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Brandenburg Sieben Kilometer in die Erde
Brandenburg Sieben Kilometer in die Erde
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13:54 13.09.2015
Geologe Michael Göthel im Brandenburger Bohrkernarchiv in Wünsdorf. Quelle: Claudia Bihler
Pröttlin

„Dort unten wollte man hin, um das zu finden”, sagt Tiefengeologe Michael Göthel vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, und zeigt ein Stück Schwarzschiefer. Den greift er aus einer der schmalen Kisten mit Bohrkernen, von denen rund 160 Kilometer im Bohrkern-Archiv des brandenburgischen Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in vier ehemaligen Panzerhallen in Wünsdorf lagern.

Der Schiefer gehört zu den Bohrkernen der mit 7008 Metern tiefsten Bohrung, die je in Brandenburg abgeteuft wurde: „E Pröt 1h/81“ heißt sie, das „Pröt“ steht für das Dörfchen Pröttlin in der Prignitz, das große „E” für Erdgas, die „81“ ist das Jahr des Bohrbeginns. „Unbezahlbar wäre diese Forschungsbohrung heute“, stellt Göthel fest.

Auf der Suche nach Erdgas

Das VEB Kombinat Erdöl und Erdgas Gommern war mit Unterstützung des Zentralen Geologischen Instituts damals mit der Rohstofferkundung beauftragt. In der naheliegenden Altmark waren beträchtliche Erdgasvorkommen bekannt. Der Staat wollte wissen, wo das Muttergestein des Erdgases liegt und wie es beschaffen ist.

Die Pröttliner Region wies zwei Bedingungen auf, die für die Bildung von Erdgasreservoirs nötig sind. Nach oben muss ein Reservoir abgedichtet sein. Dafür haben die Salzschichten des Zechsteinmeeres vor 255 Millionen Jahren gesorgt. Waren die schmalen Zuflüsse zum arktischen Ozean frei, wurde Salzwasser eingetragen, waren sie verschlossen, reicherte sich durch Verdunstung der Salzgehalt des Wassers immer weiter an. In größerer Tiefe und weiter zurück in der Zeit liegt das Speichergestein. Der Sandstein entstand im ältesten Abschnitt des Perms, als Brandenburg durch Trockenheit und große Hitze verwüstet war: „Ähnlich wie im heutigen Death Valley in Amerika”, sagt Göthel. In diesen See wurden aus dem Variszischen Gebirge im Norden nach Regenschauern Material über Wadis in einen großen Binnensee transportiert. An den Ufern lagen mächtige Dünen, deren Sand durch Oxidation rot gefärbt wurde. Die Dünen bilden heute die 265 Millionen Jahre alten porösen Sandsteinschichten des Rotliegend: Speichergestein für Erdgas aus tieferen Schichten, 50 Meter dick in Pröttlin.

Der Schiefer ist reich an organischem Kohlenstoff

Als der Bohrtrupp das Rotliegend durchörtert hatte, traf er nach weiteren Schichten schließlich auf die Schicht des über 1000 Meter mächtigen Schwarzschiefers. Der sieht eigentlich ganz unspektakulär aus: tiefschwarz, schwacher Glanz, das feinstrukturierte Gestein färbt ein wenig ab. Aber er war das gesuchte Muttergestein, reich an organischem Kohlenstoff. Der Schiefer entstand vor 325 Millionen Jahren im Karbon. Im heutigen Nordwestdeutschland breitete sich ein riesiges Gewässer aus, dem Sauerstoff fehlte. Absterbende Mikroorganismen sanken zu Boden, Faulschlamm bildete sich: Die wichtigsten Voraussetzungen zur Bildung von Erdgas waren erfüllt.

Erdgasbohrung

Prinzipiell besteht kein Unterschied in der Vorgehensweise, ob bis 500 oder 5000 Meter gebohrt wird.

Mit zunehmender Tiefe – erhöhen sich jedoch die Ansprüche an Leistungsfähigkeit und Größe der Bohranlage. Drücke bis zu 1000 bar, Temperaturen um die 150°C und die Festigkeit des Gesteins stellen besondere Anforderungen an Material und Technik.

Brandenburgs Rekordbohrung ist Pröttlin bis heute, obwohl die 7008 Meter lange Teufe senkrecht zur Erdoberfläche gemessen dann wegen Abweichungen doch nur 6490 Meter in die Erdkruste hineinreicht. Bohrkerne wurden damals aus Kostengründen nur von den unteren Schichten entnommen. Die Schichten jüngerer Erdzeitalter waren als loser Bohrschutt weggeworfen worden.

Aber die Schwarzschiefer-Bohrkerne in Wünsdorf sind jüngst wieder von wissenschaftlichem Interesse. Der Schiefer wird heute nicht genutzt, ist aber eventuell das Gestein, aus dem in ferner Zukunft Erdgas gewonnen werden könnte.

Als nächsten brandenburgischen Superlativ zeigen wir das größte Fahrgastschiff zwischen Oder und Elbe. Alle Beiträge der Serie unter www.MAZ-online.de/superlative

Von Claudia Bihler

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