit zwei Jahren von Parkinson betroffen ist, hat einen Fahrtest bei Graßhoff absolviert. Er war lange Zeit hauptberuflich Fernfahrer und ist froh, dass ihn die Krankheit noch nicht allzu sehr beeinträchtigt. Auch wenn er kein negatives Ergebnis bekommen hat, hätte er den Rat, das Auto lieber stehen zu lassen, ernst genommen. „Das Gutachten gibt mir Sicherheit, falls doch mal was passiert“, sagt Bohm.

Die Parkinson-Gala

„Tulip“ ist der Name

größte Charity-Projekt dieser Art für Parkinson-Erkrankte ist. Der Name des Projekts leitet sich von der Tulpe ab, dem weltweiten Symbol für das Parkinson-Engagement.

Diese wohltätige Veranstaltung soll einerseits das Schicksal der Betroffenen und ihrer Familien ins öffentliche Bewusstsein rücken und zugleich alternative und neue Therapien und deren Erprobung fördern. Aus diesem Grund wird der Erlös der Gala jedes Jahr an den Verein Deutsche Parkinson Hilfe gespendet.

Die Gala hatte von Anfang an viele prominente Unterstützer. Insgesamt konnten bereits rund 70 000 Euro an Bar- und Sachspenden gesammelt werden.

2014 war Roland Kaiser Stargast und gab ein exklusives Live-Konzert. In diesem Jahr werden Autor Ben Becker und Sängerin Marianne Rosenberg auftreten.

Die sechste Auflage der Tulip-Gala findet am 10. Oktober im Van-der-Valk-Hotel in Blankenfelde (Teltow-Fläming) statt.

Auch welche Eigenschaften und Fähigkeiten ein Fahrlehrer mitbringen muss, ist nicht gesetzlich geregelt. Theoretisch könne man den Test auch in einer ganz normalen Fahrschule absolvieren. Ratsam sei das aber laut Graßhoff nicht. Der gebürtige Braunschweiger selbst ist schon seit 1978 als Fahrlehrer für Behinderte tätig und hat in den Jahren viel Erfahrung mit gehandicapten Autofahrern gesammelt. Neben medizinischen Grundkenntnissen, die er regelmäßig auf Fortbildungen auffrischt, gehöre auch ein grundsätzliches Einfühlungsvermögen dazu. Außerdem müsse man wissen, welche technischen Hilfsmittel es für Parkinson-Kranke gibt. „Eine Qualitätssicherung wäre gut, aber die kostet dem Staat zu viel Geld“, weiß Graßhoff, der selbst versucht hatte, sie auf den Weg zu bringen.

Von Luise Fröhlich

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