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Brandenburg So machen Sie Ihr Haus einbruchssicher
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00:22 09.11.2018
Alexander Gehl ist Hauptkommissar und Leiter des Sachgebiets Prävention bei der Polizeiinspektion Potsdam. Quelle: Foto: Jana Einecke

Herr Gehl, wo hört Sicherheitsbedürfnis auf, wo fängt Paranoia an?

Sicherheitsbedürfnis hört auf, wenn ich über ordentlichen mechanischen Schutz verfüge. Das heißt: über Fenster und Türen, die einem Einbruchversuch drei bis fünf Minuten standhalten. Wenn ich dann immer noch nicht schlafen kann, noch ein Schloss und noch eine Alarmanlage kaufe und trotzdem denke, es wird ständig bei mir eingebrochen, dann fängt Paranoia an.

Wie viel Geld sollte ich in die Sicherung meines Hauses investieren?

Wenn ich mein Haus im Wert von 150.000 Euro gleich beim Bau mit der Widerstandsklasse RC 2 ausstatten will, es also einem Einbruchsversuch drei bis fünf Minuten standhalten soll, muss ich rund 4000 Euro einrechnen. Lasse ich nachrüsten, sind wir schon bei 10.000 Euro. Und das sind Zahlen von vor drei Jahren! Sie können sich vorstellen, dass das mittlerweile teurer geworden ist.

An dieser Technik scheitern die Einbrecher am ehesten

Bei einer Mietwohnung ist das sicher billiger, oder?

Ja. Als Mieter darf man auch gar nicht so viel machen, da ist auch der Vermieter gefragt. Meist liegt der Schwerpunkt auf der Eingangstür. Eine Mehrfachverriegelung ist hilfreich, auch ein Querriegel schreckt ab. Den zu überwinden, dauert 20 Minuten. Wir hatten mal einen Testfall, da war die Tür weg, von einem Vorschlaghammer zertrümmert, aber der Riegel noch da. Empfehlenswert ist auch eine Kette, die man von außen abschließen kann.

Kann der Einbrecher die nicht einfach durchknipsen?

Nein. Es ist eher so: Der Ganove öffnet die Tür mit einem Schraubendreher oder einem Kuhfuß. Dann – schwupp! kommt die Kette. Da müsste er jetzt einen Bolzenschneider oder eine Flex dabei haben, das erfordert eine gewisse Vorbereitung. Außerdem macht das Krach und dauert. Und schon sind die drei Minuten um. Innerhalb von drei Minuten will der Einbrecher in der Regel drin sein.

Also besorge ich mir eine Kette. Was kann ich sonst noch machen?

Ich sage immer: Licht, Leute, Lärm. Das A und O ist das eigene Verhalten. Immer abschließen. Handtasche und Schlüssel nicht im Flur herumliegen lassen. Nicht glauben, dass nur bei anderen eingebrochen wird. Am wichtigsten ist, dass Einbrecher gar nicht erst hineinkommen. Am häufigsten scheitern sie an sogenannten Pilzkopfverriegelungen und Zusatzschlössern an Fenstern und Türen.

Um diese Uhrzeit steigen Einbrecher am liebsten ein

Wie sieht das todsichere Haus aus?

Es gibt kein absolut sicheres Haus. Hunde, Kameras, Bewegungsmelder oder ein Schild „Vorsicht, wachsamer Nachbar“ können Einbrecher abhalten – oder auch nicht. Damit würde ich den mechanischen Schutz nur ergänzen. Hunde kann man ablenken, Lichtbewegungen beobachten. Ich habe übrigens mal Bürger beraten, die hatten einen Papagei. Der war wirklich effektiv: Kaum betrat man den Raum, ging das Theater auch schon los (lacht).

Der größte Fehler ist ja, das Fenster gekippt oder ganz offen zu lassen. Bis zu welchem Stockwerk gilt das?

Naja, in der Regel bringt der Einbrecher keine Leiter mit. Das Erdgeschoss ist natürlich am gefährdetsten, aber ich würde auch im 3. Stock noch die Balkontüren schließen.

Wann und wo steigen Einbrecher am liebsten ein?

Bevorzugt gegen 15, 16 Uhr. Deshalb sollte man auch tagsüber abschließen, wenn man zu Hause ist. Generell wird in Mehrfamilienhäusern und stabilen Nachbarschaften seltener eingebrochen, da ist die Entdeckungsgefahr größer. Einbrecherfreundlich sind unbeleuchtete Einfamilienhäuser in Gebieten mit vielen Fluchtwegen. Wir sehen unseren Schwerpunkt im Bereich Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf, obwohl die Straftaten da ebenfalls zurückgegangen sind.

Wie gelangen sie ins Haus oder in die Wohnung?

Zu 80 Prozent durch Fenstertüren und Fenster. Die werden in rund dreiviertel der Fälle aufgehebelt. Bei Türen lehnen sich Einbrecher zunächst mit dem Rücken dagegen, beobachten die Gegend und testen den Widerstand mit dem Hacken. Daran merken sie, ob die Tür verriegelt oder nur zugedrückt ist. Im letzten Fall müssen sie dann nur den Schließkeil überwinden. Profis schaffen das innerhalb von Sekunden mit einer Plastikkarte.

„Buchtresore? Lassen Sie’s bloß sein!“

Stichwort Profis: Wer sind diese Einbrecher?

90 Prozent sind sogenannte Durchziehende. Die gehen von Haus zu Haus, wollen schnell rein, schnell durch und schnell wieder raus. Stoßen sie auf Widerstand, gehen sie weiter. Etwa 10 Prozent sind dem organisierten Verbrechen zuzurechnen. Bei Wohnungseinbrüchen in Mehrfamilienhäusern kennen sich Täter und Opfer überdurchschnittlich oft.

Klingt so, als sollte ich das Versteck meines Familienschmucks lieber für mich behalten.

Auf jeden Fall! Nicht weitererzählen. Sie wissen nicht, welche Kreise das ziehen kann.

Haben Sie trotzdem einen Tipp? Vielleicht die Mehldose?

(verzieht das Gesicht) Tipps zu geben, finde ich unseriös. Einbrecher stellen eh alles auf den Kopf. Ein Ganove empfahl mal Briefumschläge und Aktenordner als Versteck. Würde ich nie empfehlen.

Es gibt ja Buchtresore: Taugen die was?

Lassen Sie‘s bloß sein! Wenn schon, dann einen richtigen Safe, zertifiziert, feuerfest und an mindestens vier Punkten in der Wand verankert, am besten hinter einem Schrank. 100 Euro sollte er schon kosten. Den kann man auch als Mieter einbauen. Und dann darüber Stillschweigen bewahren.

Das bringt künstliche DNA

Lohnt es sich für Privatleute, ihre Wertsachen mit künstlicher DNA einzupinseln?

Ja, als zusätzlicher Schutz. Die Dinge sind dann registriert, und der dazugehörige Aufkleber schreckt Einbrecher nachweislich ab. Außerdem muss die DNA mühsam vom Diebesgut abgekratzt werden, so verliert es an Wert. Und wir haben es auch leichter: Wenn die Ladung eines Lkw unter UV-Licht leuchtet, dann ist das hochgradig verdächtig.

Gibt es noch Gaunerzinken, mit denen organisierte Einbrecher Häuser markieren?

Ja. Ein Zeichen kann aber von Bande zu Bande Verschiedenes bedeuten. Wer eins entdeckt, sollte 110 wählen.

Ein Einbruch bedeutet ja nicht nur, das wertvolle Dinge gestohlen werden, sondern auch einen Eingriff in die Privatsphäre. Wie geht man damit am besten um?

Indem man sich Hilfe von außen holt, zum Beispiel beim Weißen Ring oder in Potsdam bei der Trauma-Ambulanz. Dort arbeiten Psychologen. Als nächstes sollte man die Ursachen, die zum Einbruch geführt haben, abstellen. Und schließlich wieder zum inneren Frieden finden. Das eigene Haus zu verkaufen, würde ich mir lieber zweimal überlegen.

Was tue ich, wenn ich einen Einbrecher in meinem Haus bemerke?

Ruhe bewahren. Einbrecher sind keine Gewalttäter, sie wollen keinen Kontakt mit dem Bewohner. Stellen Sie sich ihm nicht in den Weg und merken Sie sich möglichst konkret, wie er aussieht. Wenn Sie nach Hause kommen und es war schon jemand da, betreten Sie bitte die Wohnung nicht und wählen die 110. Je mehr Spuren wir jemandem zuordnen können, desto höher fällt sein Strafmaß aus, und desto länger kann er nicht einbrechen.

Der dreisteste Bruch

Was ist der dreisteste Einbruchdiebstahl, der Ihnen einfällt?

(überlegt) Ziemlich dreist fand ich es, als einer älteren Dame im Schlaatz die Handtasche entrissen wurde. Sie rief die Polizei, wir brachten sie nach Hause – oder besser: zur Nachbarin, der Wohnungsschlüssel war ja auch gestohlen worden. Und wie wir da so sitzen und die Dame beruhigen, hören mit einem Mal Geräusche an der Nachbartür. Der Überfall war keine Stunde her. Da wollte der Räuber bei der Geschädigten einbrechen! Den haben wir gleich eingesackt.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote sonst bei Einbruch?

Knapp zehn Prozent, frustrierend gering. Deswegen werbe ich vehement dafür, dass sich die Leute schützen – und uns auch Bescheid sagen, wenn sie irgendetwas Verdächtiges beobachten. Wir müssen zusammenarbeiten, sonst geht es nicht.

Von Jana Einecke

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