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Silberbüchse für 65.000 Euro versteigert

Winnetou-Versteigerung in Mühlenbeck Silberbüchse für 65.000 Euro versteigert

Pierre Brice war Winnetou: Im Juni verabschiedete sich der französische Schauspieler in die „ewigen Jagdgründe“. Am Wochenende konnten seine Fans auf ungewöhnliche Weise noch einmal Abschied nehmen. Der Nachlass des legendären Schauspielers kam in Mühlenbeck (Oberhavel) unter den Hammer.

Auktionsmitarbeiter Detlef Steinhoff mit der legendären Silberbüchse.
 

Quelle: dpa

Mühlenbeck .  Um Punkt 10.00 Uhr fällt erstmals der Hammer: Das erste Spielzeugauto von Pierre Brice, ein kleiner gelber Citroën zum Aufziehen, findet für 280 Euro einen neuen Besitzer. Am Ende der zweitägigen Auktion wird das letzte „Spielzeugauto“ des legendären Winnetou-Darstellers aufgerufen werden – ein metallicgrauer Jaguar mit Holz-Lenkrad und weißen Ledersitzen. Dazwischen liegt ein Leben von 86 Jahren.

Die 20 Jahre jüngere Witwe Hella Brice lässt fünf Monate nach dem Tod ihres Mannes mehr als 1500 Erinnerungsstücke aus dem gemeinsamen Haus in Frankreich versteigern. „Ich bin ganz zufrieden. Ich habe gut geschlafen und mit Pierre gesprochen“, sagt sie am Samstag bei ihrer Ankunft in der riesigen Auktionshalle in Mühlenbeck (Oberhavel). „Die Versteigerung war ja sein eigener Wunsch.“ Das Berliner Auktionshaus Historia mietete in Mühlenbeck eigens eine große Halle an, weil mit großem Andrang zu rechnen war.

Dolch aus den Kriegstagen: Von zehn auf 2700 Euro hochgeboten

Eines der vielen Indianerkostüme

Eines der vielen Indianerkostüme

Quelle: dpa

Zu den besonders begehrten Objekten am ersten Tag gehört der Dolch eines deutschen Offiziers, den Pierre Brice 1945 geschenkt bekam. Der Offizier hatte mit einer Französin ein uneheliches Kind, ihm drohte deshalb der Einsatz an der Ostfront und damit ziemlich sicher der Tod. Brice überstellte ihn an die amerikanischen Einheiten und erhielt als Dank für die Lebensrettung den schmalen Dolch. Mit zehn Euro steigt Auktionator Michael Lehrberger ein, doch die Fangemeinde ist mit Bieten und Überbieten in Windeseile über der Tausendergrenze. Am Schluss bekommt der private Sammler Rainer König für sage und schreibe 2700 Euro den Zuschlag. „Ich bin nur wegen diesem Stück gekommen“, sagt der 55-Jährige stolz. „Mich hat die Geschichte zusammen mit dem Namen Pierre Brice so fasziniert, dass ich das Teil unbedingt haben wollte.“

Die Silberbüchse ist heiß begehrt

Im Mühlenbeck (Oberhavel) mietete der Berliner Auktionator eigens Hallen an

Im Mühlenbeck (Oberhavel) mietete der Berliner Auktionator eigens Hallen an.

Quelle: dpa-Zentralbild

Heiß begehrt ist auch die Silberbüchse, die der Schauspieler sich nach dem Film-Original aus einem Winchesterstutzen anfertigen ließ und mehr als 30 Jahre als Talisman bei all seinen Winnetou-Auftritten trug. Das mit einem silbernen „W“ beschlagene Gewehr sollte allerdings erst spät zum Aufruf kommen. Die Online-Gebote lagen nach Auskunft von Familiensprecher Thomas Claaßen schon vorab im fünfstelligen Bereich. Am Ende ging sie für 65.000 Euro weg. Einen Teil des Gesamterlöses will die Witwe an die Initiative „Dalai Lama future4children“ stiften, die missbrauchten Frauen und Mädchen in Südindien ein neues Zuhause geben möchte. „Pierre hätte sich das gewünscht - es war sein letztes Hilfsprojekt“, sagt sie. „Er hat mich gelehrt, loszulassen und zu teilen.“

Taufkleidchen und Kinder-U-Boot

Die Kostüme waren heiß begehrt

Die Kostüme waren heiß begehrt. Aber auch ganz normale Antiquitäten.

Quelle: dpa

Und schnell kommt in der Halle einiges zusammen. So geht das spitzenbesetzte Taufkleidchen von Klein-Pierre für 460 Euro weg, ein von ihm als Kind gebasteltes U-Boot mit rostigen Nägeln als Takelage bringt 550 Euro ein. Und ein weiterer Dolch aus dem Indochina-Krieg, der ihm einst das Leben rettete, holt gar 4500 Euro. Die meisten Interessenten bieten per Internet, einige auch über das Telefon.

Doch für viele der über hundert Menschen im Saal hat die Auktion auch einen anderen Sinn. „Für mich ist es eine Brücke, um Abschied zu nehmen“, sagt Frank Wunderlich (63), der als Stunt- und Castingfotograf seit 1977 immer wieder Bilder von Pierre Brice gemacht hat. Und Michael Petzel, Geschäftsführer des Karl-May-Archivs in Göttingen, meint: „Die Versteigerung gibt den Fans das Gefühl, bis zum Schluss an seinem Leben Anteil zu nehmen. Es ist sein letzter großer Auftritt.“

Von Nada Weigelt

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