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Brandenburg Sicher auf dem Bock: Führerschein für Kutschen
Brandenburg Sicher auf dem Bock: Führerschein für Kutschen
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19:41 14.05.2017
Fahrlehrer Philip Marsch spannt in Neustadt Dosse die Kutschpferde Galidor und Nero (r) vor die Kutsche. Quelle: dpa
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Neustadt/Dosse

Galidor und Nero stehen ganz entspannt vor dem Stall. Die kommende Prozedur sind die beiden Kutschpferde gewohnt. Auf dem Haupt- und Landgestüt in Neustadt/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) werden die fast 20 Jahre alten Wallache für eine Ausfahrt vorbereitet. Philip Marsch erklärt in ruhigem Ton, welche Handgriffe erforderlich sind. „Es dauert seine Zeit, ehe der Kutscher auf den Bock steigen kann“, sagt der 25-Jährige. Er überprüft den Sitz der Leinen, der Kandare im Gebiss, der Riemen und Gurte. „Eile bringt nichts, schadet nur der Sicherheit“, sagt Marsch.

Bei ihm kann jeder, der möchte, einen Kutschen-Führerschein erwerben – auch für den privaten Gebrauch. Ab dem 1. Juni gibt es ein solches Zertifikat bundesweit auch für Freizeit-Kutschen. Bislang müssen nur gewerbliche Anbieter eine solche Befähigung nachweisen.

Der Tierrechtsorganisation Peta reicht das nicht aus. Sie bleibt bei der Forderung nach einem generellem Verbot von Kutschfahrten. „Pferde sind nicht dazu da, vor Kutschen gespannt zu werden“, sagt ein Sprecher. Vor allem im Straßenverkehr in Städten sei das mit dem Tierschutz nicht vereinbar. In Berlin werde derzeit versucht, ein Verbot der vor allem bei Touristen beliebten Touren durchzusetzen.

Unfälle mit Pferden gibt es immer wieder. Rund 50 wurden nach Angaben von Peta im vergangenen Jahr bundesweit registriert. Allein in Brandenburg waren es nach Angaben des Sprechers des Polizeipräsidiums, Torsten Herbst, zehn – mit acht Verletzten. „Meist waren Autofahrer zu dicht aufgefahren“, sagt er. Die Tiere gingen durch.

Und wie sollen Autofahrer reagieren? Die Vierbeiner nicht erschrecken oder gar hupen. In Fahrschulen sei immer wieder Thema, wie sich Kutscher und Autofahrer richtig verhalten, sagt der Vorsitzende das Brandenburger Fahrlehrerverbandes, Marco Dammmüller. „Beide Seiten müssen sich nur an die Regeln halten“, mahnt er.

Die Reiterliche Vereinigung setzt weiter auf Freiwilligkeit beim Kutschen-Führerschein für den Freizeitbereich. „Wichtig ist, immer wieder Handgriffe zu üben“, sagt Thomas Ungruhe, Leiter Breitensport beim Verband. „Kutscher sind mit ihren Gespannen auch Verkehrsteilnehmer.“ Seit die Formulare für den Erwerb des Zertifikats Mitte April auf die Internetseite gestellt wurden, kämen über 100 Anträge pro Tag an, sagt Ungruhe.

Die Schüler üben zunächst an einem Holzgestell. Daran wird demonstriert, wie das auf den ersten Blick verwirrende System der viele Meter langen Leinen funktioniert.

Fahrlehrer Marsch – in zünftiger Dienstkleidung – will seinen Schülern vor allem den richtigen Umgang mit den Pferden beibringen – ohne Zwang, wie er betont. „Mit der Peitsche wird nicht geschlagen“, sagt er. Das Tier werde nur leicht an der Flanke berührt. „Es weiß dann, in welche Richtung es geht.“ Es sieht spielerisch aus, wenn durch die Finger seiner rechten Hand die Ledergurte gleiten. Er hat sie trotzdem fest im Griff und kann sofort reagieren. Mit seinen Pferden kommuniziert er fast nur über das Bewegen der Leinen. Selten ist ein Kommando wie „Komm“, „Trab“ oder „Halt“ zu hören. Statt des Blinkers wie beim Autofahren hält er die Kelle hoch. Er zeigt damit: Die Kutsche biegt nach rechts ab.

Marsch liebt gemächliches Fahren. Er betont: Die Pferde brauchen „Pausen, genug Wasser und Schutz vor Sonne“. Und was gibt es als Belohnung? „Nichts“, sagt Marsch resolut. „Wenn sie Leckereien vermuten, zupfen sie nur immer an den Taschen.“ Es müsse ausreichen, dass er sie lobe. Dann hält er doch plötzlich eine Knabberei in der Hand.

Von Gudrun Janicke

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