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Wie Ehrenamtler zum Verbrecherschreck werden

Sicherheitspartnerschaften Wie Ehrenamtler zum Verbrecherschreck werden

Vielerorts geht die Angst um – sei es, weil sich die Polizei zurückgezogen hat, sei es, weil Kriminalitätsraten steigen. Um der Bildung von Bürgerwehren vorzubeugen, gibt es in Brandenburg Sicherheitspartnerschaften zwischen Bürgern, Gemeinden und Polizei. Das 20 Jahre alte Modell soll jetzt reformiert werden – da bleibt der Streit nicht aus.

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Partner in der Not: Vielerorts unterstützen Bürger die Polizei bei ihrer Arbeit, wie in Perleberg (Prignitz).

Quelle: Matthias Gabriel

Oranienburg. In Bärenklau haben sie die Langfinger erfolgreich in die Flucht geschlagen. Als Klaus-Dieter Oeder und seine Mitstreiter im Januar 2012 ihr Ehrenamt antraten, zählte die 1300-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Oberhavel zu den Kriminalitäts-Brennpunkten – mit den meisten Einbrüchen je 1000 Einwohner. Doch kaum hatten sich die Nachbarn organisiert, sei die Quote um die Hälfte gesunken, erzählt der 66-Jährige. 2013 und 2014 habe es keinen einzigen Einbruch mehr in Bärenklau gegeben.

„Wir haben schnell das Vertrauen von Polizei und Gemeinde gewonnen“, sagt Oeder. Das Erfolgsrezept will er ungern in der Zeitung lesen. Vor Ort gibt es die unterschiedlichsten Herangehensweisen an Sicherheitspartnerschaften. In Bärenklau scheinen Bürger, Gemeinde und Polizei mustergültig zu harmonieren – so muss es gedacht gewesen sein, als 1995 angesichts steigender Kriminalitätsraten die Sicherheitspartnerschaften ins Leben gerufen wurden.

Innenminister hält Erlass für museumsreif

20 Jahre später ist die Entwicklung ähnlich. Aber Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hält den Erlass, der unter anderem die Sicherheitspartnerschaften regelt, für museumsreif. Wie genau die „Kommunale Kriminalitätsverhütung“ künftig zu definieren ist, darüber wird mitunter heftig gestritten, wie am Montag eine Fachtagung bei der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg (Oberhavel) gezeigt hat.

„Ich bin maßlos enttäuscht“, sagt etwa Lothar Ebert. Er ist Amtsdirektor in Golzow (Uckermark), unweit der polnischen Grenze. Eine Kriminalitätshochburg. Aus Ebert sprechen Verzweiflung und Ohnmacht. Im Amtsbereich gibt es drei Sicherheitspartnerschaften. Einmal, die Bürger gingen gerade auf Streife, kam die Bundespolizei vorbei, sie grüßten freundlich. Kurz darauf folgte die Landespolizei – ohne die Ehrenamtler eines Blickes zu würdigen, wie Ebert erzählt.

Sicherheitspartner bleiben auf Kosten sitzen

Es ist nicht nur, dass es mancherorts an Wertschätzung für die engagierten Bürger fehlt. „Wir fahren 50 bis 90 Kilometer in der Nacht“, ergänzt Botmer Mischke von der benachbarten Sicherheitspartnerschaft Sophienthal. Auf einem Großteil der Kosten bleiben sie sitzen. Das Land stellt lediglich eine Aufwandsentschüdigung über 25 Euro pro Monat und Kopf bereit, höchstens aber 250 Euro pro Sicherheitspartnerschaft.

Innenminister Schröter weiß um die Probleme. Er sieht in den Sicherheitspartnern engagierte Ehrenamtler, aber keine Reserve der Staatsmacht. Am liebsten würde er ihnen mehr Polizisten schicken, stattdessen muss er es bei Ausweisen im Scheckkartenformat und Funktionsjacken belassen. Ein bisschen Anerkennung, immerhin.

Von Bürgerwehren will auch der Bärenklauer Oeder nichts wissen. Die örtliche Sicherheitspartnerschat zeigt, dass Staat und Bürger gemeinsam etwas bewegen können. Diese Erfahrungegen gelte es auszutauschen, meint Oeder. Die Fachtagung in Oranienburg war dafür erst ein Anfang.

Von Bastian Pauly

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